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Gefräßige Kormorane trüben die Fischernte

Die Fischer und ihre Helfer hatten beim Sortieren der Kiemenatmer jede Menge zu tun.
Die Fischer und ihre Helfer hatten beim Sortieren der Kiemenatmer jede Menge zu tun. FOTO: amz1
Litschen. Wo sich sonst Fuchs und Hase "Gute Nacht" sagen, ist am Sonnabend ein großes Volksfest gefeiert worden. Auf einer Freifläche zwischen dem Großen Schloss- und dem Großen Ballackteich, einem knappen Kilometer südwestlich von Litschen, lud die Teichwirtschaft Karsten Ringpfeil zum traditionellen Abfischen. amz1

Die vielen zahlreichen Schaulustigen wurden nicht enttäuscht. Denn was die Fischer und ihre Helfer aus der Abfischgrube herausholten, sollte sich als reiche Ernte entpuppen. Welse, Schleie, Hechte, Zander und natürlich Karpfen zappelten zunächst im Netz, dann im Kescher und schließlich in vorbereiteten Wasserbehältern. "Prächtige Burschen", sagt ein älterer Gast in die Menge. Die Umherstehenden nicken.

Ein Resümee will Karsten Ringpfeil, Chef des gleichnamigen Unternehmens, indes noch nicht wagen. "Wir haben ja erst 15 unserer insgesamt 50 Teiche abgefischt." Die Zwischenbilanz lautet: "Die Fische sind relativ gut gewachsen. Zugute kam uns das warme und wasserreiche Jahr", so der Experte. Er rechnet mit einer Ausbeute von rund 500 Kilogramm Fisch pro Hektar Wasserfläche, deutlich mehr als vor zwölf Monaten.

Damals hatte der extreme Hitzesommer den Kiemenatmern massiv zugesetzt. Getrübt werde der Ertrag allerdings durch die gefräßigen Kormorane. "Jeder Vogel frisst pro Tag 500 Gramm Fisch", rechnet Karsten Ringpfeil vor. Um die 500 Tiere lebten derzeit am Knappensee. Aufgrund der dortigen Sanierungsarbeiten seien sie ungestört und können in die benachbarten Teiche einfallen. "Jeden Tag gehen uns 250 Kilogramm Fisch verloren", so Ringpfeil weiter.

Die jetzige Ernte werde zunächst in die Hälteranlagen verbracht. Durch reichlich Frischwasser entweiche den Fischen ihr schlammiger Geschmack. Anschließend gingen die Kiemenatmer in den Verkauf. Zum einen im Hofladen der Firma Ringpfeil. Zum anderen an Abnehmer in ganz Deutschland. "Die Nachfrage ist inzwischen größer als das Angebot", weiß Unternehmer Ringpfeil aus Erfahrung. Allerdings habe sich dieser Trend noch nicht auf den Preis niedergeschlagen. Sein Betrieb umfasse derzeit drei Festangestellte, einen Lehrling sowie zwei Verkäuferinnen.

Vor Ort am Großen Ballackteich ist auch Lohsas Bürgermeister Thomas Leberecht. "Die Fischerei bedeutet ein Aushängeschild unserer Gemeinde", erklärt der Kommunalpolitiker. Leberecht selbst stehe auf Räucherfisch, wie er sagt. Er sei stolz auf das heimische Erzeugnis, der zunehmend auch in der Lausitzer Gastronomie angeboten werde.

Zu Gast beim Abfischen ist auch Lohsas Ex-Bürgermeister und jetziger Erster Beigeordneter des Landkreises Bautzen, Udo Witschas. Der Litschener erklärt, dass er seit seiner Kindheit die Teiche wie seine Westentasche kenne und selbst begeisterter Angler sei.

Bei Lausitzer Fisch könnten sich die Käufer sicher sein, kein Massenprodukt aus dem Supermarkt zu erhalten, sondern ein gesundes Lebensmittel aus der Region. "Mehr Bio geht nicht", so Witschas. Zudem dürfe die lange Wertschöpfungskette vom Fisch im Teich bis zum Fisch auf dem Teller nicht unterschätzt werden. Das sei ein in sich geschlossener Kreislauf.

Die zahlreichen Besucher sind indes vor allem wegen des Geschmacks an den Großen Ballackteich gekommen. Beispielsweise Erika und Klaus-Dieter Jeschke aus Hermsdorf (Spree). "Ich bin selbst seit 58 Jahren Angler", bekennt Klaus-Dieter Jeschke. Am heutigen Tag würden die Kiemenatmer für die Fischsoljanka benötigt. "Die ist sehr gesund und schmeckt hervorragend", weiß Erika Jeschke.

Bei Margarete Pachow aus Groß Särchen gibt es dagegen Fischschnitzel. "Das wird gehackt, da findet sich keine Gräte mehr drin", erklärt die sympathische Frau schmunzelnd.