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| 15:54 Uhr

Hoyerswerda
Ganz nah bei Gundermann

In der Kulturfabrik Hoyerswerda ist an Gundermanns 20. Todestag, dem 21. Juni, die Schaltzentrale offiziell gestartet worden. Ein Großteil des Geldes für das Projekt ist über Crowdfunding zusammengetragen worden.
In der Kulturfabrik Hoyerswerda ist an Gundermanns 20. Todestag, dem 21. Juni, die Schaltzentrale offiziell gestartet worden. Ein Großteil des Geldes für das Projekt ist über Crowdfunding zusammengetragen worden. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. „Gundi“ ist zurück in Hoyerswerda. 20 Jahre nach seinem Tod gibt es nun endlich einen Ort – außer seinem Grab –, an den Fans und Interessierte kommen können, um etwas über ihn zu erfahren: die Schaltzentrale. Von Sascha Klein

„Und ich kehre zurück auf’m Pferd mit wilder Mähne. Und aus schwarzen Schafen werden weiße Schwäne.“ Diese Zeilen hat Gerhard Gundermann geschrieben. Fans können sie seit mehr als zwei Jahrzehnten auswendig. Im Juni ist Liedermacher Gerhard Gundermann als eine Art weißer Schwan zurückgekehrt nach Hoyerswerda – an seinem 20. Todestag.

„Sollen wir?“, fragt Kufa-Chef Uwe Proksch und schaut in die kleine Runde. Es ist das Projekt, das ihn und viele andere seit Monaten beschäftigt. Ein Ort für Gundermann, endlich ein Ort des Erinnerns, des Schwelgens. Dort lässt sich seine Stimme noch einmal hören. Dort lassen sich die vielen Bilder ansehen, die Gerhard Gundermann zeigen, die die Feuersteine zeigen und seine vielen Weggefährten. Und auch diejenigen werden gewürdigt, die sein Werk weiterhin pflegen und behüten.

Uwe Proksch drückt den Knopf. Zum ersten Mal fährt diese Gundermann-Schaltzentrale hoch. Erst kurz zuvor haben Rico Hofmann und Haiko Schnippa, die beiden Techniker dieser Schaltzentrale, die finale Version hochgeladen. Es geht los. Daten, Fakten, Fotos, ein Lied. Bei einigen seiner Weggefährten rollen Tränen. Ist es noch immer Trauer? Ist es ein Stück Erleichterung? Letzteres vielleicht eher, denn nun gibt es einen Ort – außer seinem Grab – an den jeder kommen kann, um diesem streitbaren Typen nah zu sein. Nah durch seine Lieder, nah durch viele Filmausschnitte.

Liedermacher Gerhard Gundermann
Liedermacher Gerhard Gundermann FOTO: picture-alliance / dpa / Rainer_Weisflog

Die Idee für diese Schaltzentrale sei 2017 entstanden, sagt Uwe Proksch. Inhaltlich hat er das Projekt gemeinsam mit Grit Lemke auf die Beine gestellt. Finanziert haben es viele. Über ein Crowdfunding-Projekt sind 10 520 Euro zusammengekommen. Insgesamt hat die Schaltzentrale etwa 15 000 Euro gekostet. „Sowohl Hoyerswerdsche als auch Touristen sollen einen lebendigen Ort finden“, sagt Proksch, an dem sie etwas über Gundermann erfahren. In Hoyerswerda gibt es viel über Konrad Zuse und Brigitte Reimann zu erleben – der Ort für Gundermann fehlte bislang und ist von Weggefährten und Fans schmerzlich vermisst worden.

Gemeinsam mit Grit Lemke hat Uwe Proksch die Inhalte sortiert. So gibt es zum Beispiel „G-sungen“, „G-textet“, „G-spielt“. Abtauchen können Interessierte auch in viele Programme, die mit der Brigade Feuerstein entstanden sind. Für Menschen, die nicht lesen können, gibt es Gundermanns Biografie eingesprochen und bebildert.

Doch wie viel Gundermann steckt jetzt in dieser Schaltzentrale? Diese Frage stellt Reinhard „Pfeffi“ Ständer, derjenige, der das Gundermann-Archiv seit vielen Jahren sorgsam hütet und vervollständigt. Oder anders: Wie lange bräuchte ein Besucher, der alle Fakten aus der Schaltzentrale wissen will? Alle Verantwortlichen zucken mit den Schultern. Vermutlich sind es viele Stunden. Oder doch ein bis zwei Tage? Es käme auf den Versuch an. Was möglich ist: Jeder kann während der Kufa-Öffnungszeiten zwischen 9 und 23 Uhr die Schaltzentrale kostenlos nutzen und in Gundermanns Leben und in seinen Liedern stöbern. Und erfahren: „Ich komm’ jetzt für drei Sekunden zu Dir raus. Nur bei Dir bleiben kann ich nicht.“

So sieht die Gundermann-Schaltzentrale auf. Unten gibt es mehrere Felder mit verschiedenen Rubriken. Dort finden Interessierte viel Material.
So sieht die Gundermann-Schaltzentrale auf. Unten gibt es mehrere Felder mit verschiedenen Rubriken. Dort finden Interessierte viel Material. FOTO: LR / Sascha Klein