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Für die beste Lösung fehlt das Geld

Lohsa. Zu einem gemeinsamen Gang zur Rechtsaufsichtsbehörde haben sich in einer Sondersitzung zum Thema Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) am Dienstag Gemeinderäte der Einheitsgemeinde Lohsa und der Bürgermeister Thomas Leberecht (CDU) verabredet. Angeschoben hatte das außerordentliche Treffen die Arbeitsgruppe Abwasser, in der Räte und Bürger seit einem reichlichen Jahr gemeinsam an dem Thema arbeiten. mft1

Man sei nicht bereit, eine technische Lösung für bislang nicht angeschlossene Grundstücke in Groß Särchen und Koblenz an das zentrale Abwassernetz zu akzeptieren, wenn nicht die nachhaltigste und wirtschaftlichste Variante gebaut werde, begründete Steffen Mühl (Freie Wähler Knappensee) die mit Nachdruck eingeforderte Versammlung.

Zwei Präsentationen wurden den Räten vorgestellt. Enrico Pech (Bürgerschaft) erläuterte die Erkenntnisse der Arbeitsgruppe. Die gibt unter Hinzuziehung langfristiger Kosten und im Ergebnis von Gesprächen mit Experten - beispielsweise am Institut für Wasserwirtschaft Halbach Werdau - der "Variante 5" den Vorzug. Diese sieht eine überwiegende Freispiegelkanalisation vor.

Dipl.-Ingenieur Alexander Arenswald von der Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH (KEM) stellte die Zahlen aus Sicht der Kommunalberatung dar. Er befand unter Betrachtung von fünf Folgejahren die "Variante 1" für empfehlenswert. Diese bedeutet die Freispiegelkanalisation in bestimmten Bereichen und sonstige Installation von Druckleitungen mit Übergabe der Hauspumpschächte in die Hände der Grundstückseigentümer. Kein einziger Bürger habe ihm gegenüber je signalisiert, sich selbst um seine Pumpe kümmern zu wollen, warf Ronald Woschick (Wählervereinigung) diesbezüglich ein.

Beschlossen worden war im Übrigen in einer Sondersitzung im März 2016 die "Variante 2", die im Wesentlichen der Variante 1 entspricht, jedoch den Verbleib der Pumpanlagen in der Verantwortung der Gemeinde vorsieht. Die von den Bürgern in einer Befragung bevorzugte und dem Rat zuvor beschlossene Variante 5 war nach Auskunft des damaligen Bürgermeisters Udo Witschas (CDU) von der Kommunalen Rechtsaufsicht wegen sozialer Unverträglichkeit abgelehnt worden. Die Verwaltung zitierte die Ablehnung am Dienstag aus einer Gesprächsnotiz zu einem Telefonat. Auf die Vorlage des entsprechenden Schreibens warten die Gemeinderäte bis heute.

Er werde nicht ruhen, bis nicht die aus seiner Sicht vernünftigste Entscheidung für die Bürger gefallen sei, kündigte Steffen Mühl an. Es herrschte prinzipiell Einigkeit über die Vorteile der "Variante 5" insbesondere mit Blick auf die Nachhaltigkeit.

"Wir können Variante 5, so schön sie ist, nicht finanzieren", räumte Bürgermeister Leberecht ein. Auch wenn es letztlich nicht um die bisher benannten knapp zwei Millionen Euro, sondern nach Berechnung der Arbeitsgruppe nur um etwa 720 000 Euro Differenz zwischen den Varianten 1 beziehungsweise 2 und 5 geht, sind die liquiden Mittel der Gemeinde nahezu verplant. Von einer Kreditaufnahme aber riet die Kämmerin im Zuge des Haushaltsbeschlusses dringend ab. Die 720 000 Euro durch Einsparungen oder ein derzeit zinsgünstig zu bekommendes Darlehen aufzutreiben, müsse das einzig legitime Ziel sein, forderte Steffen Mühl.

Chefplaner Horst Alte warnte davor, Hand an die Kalkulation zu legen, die sich bereits "unterhalb der Mittelpreise" bewegen.

Er werde sich schnellstmöglich um einen Termin bei der Rechtsaufsichtsbehörde bemühen, sagte der Bürgermeister. Obwohl wenig Hoffnung auf einen Erfolg bestehe: Die Kommune habe mit dem beschlossenen ABK, dem öffentlich-rechtlichen Vertrag und dem genehmigten Baukredit ein umsetzbares Paket vorliegen und nicht zuletzt den Termindruck der Fertigstellung bis Ende 2018 im Nacken.