ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 00:00 Uhr

Genmais-Pläne sorgen für Aufregung

Herzberg lehnt eine Genmais-Versuchsfläche im Stadtgebiet ab.
Herzberg lehnt eine Genmais-Versuchsfläche im Stadtgebiet ab. FOTO: Archiv: Volker Hartmann
Wiednitz. Für den Anbau von gentechnisch verändertem Mais hat ein Landwirt aus Wiednitz Flächen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angemeldet. Der kommerzielle Anbau des insektenresistenten Mon 810 ist in Deutschland zwar erlaubt. Allerdings ruht diese Zulassung. In der Region mehren sich Stimmen gegen die Pläne. Von Jan Augustin

Genmais auf einer Fläche von 75 Fußballfeldern. Geht es nach einem Landwirt aus Wiednitz, könnte dieses Szenario Wirklichkeit werden. Ein Areal in dieser Größenordnung meldete der Landwirt Mitte Februar beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) an.

Nina Banspach, Pressesprecherin beim BVL: "Mon 810 darf bis zum Aufheben der Ruhensanordnung nicht angebaut werden." Hinter der Bezeichnung Mon 810 steckt der insektenresistente Mais des amerikanischen Agrokonzerns Monsanto. Die Anordnung des Bundesamtes untersagt den Anbau. Der kommerzielle Anbau dieser Pflanze ist in Deutschland zwar erlaubt, allerdings ruht die Zulassung.

Wer gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen will, muss das spätestens drei Monate vor der Aussaat beim BVL anmelden. "Aufgrund dieser Dreimonatsfrist zeigen Landwirte den Anbau von Mon 810 vorsorglich an, um im Falle einer Aufhebung der Anordnung anbauen zu können", erklärt Banspach.

Im sogenannten Standortregister, das im Internet für jeden einsehbar ist ( www.bvl.bund.de ), kann man sich über die genauen Flurstücke und die geplante Größe informieren. Demnach hat der Wiednitzer Landwirt am 14. Februar zwei Flächen mit einer Gesamtgröße von 53,4 Hektar angemeldet - das entspricht in etwa der Größe von 75 Fußballfeldern. Dort ist auch zu lesen, dass es in Wiednitz schon seit 2006 entsprechende Anmeldungen gegeben hat.

Als Gottfried Jurisch noch Bürgermeister des heutigen Ortsteils von Bernsdorf war, habe es zu diesem Thema Diskussionen gegeben. "Wir waren nicht dafür", erinnert er sich. "Der Gemeinderat hat sich damals distanziert."

Auch Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel sei prinzipiell dagegen. "Ich könnte mir vorstellen, etwas Besseres anzubauen", sagt er. Dennoch will er sich nicht komplett verschließen, schließlich entwickle sich die Wissenschaft ja immer weiter. Habel gibt zu: "Man weiß einfach zu wenig darüber."

Gottfried Jurisch bekennt sich auch heute: "Ich bin Gegner des Genmaises." Jurisch schätzt, dass etwa Dreiviertel der Bevölkerung ähnlich denken. Die, die damals dafür waren, kamen von der Agrargenossenschaft Wiednitz, erinnert er sich. Am gestrigen Donnerstag wollte sich dessen Geschäftsführer Frank Groba gegenüber der RUNDSCHAU nicht näher äußern. "Das Thema Genmais ist doch gar nicht relevant", sagte er lediglich.

Jens Bitzka, der Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Bautzen, fordert den Landwirt auf, seine Anmeldung zu überdenken: "Genmais gefährdet nicht nur die Artenvielfalt in unserer Umwelt, sondern auch das Ansehen der einheimischen Bauern", schreibt er auf der Internetseite der Bautzener Grünen.

Zum Thema:
Den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) regelt in Deutschland das Gentechnikgesetz. Zwei Pflanzen sind derzeit für den kommerziellen Anbau zugelassen: Mon 810 und Amflora, eine gentechnisch veränderte Kartoffel von BASF.