| 23:00 Uhr

Halloween
Geisterspuk vs. Reformationsgeist

Antonia König aus Lauta gestaltet jedes Jahr auf das Neue Ende Oktober ihren Hauseingang mit halloweenspezifischen Figuren und schnitzt Kürbisse oder hängt Hexenpuppen auf.
Antonia König aus Lauta gestaltet jedes Jahr auf das Neue Ende Oktober ihren Hauseingang mit halloweenspezifischen Figuren und schnitzt Kürbisse oder hängt Hexenpuppen auf. FOTO: Anja Guhlan / Guhlan Anja
Lauta. Wenn am letzten Tag im Oktober alljährlich sowohl Halloween als auch der Reformationstag begangen wird, findet das nicht nur Freunde, sondern auch Gegner.

Kürbiskopf oder Gottesdienst? Halloween oder Reformationsfeiertag? In der Region wird seit vielen Jahren jeweils am 31. Oktober beides begangen. Die RUNDSCHAU kam mit Verfechtern beider Feste ins Gespräch und zieht einen Vergleich.

Ein großes Jubiläum begeht die Reformation am morgigen 31. Oktober. Dann jährt sich der Thesenanschlag von Martin Luther zum 500. Mal. Zeitgleich werden sich am Dienstag aber auch wieder zahlreiche Kinder verkleiden und um die Häuser ziehen und „Süßes oder Saures“ fordern, während sie Unmengen an Süßigkeiten überreicht bekommen.

Kristin Malinski wird sich an diesem Spuk nicht beteiligen. Die Katechetin aus dem evangelischen Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg wird stattdessen in jedem Fall an einem Reformationsgottesdienst teilnehmen: „Am 31. Oktober feiere ich das dankbare Erinnern an die Reformation der Kirche unter anderem durch Martin Luther, wo viele Menschen die befreiende Kraft des Glaubens an Jesus Christi erkannt haben“, sagt die Sedlitzerin. Dabei ist ihr das 500-jährige Jubiläum nicht so wichtig: Reformation wird bei ihr jedes Jahr gefeiert.

Bei Antonia König aus Lauta wird die Reformation hingegen nicht gefeiert, stattdessen steht bei der 20-Jährigen Halloween im Fokus. „Ich mag Halloween als Brauch. Es macht mir in der Tat Spaß, meinen Hauseingang gruselig zu gestalten. Ich gehe auch auf Halloween-Partys, um dort einfach Spaß zu haben“, erklärt Antonia König, deren Hauseingang mit mühevoll geschnitzten und tonartigen Kürbissen, Gespenster-Tonfiguren, Hexen-Figuren oder Kürbis-Laternen über und über geschmückt ist. „Hier in unserer Region ist Halloween wieder ein aufstrebender Brauch. Obwohl die Amerikaner natürlich viel wilder und intensiver diesen Brauch  leben, was mir sehr gefällt“, erzählt Antonia.

Kristin Malinski kommt auf das Thema Amerikanisierung zu sprechen: „Während Halloween aus Amerika kam, feiern wir mit der Reformation eine grundsätzlich deutsche Tradition.“

Ganz stimmt das nicht. Ursprünglich ist Halloween ein europäisches Fest, das am Tag vor Allerheiligen gefeiert wird. Zu den Wurzeln des Festes gibt es mehrere Theorien. Doch egal, ob man der Herleitung aus der römischen, keltischen oder sonstirgendwie heidnischen Tradition folgt: Das Fest wurde ehedem vor allem in Irland gefeiert. Irische Auswanderer nahmen die Bräuche im 19. Jahrhundert mit über den Atlantik. In den USA und Kanada entwickelten sie sich weiter.  Und Europa re-importierte sie in den Neunziger-Jahren

Kristin Malinski merkt an, dass wir mit Halloween ein Fest haben, wo die Menschen sich wieder fürchten oder gruseln sollen. „Für mich völlig inhaltslos und sinnfrei“, meint die Kathechetin. Antonia König sieht den Spaß-Faktor im Vordergrund. „Besonders Kindern mache es doch Spaß, sich gruselig zu verkleiden. Ich hatte als Kind jedenfalls riesengroßen Spaß“, so die 20-Jährige.

„An 365 Tagen im Jahr predigen die  Eltern ihren Kindern keine Süßigkeiten von Fremden anzunehmen und an diesem Abend werden die Kinder genau zu diesem Zweck losgeschickt“, argumentiert Kristin Malinski. Antonia König kontert, dass die meisten Eltern schon mitgehen beim Einsammeln. Zumindest ist es bei ihr in der Kindheit so gewesen. „Meine Mutter hatte solche Bedenken nicht“,  erzählt Antonia.

Auch der Ausruf „Süßes oder Saures“ ist für Malinski eine Erpressung und völlig kontraproduktiv. Antonia König sieht das lockerer. Ein nahezu süßer Spruch. Das „Saure“ mag Angst vor Vandalismus auslösen. Vandalismus gibt es aber zu jeder Zeit und überall. Das ist in Antonias Augen nicht halloweenspezifisch.

Und der Kommerz? „Halloween ist ein gutes Beispiel für Verführung. Man erkennt es zuerst in den Geschäften, wo durch auffällige Dekorationen und Sonderpreise die Menschen dazu verführt werden, ihr Geld für Zuckerkram und Gruselzeug auszugeben“, sagt die Katechetin. Antonia König hält dagegen: Das sei zu Weihnachten noch viel schlimmer.

Kristin Malinski hat sich statt dem ganzen Gruselzeug lieber eine Lutherbibel gekauft: „Für mich persönlich bedeutet Reformation die Erkenntnis, dass das Entscheidende für meinen Glauben Jesus Christus selber ist, also weder kirchliche Tradition noch aktueller Zeitgeist.“ Vor der Übersetzung der Bibel durch Martin Luther konnten Menschen Gottesdienste nur auf Latein verfolgen, so dass kaum jemand die frohe Botschaft verstehen konnte. „Dank der Übersetzung konnten die Menschen dann selber in der Heiligen Schrift, dem Wort Gottes, lesen. Das ist für mich ein Grund zum Feiern“, so Malinski.

Während Kristin Malinski am morgigen Feiertag also die Reformation feiert, wird sich Antonia König weiterhin den Halloween-Partys hingeben. Wer sich jetzt noch die Frage stellt, was er feiert – im Zweifelsfall entscheidet man sich für beides.