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| 21:55 Uhr

Preisgekrönte Idee
Daumen hoch für Mitfahrbänke

 Auf zu neuen Ufern: Maik Förster reckt vor dem Lindengasthof schon mal den Daumen in die Höhe.
Auf zu neuen Ufern: Maik Förster reckt vor dem Lindengasthof schon mal den Daumen in die Höhe. FOTO: Uwe Menschner
Oberlichtenau. Ein Verein aus Oberlichtenau erhält ein Preisgeld für eine innovative Idee. Neben Zustimmung gibt es sofort Bedenken – einige davon „typisch deutsch.“ Von Uwe Menschner

Im Prinzip ist es keine neue Idee: So genannte Mitfahrbänke gibt es schon in vielen Regionen Deutschlands. Selbst der benachbarte Landkreis Görlitz verfügt über eine ganze Reihe jener besonderen Sitzgelegenheiten, auf denen Platz nehmen kann, wer sich eine Mitfahrgelegenheit in den Nachbarort oder in die nächste Stadt erhofft.

Und doch ist das Konzept des Christlichen Vereins Oberlichtenau, im Pulsnitztal zwischen seinem Heimatort und der „Mutterstadt“ Pulsnitz Mitfahrbänke aufzustellen, den Initiatoren des Wettbewerbs „Sächsische Mitmachfonds“ ein Preisgeld von 5000 Euro wert.

Auch im Landratsamt stößt das Vorhaben auf offene Ohren: „Wir begrüßen diese Idee“, erklärt die Leiterin des Straßenverkehrsamtes, Katja Zeiske. „Der ländliche Raum kann nicht überall regelmäßig mit Bussen des öffentlichen Personennahverkehrs befahren werden. Deshalb sind wir sehr dankbar für solche privaten Initiativen, die wichtige Bausteine für die Mobilität der Bevölkerung darstellen können.“

Die Amtsleiterin macht keinen Hehl daraus, dass der Busverkehr nach wie vor stark auf die Schülerbeförderung zugeschnitten ist. Abends, in den Ferien, am Wochenende fährt kaum etwas in Orte wie Oberlichtenau oder Friedersdorf, die an keiner Hauptachse liegen. Auch das Plus-Bus-System, das den Nahverkehr zwischen größeren Städten verdichten soll, wird daran nichts ändern. Deshalb ist auch durchaus ein wenig Eigennutz mit im Spiel: Schließlich betreibt Maik Förster, der ehrenamtliche Geschäftsführer des Christlichen Vereins, den Oberlichtenauer Bibelgarten: „Und auch wir stehen vor dem Problem, dass außerhalb der Hauptzeiten niemand mit dem Bus zu uns fahren kann“, betont er.

Doch wer Maik Förster kennt, der weiß: Beim Klein-Klein hält er sich nicht lange auf. Groß zu denken ist eher seine Leidenschaft. Und so kommt es, dass er in der Perspektive am liebsten den gesamten Landkreis Bautzen mit einem „Netz“ von Mitfahrbänken überziehen will. Und in dieser Dimension stellt das Konzept dann tatsächlich eine Neuigkeit, oder auf Neudeutsch, ein „Pilotprojekt“ dar.

Mit 5000 Euro freilich lässt sich dies kaum stemmen: „Das reicht für zwei Bänke“, weiß Maik Förster. Immerhin hat der Verein einen Mitarbeiter gefunden, der gebrauchte Bänke aufarbeiten und für den angestrebten Zweck nutzbar machen kann. Wer also eine alte Bank im Garten stehen hat, die er nicht mehr braucht, ist im Vereinsbüro gern gesehen. Darüber hinaus bedarf es einer großen Anzahl von Partnern, die das kreisweite Mitfahr-Netz, Gemeinde für Gemeinde, aufbauen – Zukunftsmusik.

Freilich ist das Konzept der Mitfahrbänke nicht unumstritten, und es sind rechtliche Fragen zu klären. Der Christliche Verein will nämlich reguläre Bushaltestellen als Aufstellorte nutzen. Dort jedoch kann nicht einfach jeder halten, der das gerne möchte. „Wir müssen das in unserem Amt klären“, unterstreicht Katja Zeiske. Andere Bedenken, wie sie zum Beispiel unlängst in der Fachzeitschrift „Kommunal“ geäußert wurden, lassen sich hingegen der Rubrik „typisch Deutsch“ zuordnen: So seien Erfahrungen gemacht worden, dass „bei jungen Mädchen schon nach wenigen Minuten Autos anhielten, während ältere Leute nicht mitgenommen wurden.“ Müssen also künftig Autofahrer, die nicht für jeden Wartenden anhalten, mit Anzeigen nach dem Antidiskriminierungsgesetz rechnen?

Schwerer wiegen sicherlich Einwände, die darauf abzielen, dass sich die „Dienstleistung“ des Mitnehmens auf der Mitfahrbank sehr anonym abspielt (wenn es sich nicht gerade um jemanden aus dem jeweiligen Dorf handelt.) Ob sich also Kinder allein auf die Bank setzen sollten, bedarf durchaus der Erörterung. Und auch die Frage der Rückkehr sollte vor Fahrtantritt geklärt sein. Maik Förster und seine Mitstreiter nehmen diese Einwände ernst, lassen sich aber in ihrem Ziel nicht beirren: „Zum Tag des offenen Denkmals im September streben wir die Jungfernfahrt zwischen Pulsnitz und Oberlichtenau an.“

 Auf zu neuen Ufern: Maik Förster reckt vor dem Lindengasthof in Oberlichtenau schon mal den Daumen in die Höhe.
Auf zu neuen Ufern: Maik Förster reckt vor dem Lindengasthof in Oberlichtenau schon mal den Daumen in die Höhe. FOTO: Uwe Menschner