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| 21:54 Uhr

„LR vor Ort“ in Hoyerswerda
Genug von Dramen und dem Wolf

 Reporterin Anja Hummel zeigt Ashley (5), die mit dem Vater gekommen ist, ihren Arbeitsplatz.
Reporterin Anja Hummel zeigt Ashley (5), die mit dem Vater gekommen ist, ihren Arbeitsplatz. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Hoyerswerda. RUNDSCHAU-Leser wünschen sich mehr Hoyerswerdaer Erfolgsgeschichten und einen Radweg ins Lausitzer Seenland. Von Anja Hummel und Rita Seyfert

„Wer liest Korrektur?“, „Was ist ein Blattmacher?“, „Nehmt Ihr auch Praktikanten?“: Fragen wie diese stellten Hoyerswerdaer der Redaktion der Lausitzer Rundschau bei „LR vor Ort“ am Donnerstag.

Einige Besucher steckten nur zur Stippvisite kurz den Kopf durch die Tür. Andere erschienen mit Stichpunktzettel in der Hand, darunter ein ehemaliger Kohle-Betriebsleiter, der seinen Namen nicht nennen wollte. Mehr Stellung nehmen und Flagge zeigen, dafür weniger Sensationshascherei. „Als Presse muss man sich festlegen.“ Und: Mehr Aktualität und Meinungsbilder wünsche er sich, sagte er. Wenn beispielsweise über einen singenden Stasi-Baggerfahrer ein Film gedreht wird oder sich Kohlegegner an Bahngleise ketten, wolle er wissen, wie die Presse dazu steht. Wichtig finde er auch, dass die Medien hin und wieder in der Geschichtskiste kramen und Zeitzeugenberichte herausziehen. „Was ist zum Beispiel aus den Leuten vom Neuen Forum geworden?“, fragt er. „Bei der Herbst-Demo 1989 in Hoyerswerda war richtig was los“, erinnert er sich. Für das, was danach geschah, sei „Wiedervereinigung“ aber das falsche Wort. „Die DDR wurde der BRD ‚angegliedert’“, sagt er. Gerade für die jüngere Generation seien Artikel über „unsere Wurzeln“ seiner Meinung nach aber relevant.

 Falk Püchner (36) und Florian Nüsse (29) berichten, wo sie sich im Netz über die Region informieren.
Falk Püchner (36) und Florian Nüsse (29) berichten, wo sie sich im Netz über die Region informieren. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

Da ist auch Henry Reinert (51), treuer Rundschau Leser – seit 20 Jahren „studiert“ er die Hoyerswerdaer Ausgabe. Jetzt ist er mal neugierig. „Ich wollte einfach wissen, wie ihr hier so arbeitet.“ Den Tag der offenen Tür findet er super. „Aber vielleicht wäre es an einem Samstag besser“, schlägt er vor.  Warum er die LR liest? „Mich interessiert nicht nur Sachsen, ich fühle mich als Lausitzer.“ Die übergreifende Berichterstattung bis nach Brandenburg überzeugt ihn. Dennoch wünscht er sich mehr Hoyerswerdaer Themen im Blatt.

 Ashley (5) freut sich über ihren neuen Rundschau-Schreibblock.
Ashley (5) freut sich über ihren neuen Rundschau-Schreibblock. FOTO: LR / Anja Hummel

Hingegen gar nicht mehr ins Blatt schauen Florian Nüsse und Falk Püchner. Die beiden Männer sind nur noch online unterwegs, holen sich alle Infos rund um Hoyerswerda aus den sozialen Netzwerken. „Auf Facebook kriegt man doch alles mit“, sagt Falk Püchner. Sein Kumpel stimmt ihm zu. Auch von dem Tag der offenen Tür haben die beiden dank Facebook erfahren. Dass die Rundschau auch auf dieser Plattform unterwegs ist, finden sie sehr gut – genauso wie Kurzvideos aus der Region. Andere Zielgruppe, anderes Medium. Bewegtbild geht vor Text.

Das sieht bei Winfried Christoph anders aus. Er ist erst seit kurzem Abonnent der Rundschau. Warum er in der Redaktion vorbeischaut? „Wo kneift es uns im Alltäglichen? Wo sollte man etwas verändern?“, fragt sich der ehrenamtliche Mitarbeiter des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland. Er möchte in der Zeitung lesen, was sich in Hoyerswerda tut, was das Seenland braucht, wünscht sich eine kritischere Recherche und mehr Dranbleiben, „Themen, die uns und die Region wirklich voranbringen“. Und er liefert auch gleich  Anregungen: „Hoyerswerda ist eine Stadt der Scherben“, erzählt er. Überall, ob im Freizeitkomplex oder auf der Bautzner Brücke – alles sei mit Scherben gepflastert. „Es geht nicht darum, dass nicht ordentlich aufgeräumt wird, es geht um die Verursacher“, so Winfried Christoph.

Am Ende des Tages steht fest: Hoyerswerda braucht mehr positive Nachrichten, damit die Leute in der Region bleiben. Storys vom bösen Wolf, dem rechten, politischen Spektrum oder Kohle-Dramen gibt es genug. Was fehlt, sind Erfolgsgeschichten und ein Radweg von Hoyerswerda ins Lausitzer Seenland. Versprochen: Wir bleiben dran.