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| 02:39 Uhr

Für ihre Senioren bestens informiert

Einige ihrer Aufgaben würde Monika Pakoßnick gerne abgeben, um etwas mehr Zeit für die Arbeit an der Chronik zu haben, die 2019 zur 600-Jahrfeier von Koblenz fertig sein soll.
Einige ihrer Aufgaben würde Monika Pakoßnick gerne abgeben, um etwas mehr Zeit für die Arbeit an der Chronik zu haben, die 2019 zur 600-Jahrfeier von Koblenz fertig sein soll. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Koblenz. Sie haben im zu Ende gegangenen Jahr für positive Schlagzeilen gesorgt – oder auch ganz im Stillen ein großartiges Vorhaben zu Ende gebracht, mutige Entscheidungen getroffen oder tolle Erfolge erzielt. Die RUNDSCHAU stellt solche "Menschen 2016" vor. Heute: Monika Pakoßnick. Die Koblenzerin kümmert sich um Menschen mit Besonderheiten. Und ist doch selbst eine ganz besondere Person. Mandy Fürst / mft1

"Ich muss den Senioren doch Auskunft geben können", sagt Monika Pakoßnick und schaut noch einmal kurz in das Magazin auf dem Küchentisch. Die aufgeschlagene Seite weist eine Tabelle mit den fünf Pflegegraden aus, die seit Januar die bisherigen drei Pflegestufen ablösen. Monika Pakoßnick findet die Änderung gut. Zwar seien sie und ihr Mann davon nicht betroffen, Menschen in ihrem Umfeld aber werden besonders von der Besserstellung pflegender Angehöriger profitieren. Und darüber möchte Monika Pakoßnick auskunftsfähig sein. Auch, weil sie sich gemeinsam mit ihren fleißigen Helferinnen noch mehr in die Betreuung von Senioren einbringen möchte.

Mehr als 30 Veranstaltungen

Dabei hat die Koblenzerin schon jetzt viele weitere Aufgaben. Insbesondere der Frauenverein, den sie im Februar 1998 ins Leben gerufen hat und seit ihrem Rentnerinnenstand unterstützt wie führt, aber auch die Angelegenheiten der Sorben und von Menschen mit Einschränkungen liegen ihr am Herzen. Dabei scheint die muntere Frau, die Besuch mit ihrem kleinen Hut auf dem Kopf empfängt und im vergangenen Jahr mehr als 30 Einzelveranstaltungen und Aktionsreihen für die Frauen und Senioren der Region organisiert hat, einen Fakt ganz einfach zu ignorieren: Sie selbst ist 76 Jahre alt.

Monika Pakoßnick muss schon schmunzeln, wenn ihr Alter zur Sprache kommt. Offensichtlich ist ihr das Erstaunen im Gesicht ihres Gegenübers vertrautes Amüsement. Sie spielt damit, wie sie es mit ihrer ganzen Lebensgeschichte tut. "Nun, was denken Sie?", ist die Antwort auf die Frage nach ihrer Ausbildung. Keineswegs hat sie, wie vermutet, im sozialen Bereich gearbeitet. Diplomierte Agraringenieurin ist sie. Die Ökonomie der Landwirtschaft in Bernsdorf, Wiednitz, Steinitz, Hermsdorf, Weißig und schließlich im Kreis Hoyerswerda waren jahrelang ihre beruflichen Schwerpunkte.

Näher als die Zahlen stehen ihr nur die Menschen, denen sie begegnet ist. Auch in der Vergangenheit. Noch heute organisiert Monika Pakoßnick regelmäßige Treffen mit den Kommilitonen, mit denen sie an der Ingenieurschule für Landwirtschaft in Bautzen vor 57 Jahren studiert hat. "Das letzte Mal war sogar ein 94-jähriger Dozent aus Olbersdorf bei unserem Treffen in Zittau dabei, was uns besonders freute", sagt Monika Pakoßnick.

