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Gemeinschaftsgefühl steht oben an

Am Freitag ist der Jahrmarkt im Pfadfinderlager eröffnet worden.
Am Freitag ist der Jahrmarkt im Pfadfinderlager eröffnet worden. FOTO: Anja Guhlan/ang1
Schwarzkollm. Gemeinsam sitzt eine Gruppe von Pfadfindern auf der Wiese und schnitzt Holzlöffeln. "Ich schnitze gerne", sagt Joonas Falkenberg, ein Pfadfinder aus dem Chiemgau. Anja Guhlan / ang1

Innerhalb eines Nachmittages hat er einen Löffel geschafft, den er jetzt anderen Pfadfindern zeigt, um sie zu animieren. "Das ist relativ leicht, je nachdem welches Holz man verwendet", so der 17-Jährige. Ein Stückchen weiter beschlägt ein Pfadfinder mit den entsprechenden Buchstaben sein Kochgeschirr mit seinem Namen. Pfadfinderin Suse vom Stamm der "Brave Hearts" aus Jena gibt die Anleitungen dazu. An anderer Stelle verbinden Pfadfinder verschiedene Holzstämme mit Seilen und bauen daraus eine Wippe, ein Karussell oder einen Donnerbalken. An weiteren Stationen wird jongliert, getanzt oder musiziert.

Es herrscht reges Treiben auf dem Zeltlager-Platz. Denn am Freitag, dem letzten Tag des diesjährigen Bundeslagers der Pfadfinder, heißt es, seine Talente zu nutzen und sie dann auf einem bunten Jahrmarkt zu präsentieren. Jeder ist an verschiedenen Ständen gefordert. "Das kann etwas Handwerkliches, Musisches, Kreatives, Sportliches oder Genüssliches sein", bemerkt Lagerleiter Martin Kliemank vom Pfadfinderstamm Huskies aus Wittichenau, die das diesjährige Bundeslager ausrichten.

Alle vier Jahre veranstaltet der Pfadfinderbund Weltenbummler ein bundesweites Treffen. "Ein Bundeslager in der Größenordnung hatten wir in Sachsen noch nicht", erklärt der Lagerleiter. Ausgesucht hat man sich die magische Kulisse an der Krabat-Mühle. Im aufgeschlagenen Zeltlager, in dem sogar eine imposante Zeltkonstruktion in Form der Krabat-Mühle mit drehendem Mühlrad aufgebaut wurde, können Pfadfinder im Alter von drei bis 56 Jahren das Pfadfindertum ausleben. Es wird dabei gemeinsam in Zelten geschlafen. Wer älter ist als zwölf, der hat auch Küchendienst und bereitet das Essen über offenem Feuer zu, andere waschen ab. Es wird gewandert, gespielt und die Natur genossen.

Doch nicht nur deutsche Stimmen sind im Lager zu hören. "Zwei Pfadfindergruppen aus Litauen sind ebenfalls angereist", erfährt die RUNDSCHAU vor Ort.

"Wir wollen während des Lagerlebens den Kindern viele lebenspraktische Fähigkeiten vermitteln", erklärt Martin Kliemank die Herangehensweise. Dazu gehören unter anderem das Knotenbinden, der Umgang mit Werkzeugen wie Säge und Beil, das Agieren mit Karte und Kompass oder Erste-Hilfe-Kenntnisse. Handy und Fernseher vermissen die Leute im Lager nicht. Es gibt ja auch viel zu erleben. Es gibt Geländespiele, Singewettbewerbe, Wanderungen und Ausflüge in die Region, etwa in die Sächsische Schweiz oder in den Spreewald. "Im Vordergrund steht sowohl im Lagerleben als auch bei den anderen Aktivitäten stets das Gemeinschaftsgefühl", betont der Lagerleiter. Im Großen und Ganzen gehe es auch um Selbsterziehung. Die Kinder und Jugendlichen erlernen Selbstständigkeit, bekommen Teamfähigkeit vermittelt, übernehmen Verantwortung, erfahren die Reaktion von anderen in der Gemeinschaft und lernen sich untereinander kennen.

Nach einer intensiven Pfadfinder-Woche ist Lagerleiter Martin Kliemank sehr zufrieden. "Alles hat reibungslos und unfallfrei geklappt. Das Wetter hat im Großen und Ganzen gut mitgespielt. Es ist zwar für das Organisationsteam eine unwahrscheinlich harte Arbeitswoche gewesen, aber der Spaß und die Freude der Kinder und Jugendlichen entlohnt uns dann gleich doppelt."

Das nächste Bundeslager wird in vier Jahren stattfinden. Jedoch sind alle schon gespannt, wo es sie das nächste Mal hinführen wird.