Von Rita Seyfert

Zum Saisonauftakt war es für Sven Hoffmann (29) und Dana Kranz (36) ein komisches Gefühl, die Kunden wieder fortzuschicken. Doch ihre Entscheidung fühlte sich richtig an. „Unsere Plinserie haben wir Ende Oktober 2018 offiziell zu gemacht“, erzählen sie.

Erst wenige Monate zuvor, im Januar, hatte das Paar das Anwesen samt Gastronomie und zehn Ferienhäusern übernommen. In Anlehnung an ihre Vornamen Sven und Dana tauften sie das Gehöft Sveda-Hof. „Es sollte persönlich klingen“, erzählen sie.

Jetzt konzentrieren sich die beiden Gastwirte nur noch aufs Vermieten ihrer Landhäuschen. Dabei wurde ihr kleines Café mit der Spezialisierung auf Eierkuchen gut angenommen. Zwischenzeitlich beschäftigte der Sveda-Hof zehn Mitarbeiter. Doch inzwischen bestreiten sie den Sveda-Hof nur noch zu zweit.

Von der Gastronomie ganz verabschiedet haben sie sich aber nicht. Im Saal für 80 Personen richten die beiden Gastwirte weiter Veranstaltungen aus. Hochzeiten, Geburtstage, Trauerfeiern. Selber kochen sie nicht. „Wir kooperieren mit einem Catering.“

Warum sie ihre Plinserie geschlossen haben, das hat mehrere Ursachen. „Es ist schwer, Personal zu finden“, sagen sie. Die Arbeitszeiten an den Wochenenden seien sicher ein Problem, vermuten sie. Auch das Lohnniveau könne eine Rolle spielen. Um überhaupt Servicekräfte zu bekommen, müssten Gastronomen Gehälter über dem Mindestlohn zahlen. „Da bleibt nicht viel Spielraum“, sagt Sven Hoffmann.

Hinzu kommen die speziellen Umstände in der Lausitz. Während die Nachfrage im Sommer gut sei, herrscht das restliche Jahr über eher Flaute. „Es lohnt sich nicht, jemand fest einzustellen“, sagen sie. Dafür sei die Hauptsaison von Anfang Juli bis Ende August schlicht zu kurz. Ihr Herzblut stecken sie jetzt lieber komplett in die Ferienhäuser. „Statt halbherzig zwei Sachen machen wir lieber nur eins mit ganzem Herzen“, sagt Dana Kranz.

Ihr Übernachtungsangebot läuft. Pensionen unweit vom Partwitzer See sind rar. „In der Hauptsaison sind wir ausgebucht.“ Und in der Nebensaison vermieten sie an Monteure. Einige der Installateure bauen derzeit in Schwarze Pumpe die Papierfabrik aus. „Die bleiben mehrere Monate.“

Auch der Partwitzer Hof öffnete etwa zeitgleich zu Ostern 2018 sein Restaurant mit Pensionsbetrieb. Schnitzel, Gulasch oder Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl stehen auf der Speisekarte. Die deftige deutsche Küche wird gut angenommen.

Das Restaurant wieder schließen, darüber habe Marketing-Leiterin Stefanie Schäfer bisher noch nie nachgedacht, sondern ganz im Gegenteil: „Das Restaurant ergänzt unser Bowling-Center optimal“, sagt sie. Ihre Personal-Strategie ging auf. „Mit dem Partwitzer Hof gelingt es uns endlich, unsere Leute das ganze Jahr über zu beschäftigen.“

Vorher sei es schwierig gewesen, die 25 Mitarbeiter über den Sommer zu bekommen. Denn in der warmen Jahreszeit, wenn der Partwitzer Hof aus allen Nähten platzt, herrscht im Seenland Bowling & Event House in Hoyerswerda kaum Andrang. Doch wie das vergangene Jahr lehrte, zieht spätestens mit dem Martinsgans-Essen auch im Partwitzer Hof Ruhe ein. Deshalb soll das Restaurant über den Winter geschlossen werden. „2018 hatten wir bis Silvester auf“, berichtet Stefanie Schäfer. Das habe sich aber nicht gelohnt. „Das hätten wir die Leute eher im Bowling-Center gebraucht.“

Je nach Bedarf werden die Kellner und zahlreichen Pauschalkräfte flexibel eingesetzt, auch auf Events. Beim Senftenberger Hafenfest übernimmt der Partwitzer Hof das Getränke-Catering. Und auf dem Lausitzer Platz beim Hoyerswerdaer Stadtfest schenken die Mitarbeiter in den beiden Bierwagen das kühle Blonde aus.

Doch auch im großen Saal vom Bowling-Center wird feiert: Das Oktoberfest mit der Bautzener Party-Band Jolly Jumper habe bereits Tradition. Und dreimal im Jahr wird der Saal für eine Wrestling-Veranstaltung umgestaltet. Am kommenden Sonnabend ist es wieder soweit. Dann steigen die kämpfenden Männer und Frauen in den Ring.