Einst in die Landwirtschaft

Die Entscheidung für die Landwirtschaft kam nicht von ungefähr. In Dörgenhausen geboren, war die zehnjährige Monika mit der Familie in eine Wirtschaft nach Dubring gezogen, die ihre Mutter geerbt hatte. Der Vater, der aus beiden großen Kriegen zurückgekommen war und in den 1940er-Jahren die Dörgenhausener Feuerwehr gründete, übernahm den ersten Vorsitz der LPG "Neues Leben" in Dubring. Bis heute verteidigt Monika Pakoßnick den damaligen Zusammenschluss der Bauern. "Viele Männer und Söhne sind nicht mehr aus dem Krieg heimgekehrt. Dennoch waren die Solllieferungen an Getreide, Kartoffeln, Rind, Schwein und Eiern, je nach Fläche, zu bringen", erzählt die frühere Chefin der Steinitz Agrar GmbH & Co. Kleine Spree AG. Die Mechanisierung der Genossenschaften durch die Maschinen-Traktoren-Station sei zweifellos eine Arbeitserleichterung gewesen.

Die Folgen einer schweren TBC-Erkrankung zwangen die junge Frau mit 22 Jahren von der Praxis an den Schreibtisch. Damals habe kaum jemand gewusst, was genau Begriffe wie "LPG" oder "Arbeitseinheit" im Detail bedeuteten, erinnert sich Monika Pakoßnick. Als Ende der 60er-Jahre der zweite Sohn zur Welt gekommen war, gab die Familie zugunsten der Arbeit für die Kooperation Steinitz die Viehhaltung im eigenen Stall auf.

20 Berufsjahre lang aber kümmerte sich Monika Pakoßnick als Hauptbuchhalterin um die Pflanzenproduktion Lohsa. Manchmal half das Glück. Als im Sommer 1990 die Währungsunion in Kraft trat, rettete der Zeitpunkt den ganzen Betrieb. "Wir haben die Saat im Frühjahr in Ostmark eingebracht und die Ernte im Herbst für Westmark verkauft", beschreibt Monika Pakoßnick den günstigen Winkelzug der Geschichte.

Das ökonomische Netzwerken liegt der Buchhalterin und Mitwirkenden in der zentralen Revisionskommission der Domowina noch immer im Blut. Für die Realisierung ihres umfangreichen Veranstaltungskalenders arbeitet Monika Pakoßnick mit dem Regionalbüro Kamenz der Ländliche Erwachsenenbildung im Freistaat Sachsen (LEB) und dem Christlich Sozialen Bildungswerk (CSB Miltitz) zusammen. So ist es ihr möglich, die Menschen körperlich und geistig in Bewegung zu halten.

Auf keinen Fall dürften Leute in ihren Wohnungen vereinsamen, findet sie. Nach welcher Rechtslage die Gesellschaft gerade funktioniert, spiele dabei nur eine methodische Rolle. Nicht die jeweilige Politik, sondern ihre bestmögliche Auslegung zum Nutzen der Menschen - insbesondere Hilfsbedürftiger - ist für sie entscheidend. Die täglichen sorbischen Nachrichten im Radio sind ihr ebenso wichtig wie die Geburts- und Hochzeitstagsgrüße, die sie selbst über den Äther ausrichten lässt. Bei den Veranstaltungen werden die Jubilare persönlich geehrt und mit einem Wunschlied erfreut. Jeder soll Wertschätzung erfahren.

Vorträge für dieses Jahr

Nicht selten hilft die Ansprache der richtigen Person aber auch dabei, auf dem aktuellen Informationsstand zu bleiben. So habe Frau Kunze vom gleichnamigen Pflegedienst in Koblenz bereits im November einen Fachvortrag zu den neuen Pflegegesetzen gehalten, sagt Monika Pakoßnick beim Blick auf das Magazin. Für das Frühjahr hat sie bereits einen Reisebericht über Norwegen und eine fahrende Modenschau sowie einen Literaturabend und einen Vortrag zur Lage in Burma geplant. Schließlich soll im Gemeindehaus Koblenz auch politische Bildung stattfinden. Beim allerersten Vortrag 1998 ging es um exotische Früchte und wie man eine Kiwi isst, amüsiert sich die Seniorin, die irgendwie keine Seniorin ist.

Erinnerung an die Auffahrt

Dann holt sie noch schnell das Gedicht vom kleinen Fritzchen und dem Honigkuchenherz aus dem Büro in die Küche und bringt ihren Gast zum Abschied noch einmal zum Lachen. Nur dass die lange und hart erkämpfte Auffahrt zum Gemeinschaftshaus noch immer keine Beleuchtung hat, kitzelt eher den Nachdruck als die Fröhlichkeit der Monika Pakoßnick.