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Gelungener Auftakt der Musikfesttage zum Jubiläum

Die Sopranistin Patricia Bänsch nahm den blutroten Faden auf, den Wagner und Strauss zur Liebe gesponnen hatten.
Die Sopranistin Patricia Bänsch nahm den blutroten Faden auf, den Wagner und Strauss zur Liebe gesponnen hatten. FOTO: Mandy Decker/mdr1
Hoyerswerda. Die Neue Lausitzer Philharmonie überzeugte beim Eröffnungskonzert der 50. Musikfesttage am Sonntag mit einem klassischen Leitmotiv und einer herausragenden Sängerin. Der Veranstalter überzeugt mit seiner Konzert-"Flatrate" auch junge Leute. Mandy Decker / mdr1

Gesangslehrer wissen vom Sängerwesen "Mensch" zu berichten, dessen Stimmbänder automatisch mitschwingen, wenn ihn eine Melodie berührt. Als sicherstes Anzeichen dieser Korrelation zwischen Künstler und Publikum gilt den Experten das häufige Räuspern in einem Konzertsaal. Wunderbar zu beobachten war das Phänomen beim 6. Philharmonischen Konzert der Neuen Lausitzer Philharmonie und seines Dirigenten Andrea Sanguineti. Da die Erkältungszeit vorbei ist, darf davon ausgegangen werden, dass die hüstelnden Adressaten des Themenabends "Liebestod" durchaus berührt waren, auch wenn der Applaus das gebotene Mindestmaß kaum überbot.

So sei der im Vergleich zu manch früherem Festtags-Prolog - erinnert sei an das aufregende Rammstein-Experiment im vergangenen Jahr - eher gefällige Beifall der schweren Klassik angelastet, mit der sich das geneigte Publikum in 70 Minuten reiner Spielzeit zu beschäftigen hatte. Liebesklagen von den Richarden Wagner und Strauss waren die Leitmotive, deren blutroter Faden durch die rotseiden gewandete Sopranistin Patricia Bänsch äußerst sehens- und hörenswert verknüpft wurden. Kurz vor seinem Tod vertonte Richard Strauss die Texte von Eichendorf und Hesse, die als "Vier letzte Lieder" der Ouvertüre von Wagners "Liebestod" nachfolgten und vom Ende des Seins künden, das alles Lebendige heimsucht. Ein Ende, das auch allen Liebenden vorbestimmt ist, so oft sie auch in aufsteigenden Orgasmen - abgebildet nach der Pause in der "Liebesszene" aus Richard Stauss` "Feuersnot" - dagegen ankämpfen mögen. Sich nicht im Nichts aufzulösen mag die spirituelle Hoffnung von Wagners so finalem wie schwebendem Tristan-Akkord sein, den Musikdramaturg Ronny Scholz in seiner Konzerteinführung als gestohlenes Konstrukt entlarvte.

In Görlitz, Bautzen und Zittau wird die Neue Lausitzer Philharmonie die diabolischen Szenerien vom Liebesverbot bis zum Liebestod noch einmal bloß legen. Das verrät das Begleitheft zum Konzert, mit dem sich Theo Seifert auf Anraten seiner Musiklehrerin tiefgründig beschäftigen wird. In wenigen Tagen startet der Lessing-Gymnasiast aus dem musikalischen Profil in die Examen. Der Wagner-Abend könnte eine perfekte Vorbereitung gewesen sein. Doch im Programm der 50. Musikfesttage locken Theo Seifert unter anderem auch noch die Berliner Band "?Shmaltz!", das Musikprojekt "Terweys Visual Classic", die finnische Jazz-Diva Tuija Komi und der Mozart-Abend mit Valery Oistrach. "Die Flatrate für junge Leute ist ein unschlagbares Angebot", kommentiert Theo Seifert das Angebot für Schüler, Azubis und Studenten, mit einmalig fünf Euro Investition jedes nicht ausverkaufte Konzert besuchen zu können. Gesetzt ist für den Schüler, der die großen orchestralen Klänge liebt, auf alle Fälle aber das Abschlusskonzert mit dem Sinfonischen Orchester Hoyerswerda und seiner neuen Dirigentin Eva Meitner am 10. Mai.