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Für Nobel-Camping fehlt das i-Tüpfelchen

Der Zugang zum Scheibe-See-Strand ist freigeschnitten. In Kürze soll der offizielle Badebetrieb hier starten können.
Der Zugang zum Scheibe-See-Strand ist freigeschnitten. In Kürze soll der offizielle Badebetrieb hier starten können. FOTO: cw
Hoyerswerda. Am Scheibe-See bahnt sich die Zwischennutzung für den Strand an. Außerdem hat die Stadt eine Idee für das Westufer prüfen lassen. Catrin Würz

An heißen Tagen gibt es am Scheibe-See längst kein Halten mehr. Offiziell genehmigt ist das Baden am Strand des Hoyerswerdaer Ufers zwar noch nicht. Doch das stört die Sonnenanbeter und Badefreunde wenig. Mit und ohne Textil tummeln sie sich am sandigen Ufer und im Wasser des Sees, wenn das Wetter dazu lockt.

Das wilde Badetreiben soll laut Plan der Stadt aber noch in diesem Sommer in eine legale Nutzung umgewandelt werden. Bereits seit Anfang Mai liegt der Genehmigungsbescheid dafür vom Landratsamt Bautzen vor. Viel wurde dafür im Vorfeld schon getan, erklärt Bau-Fachbereichsleiter Dietmar Wolf in dieser Woche vor dem Stadtrat. Ende März ist ein Schilfgürtel, der am geplanten Strandbereich wild gewuchert hat, fachgerecht an eine andere Stelle umgesetzt worden. Der Strand ist gereinigt und der Zugang über einen Plattenweg freigeschnitten worden. Für einen Sicherheits-Check werden Taucher in die Fluten steigen, um die Unterwasser-Begebenheiten zu prüfen. "Die Firma ist schon beauftragt", sagt Dietmar Wolf. Was jetzt noch fehlt, sind eine Abgrenzung des öffentlichen Badebereiches mit gelben Tonnen, einige Mülleimer am Badestrand und ein mobiles Toilettenhäuschen, das an der Wendeschleife an der Straßenzufahrt zum See aufgestellt werden soll.

Und noch eine wichtige Voraussetzung fehlt: ein gültiger Vertrag zwischen der Stadt Hoyerswerda und der LMBV zur vorzeitigen Folgenutzung der See-Fläche. Das Papier ist Grundbedingung, damit die gewünschte Zwischennutzung möglich ist. "Der Vertrag ist erarbeitet und ich habe ihn auch schon unterschrieben. Jetzt fehlt nur noch die Unterschrift der LMBV", erläutert Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU). Es bleibt die Hoffnung, dass das schnell geht, damit die Stranderöffnung wenigstens noch vor dem Sommerferienende erfolgen kann. Alles andere würde wohl unfreiwillig komisch wirken.

Der Scheibe-See als künftiger Haus-See der Hoyerswerdaer - was geht da eigentlich noch? Zwar gibt es für die weiteren Uferbereiche schon einige theoretische Vorstellungen: Ein Forstgarten ist im Masterplan ebenso genannt wie ein Kletterturm mit Kletterpfad und Themenspielplatz. Doch nun wollte der Hoyerswerdaer Stadtrat explizit wissen, wie groß die Chancen wären, am Westufer des Scheibe-Sees einen hochwertigen Camping-Platz zu etablieren. Die Idee hat Hilke Domsch vom Geokompetenzzentrum Freiberg, das auch den Masterplan für den Scheibe-See erarbeitet hat, unter die Lupe genommen. Ihr Fazit nach eingehender Betrachtung: Für das Westufer - also das Hoyerswerdaer Ufer - wäre solch ein Nobel-Campingplatz nur unter schwierigen Bedingungen zu realisieren.

Im gesamten Lausitzer Seenland gibt es bislang 16 Camping-Plätze. Vier davon sind im hochwertigen Vier- und Fünf-Sterne-Segment angesiedelt. Sollte Hoyerswerda auf so ein Angebot schielen, müsste dieses sich mit dem Familienpark Großkoschen, dem Komfort-Camping am Senftenberger See, dem Grünewalder Lauch und dem Sternencamp am Bärwalder See messen lassen. Stellplätze auf solch hochwertigen Camping-Plätzen bieten in der Regel 100 bis 130 Quadratmeter Fläche an. Da aber am Scheibe-See momentan nur circa zwei Hektar zur Verfügung stehen, wären maximal 60 Stellplätze möglich. "Das ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht ratsam. Empfehlenswert wären mindestens 80 bis 100 Stellplätze", erklärte Hilke Domsch.

Ungünstig wirke sich auch die Tatsache aus, dass der Campingplatz keinen exklusiven eigenen Strandzugang hätte. Der Strandbereich ist ja als der öffentliche Badestrand der Stadt Hoyerswerda deklariert und wird ebenfalls einen öffentlichen Bootssteg erhalten. Das steht in Konflikt mit dem Anspruch bei hochwertigen Campingplätzen, die zudem umzäunt werden. "Das hätte zur Folge, dass Sie auch den Seerundweg noch einmal verlegen müssten", erläutert die Expertin. "Deshalb ist diese Idee eher kritisch zu sehen." Ob sie ganz ad acta gelegt wird, soll in den Ausschüssen diskutiert werden.