Die Drehkugel, vor dem Hoyerswerdaer Foucault-Gymnasium installiert, sieht eigentlich ganz harmlos aus. Reizvoll ist das Spiel-Gerät aber dennoch. Und so zieht es Dennis an einem schönen Tag Ende September hierhin. Der Sechstklässler hängt sich an die Kugel, ein paar Mitschüler bringen das Gerät in Bewegung. Als Dennis die Kräfte verlassen, wird aus dem vermeintlichen Spaß plötzlich bitterböser Ernst. Er schlägt unglücklich auf den Boden, bricht sich den fünften, sechsten und siebenten Brustwirbel. Dazu noch eine Rippe.
„In den ersten Tagen war nicht sicher, ob sich mein Kind jemals wieder frei bewegen kann“ , schildert Simone Pinkes die schlimmsten Wochen ihres Lebens. Doch der Elfjährige hat noch mal Glück im Unglück - wenn man davon angesichts ständiger Schmerzen, die ihn auch jetzt noch plagen, überhaupt reden kann. Denn Dennis kann das Klinikum ohne Rollstuhl verlassen. „Es hätte natürlich auch viel schlimmer enden können“ , sagt Simone Pinkes. Und verdrängt den Gedanken im nächsten Augenblick wieder.
Die Anteilnahme von Mitschülern und Lehrern ist in den Leidenswochen groß. Sie kommen ihn im Krankenhaus besuchen. „Das hat ihm über die schwere Zeit geholfen, dafür ein großes Dankeschön, besonders auch an Klassenlehrerin Carola Skippa“ , sagt Simone Pinkes.
Während sich Dennis langsam aber sicher auf dem Weg der Besserung befindet, steht die Kugel noch immer vor der Schule. „Auch wenn inzwischen selbst einige Lehrer dafür votieren, diese abzubauen“ , sagt die Hoyerswerdaerin, die dafür kämpft, dass das Gerät demontiert wird. Zunächst wendet sie sich an die Schule. Zuständig, so erfährt sie auf Nachfrage, sei aber die Stadt. Denn die Kugel gehöre zu einem öffentlichen Spielplatz.
Im Hoyerswerdaer Rathaus - so erklärt Stadt-Sprecherin Angela Schäfer - habe man zunächst vom Unfall nichts gewusst. „Da sich der Vorfall in der Schule ereignete, ist die Meldung direkt an die Unfallkasse gegangen.“ Inzwischen habe sich die Verwaltung aber darüber verständigt, das Spielgerät abzubauen. Angela Schäfer: „Wie sich herausstellte, war das nicht der erste Unfall.“ Als das Spielgerät im Jahr 1995 aufgestellt wurde, habe es noch andere TÜV-Richtlinien gegeben. „Heute sind die Vorschriften in einigen Punkten deutlich schärfer.“
Doch selbst der jetzt beschlossene Rückbau des Gerätes sei nicht ganz unproblematisch. „Der Spielplatz ist seinerzeit mit Fördermitteln errichtet worden, da mussten erst noch einige finanzielle Fragen geklärt werden“ , sagt die Stadt-Sprecherin. Dies sei in den vergangenen Tagen geschehen. „Unsere Meinung stand dabei ganz klar fest: Die Gesundheit der Kinder geht natürlich vor, keine Frage“ , so Angela Schäfer.
Ursprünglich sollte das nicht ganz ungefährliche Spielgerät schon in dieser Woche demontiert werden. „Das haben wir nicht geschafft, am Montag soll es nun aber verschwinden.“ Für Simone Pinkes eine gute Nachricht. „So ein Unfall kann schließlich auch jedes andere Kind treffen“ , sagt sie.
Wann der Elfjährige wieder zu seinen Klassenkameraden stoßen wird, ist derzeit noch ungewiss. „In seiner jetzigen Verfassung würde er nicht mal den Weg zur Schule schaffen“ , sagt Simone Pinkes. „Er läuft wie ein alter Opa.“ 60 Prozent betrage derzeit der Behinderungsgrad, hätten die Ärzte attestiert. Eine Besserung - und das ist die gute Nachricht - sei aber in Sicht. Was die Familie jetzt brauche, sei vor allen Dingen Geduld. „Ein paar Monate wird es wohl noch dauern.“
Wenn Dennis wieder in die Schule geht - davon kann die Familie jetzt ausgehen - wird die Kugel nicht mehr an ihrem Platz stehen. „Vermissen“ , da sind sich Sohn und Mutter einig, „werden wir das Spielgerät aber mit Sicherheit nicht.“