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| 14:05 Uhr

Bernsdorf
Für den Einsatz ohne Grenzen

Ingolf Höntsch ist der neue „alte“ Gemeindewehrleiter Bernsdorfs. Von 2007 bis 2012 hatte er die Funktion schon einmal inne. Hauptberuflich arbeitet der Mann aus Straßgräbchen für die Görlitzer Berufsfeuerwehr.
Ingolf Höntsch ist der neue „alte“ Gemeindewehrleiter Bernsdorfs. Von 2007 bis 2012 hatte er die Funktion schon einmal inne. Hauptberuflich arbeitet der Mann aus Straßgräbchen für die Görlitzer Berufsfeuerwehr. FOTO: Anja Hummel / LR
Bernsdorf. Bernsdorfs neuer Gemeindewehrleiter Ingolf Höntsch möchte vor allem das Gefühl der Zusammengehörigkeit stärken. Von Anja Hummel

Ingolf Höntsch hat gerade einen 24 Stunden-Dienst hinter sich. Wer das nicht weiß, merkt es ihm nicht an. Eine verhedderte Taube mussten er und seine Kameraden aus einem Netz befreien. „Und es kam ein Notruf wegen einer brennenden Gasflasche in einem Kochstudio rein“, erzählt der 55-Jährige. Gerade noch einmal glimpflich sei das ausgegangen. Entspannt sitzt der dreifache Vater auf seiner Couch im Wohnzimmer, zu erzählen hat der Straßgräbchener jede Menge. Viel über seine Arbeit bei der Berufsfeuerwehr in Görlitz, viel mehr noch über seine neue Funktion in der Gemeinde.

Denn Ingolf Höntsch ist frisch gewählter Gemeindewehrleiter von Bernsdorf. Damit hat er den Hut für vier Ortswehren auf: Straßgräbchen, Wiednitz und Großgrabe sowie Bernsdorf mit dem Ortsteil Zeißholz. Alles in allem zählen die Wehren gut 85 aktive Mitglieder. Eine Zahl, die sich gewandelt hat. Viele sind in die Alters- und Ehrenabteilung gewechselt, erzählt Höntsch, doch auch Wegzüge tragen zur schrumpfenden Mitgliederzahl bei. „Aber Veränderungen in der Arbeitswelt sind das Hauptproblem“, musste er feststellen. Viele seien tagsüber außerorts, auf Montage. „Wochentags haben wir Probleme, ausreichend Einsatzkräfte vor Ort zu haben“, so Höntsch. Dem entgegengewirkt hat der Ur-Bulleritzer schon in seiner früheren Amtszeit. Denn von 2007 bis 2012 war er schon einmal Gemeindewehrleiter. Die damalige Strategie: Doppelmitglieder gewinnen. Feuerwehrleute, die in der Bernsdorfer Gemeinde arbeiten, aber Mitglied in ihrer Heimatwehr sind, rücken bei Einsätzen während ihrer Arbeitszeit für Bernsdorf aus. So gibt es eine Kooperation mit der TD Deutsche Klimakompressor GmbH. Auch Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung wurden ausgebildet. „Damit haben wir dem Mitgliederschwund entgegengewirkt“, sagt Höntsch. Taktik Nummer zwei: die Jugendarbeit. Demnächst soll in Wiednitz sogar eine Kinderfeuerwehr für die Fünf- bis Achtjährigen aufgebaut werden. „Das Angebot ist für die gesamte Gemeinde gedacht“, versichert Ingolf Höntsch. Für den Transport der Kinder möchte die Feuerwehr sorgen. „Es geht einfach um Spiel, Spaß und die Gemeinschaft. Und wenn wir die Kinder so zeitig für die Feuerwehr begeistern können, dann bleiben sie vielleicht auch“, hofft der Feuerwehrchef.

Große Hoffnung setzt er auch in die weitere Zusammenarbeit der aktiven Kameraden. „Die starren Grenzen zwischen den Ortsfeuerwehren müssen endgültig aufgelöst werden. Und zwar im Kopf“, sagt Höntsch ganz entschieden. Er spricht von einem „Auseinanderdriften“ in den vergangenen Jahren. „Doch erst ein Miteinander macht eine richtige Kameradschaft aus.“ Wie er das Ruder wieder umreißen möchte? Gemeinsame Ausbildung, persönliche Kommunikation. „Lösungen müssen in der Gemeinschaft gefunden und nicht diktatorisch festgelegt werden“, plant Höntsch nun regelmäßige Treffen. Keinesfalls zweifle er an der guten Arbeit jeder einzelnen Wehr. Aber die unterschiedliche Technik in den Wehren gehöre nunmal der gesamten Kommune.

Insgesamt sind die Wehren gut ausgestattet, resümiert Höntsch. „In den nächsten Jahren muss aber der Fahrzeugbestand erneuert werden.“ Im Haushalt ist das fest eingeplant.

Dem Bernsdorfer Stadtrat ist aber auch bewusst: Kitas, Schulen und Wohnland haben höhere Priorität. „Was bringt eine im Vergleich zur Einwohnerzahl überproportional ausgerüstete Feuerwehr?“, fragt er. Schließlich, ist Höntsch überzeugt, führt das Wohl der Feuerwehr nur über das Wohl der Gemeinde.