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| 16:07 Uhr

Saubere Spree
Technik für eine saubere Spree wird modifiziert

Sven Radigk zeigt die Schlammabzugsrohre, die bisher in den Sedimentationscontainern verbaut waren. Durch das Zusetzen der Löcher musste eine neue Technologie in den Containern her.
Sven Radigk zeigt die Schlammabzugsrohre, die bisher in den Sedimentationscontainern verbaut waren. Durch das Zusetzen der Löcher musste eine neue Technologie in den Containern her. FOTO: Anja Guhlan
Burgneudorf. Da der Gehalt an Eisen höher ist als geplant, muss die LMBV die modulare Wasserbehandlungsanlage in Burgneudorf umbauen. Im ersten Quartal 2019 könnte die Anlage wieder laufen und den Eiseneintrag in die Kleine Spree reduzieren. Von Anja Guhlan

Auf dem Gelände der ehemaligen Grubenwasserreinigunsganlage in Burgneudorf  ging im Dezember 2017 die modulare, containergestützte Wasserbehandlungsanlage der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) in Betrieb. Im Mai dieses Jahres wurde sie wieder abgeschaltet.

„Die Belastung mit Eisen im geförderten Grundwasser war erheblich höher, als die Messdaten annehmen ließen“, erklärt Sven Radigk, Leiter der Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz bei der LMBV. So wurde anfangs aus den Messdaten heraus ein prognostizierter Mittelwert von 120 Milligramm Eisenhydroxid pro Liter ermittelt. Als dann die Errichtung der Filterbrunnen begann, die das Grundwasser im Bereich der „Spreewitzer Rinne“ entnehmen, wurde festgestellt, dass das der tatsächliche Mittelwert weitaus höher liegt: bei gut 210 Milligramm pro Liter.

Durch die höhere Eisenbelastung kommt  es in der Burgneudorfer Anlage schließlich zu Problemen. Der ursprüngliche Plan: Das Grundwasser wird in die Anlage hineingepumpt, mit Kalk neutralisiert und anschließend mit einem Flockungsmittel gemischt. In den Sedimentationscontainern ist bisher durch ein Schlammabzugsrohr der Dünnschlamm weiter mittels Zentrifuge entwässert und das gereinigte Wasser in die Kleine Spree zurückgekehrt. Durch den höheren eisengehalt ist aus dem Dünnschlamm schon dickerer Schlamm geworden, der die Abzugsrohre regelmäßig zusetzte. Eine neue Technologie musste also her.

„Die Planer haben sich entschieden, die Schlammabzugsrohre  auszubauen und stattdessen eine mechanische Vorrichtung, einen sogenannten Räumer, der sich hin und her bewegen kann und somit den Schlamm sicher in den Pufferschacht abfördert, einzubauen“, erklärt  Sven Radigk. Diese Vorrichtung ist für anfallenden Dick- als auch Dünnschlamm gleichermaßen geeignet. Momentan wird einer der Container umgebaut und soll dann einen Testbetrieb durchlaufen. Geplant ist im Anschluss die anderen fünf Container auch dementsprechend umzurüsten und sogar noch zwei zusätzliche Container gleicher Bauart aufzustellen.

Der dahinter liegende Schlammeindicker wird umfunktioniert und dient künftig als Pufferschacht, bevor der Schlamm nochmal in einen Dekanter (Zentrifuge) geführt wird, indem dem Schlamm erneut Wasser entzogen wird. Der restliche stichfeste Schlamm wird als Zuschlagsstoff für die Ersatzbaustoffherstellung abgefahren und verwertet.

Bei der LMBV sieht man die Modifizierung der Anlage, deren Betrieb im ersten Quartal 2019 wieder aufgenommen werden soll, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Klar ist, dass man auf einen Hotspot, also einen Bereich mit erheblicher Belastung, gestoßen ist und durch die Reinigung eine ganze Menge an Eisen  aus dem Kreislauf ziehen kann. Denn ist die Anlage in Burgneudorf wieder in Betrieb, werden hier gut 90 Prozent der Eisenbestandteile herausgefiltert. Jedoch muss die LMBV nun mit etwa einem Jahr Zeitverzug klarkommen. „Uns war von Anfang klar, dass die Anlage in Burgneudorf ein Pilotprozess ist. Mit den Erkenntnissen und Erfahrungen hier profitieren wir aber bezüglich anderer Anlagen“, erklärt Radigk. So ist für den Bereich Neustadt/Spree  eine bauartgleiche Wasserbehandlungsanlage geplant, die sich bereits im Bau befindet und im ersten Halbjahr 2019 in Betrieb gehen soll. Für den Bereich an der Ruhlmühle ist der Baustart für Mitte 2019 geplant. Die Modifizierung kostet der LMBV rund 500 000 Euro an Mehraufwendungen.  Bisher sind rund fünf Millionen für das gesamte System veranschlagt worden. Auch die jährlichen Betriebskosten werden steigen.  Die Kosten sollen jedoch gedeckt werden können.  „Für diese Art der Grundwasserenteisenung gibt es keine Blaupause. Es ist also eine Art Pilotprojekt, für das man auch Geld in die Hand nehmen muss, um am Ende eine saubere Spree zu haben“, kommentiert Radigk abschließend.