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Für die Musik durch die halbe Republik

Am 25. August spielt Tino Eisbrenner in der Kulturkirche Lauta-Stadt. Für Birgit Schurig und Andreas Hübner ist das ein Heimspiel.
Am 25. August spielt Tino Eisbrenner in der Kulturkirche Lauta-Stadt. Für Birgit Schurig und Andreas Hübner ist das ein Heimspiel. FOTO: Sascha Klein
Bernsdorf. Am Freitag geht es wieder los. Gegen 8 Uhr werden die Sachen zusammengepackt, dann geht es ins Auto. Sascha Klein

Der Weg führt Birgit Schurig und Andreas Hübner nach Senftenberg - zum Bahnhof. Ticket gekauft, rein in die Bahn und ab zur Arbeit. Auf sie wartet eine lange Fahrt. Umsteigen in Eberswalde - und irgendwann zur Mittagszeit kommen sie in Angermünde an. Willkommen in der Uckermark. Die Wege dort kennen die beiden schon. In Angermünde sind sie öfter. Sie stellen dort im Hotel die Tasche ab - dann beginnt ihre Schicht.

Spätestens ab 15 Uhr sind sie dann "Mädchen für alles": Haut alles mit der Technik hin? Sind die richtigen Ansprechpartner vor Ort? Gibt es genug Strom und Licht? Gibt es für abends etwas zum Essen für die Protagonisten? Birgit Schurig und Andreas Hübner sind Konzertveranstalter. An diesem Tag organisieren sie einen Auftritt mit Frank Proft und Peter "Eingehängt" Meyer, dem Puhdys-Urgestein in der Klosterkirche. Bei diesem Auftritt sind die Bernsdorferin und der Senftenberger recht gelöst. Im Vorfeld ist alles organisiert, es kann kaum etwas schiefgehen. Das Paar, das seit 2002 zusammen ist, ist eingespielt.

Zu Silvester 2006 hat Birgit Schurig im Bürgerhaus Wendische Kirche in Senftenberg eine Silvestergala organisiert - für den Tenor Björn Casapietra, dessen Fanclub sie auch einige Jahre lang geleitet hat. "Das war damals ein Erfolg. Dann hat Björn Casapietra gefragt: ,Das kannst Du auch?' So hat das angefangen." Also organisiert sie für ihren Tenor ein weiteres Konzert. Dann noch eines und noch eines ... Irgendwann ist sie eine derjenigen, die seine Tour managen.

Sie und ihr Freund Andreas Hübner kommen an den Wochenenden rum in Ostdeutschland - mit Björn Casapietra. Insgesamt haben sie sich bislang um 160 Konzerte des Sängers gekümmert - quer durch den Osten der Republik.

Mittlerweile vertreten Andreas Hübner, der die Firma inzwischen führt, und Birgit Schurig mehrere Künstler. Darunter ist der Tenor Torsten Schäpan, der an der Semperoper singt. Mit dabei ist auch Tino Eisbrenner, der 1984 mit der Gruppe "Jessica" beliebteste Newcomerband der DDR war. Der Bekannteste aber ist und bleibt Björn Casapietra. Der ist oft alleine unterwegs, bei ihren neuesten Schützlingen sind die beiden Konzertmanager meist dabei.

Für die Bernsdorferin ist das Konzertmanagement allerdings nur ein Nebenjob. Hauptberuflich arbeitet sie in einer Apotheke im Ort. "Ich habe einen guten Chef", sagt sie. Denn wenn sie immer mal wieder einen Freitag oder Montag frei braucht, um zu Konzerten zu fahren, spiele ihr Chef mit. Andreas Hübner war früher Bauzeichner, hat aber inzwischen umgesattelt. "Reich wird man von diesem Job nicht", sagt er. Doch das Reisen, bislang unbekannte Städte im Land kennenlernen und viele neue Erfahrungen gewinnen: Das will das Paar nicht missen.

Am Freitag in Angermünde haben Birgit Schurig und Andreas Hübner wieder volles Programm. Der erste Weg führt sie in die Tourist-Info. Dort wird der Vorverkauf geschlossen, die restlichen Karten gehen in die Abendkasse. Dann bereiten sie vor - vom Einlass über Kartenverkauf bis zur Abrechnung. Das ist harte Arbeit.

Und manchmal geht auch etwas schief. In Rheinsberg ist plötzlich das Netzteil fürs E-Piano weg. Also flitzt Andreas Hübner los. Wer hat ein E-Piano? Ab in die Tourist-Info. Von dort kommt der entscheidende Tipp: die Flamingos. Hübner eilt ans Ende der Stadt und sucht den Probenraum der Lokal-Band. Er findet ihn - und auch ein E-Piano. "Für einen Kasten Bier haben wir uns schließlich das E-Piano plus Netzteil ausgeliehen", sagt Hübner. Not macht erfinderisch. In Pasewalk habe einmal ein kompletter Flügel gefehlt. Ohne wäre Casapietras Pianistin an diesem Abend arbeitslos gewesen. Die Lösung: ein uraltes E-Piano aus den Beständen eines Kantors. "Das hätte das Konzert beinahe gecrasht", sagt Birgit Schurig. Heute kann sie darüber lachen. Damals war das weniger witzig, erzählt sie.

Bei allen Gefahren gilt für Freitag: Ruhe bewahren und toi, toi, toi. Doch Birgit Schurig ist ganz locker: "Ich habe da keine Angst. Frank Proft und Peter Meyer sind nett und absolut unkompliziert."