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| 17:49 Uhr

Einzelhandel
Der Handel und seine Schwächen

 Christian Gahrig und Eberhard Dargel schlendern über den Bernsdorfer Markt. Sie sind zufrieden mit dem Einkaufsanegbot in der Stadt. Nur zum Shoppen fahren sie woanders hin.
Christian Gahrig und Eberhard Dargel schlendern über den Bernsdorfer Markt. Sie sind zufrieden mit dem Einkaufsanegbot in der Stadt. Nur zum Shoppen fahren sie woanders hin. FOTO: LR / Anja Hummel
Bernsdorf soll attraktiver werden. Dafür wird nun ein Konzept für den Einzelhandel erstellt. Die Bürger sollen kräftig mitmischen. Von Anja Hummel

„Vor allem Gesundheit“ antwortet Christian Gahrig lachend auf die Frage, was er sich so wünscht. Der 62-Jährige steht neben seinem Fahrrad. Die beiden Körbe, vorne und hinten, sind mit Beuteln bepackt. Er hat seine Einkaufsrunde auf dem Bernsdorfer Markt schon gedreht, Wurst und Gemüse gekauft. „Mein Brot hol’ ich beim Bäcker, die Wurst in der Fleischerei“, sagt der Bernsdorfer. Mit dem Einkaufsangebot ist er zufrieden. „Nur ein Schuhgeschäft, das fehlt.“ Eberhard Dargel stimmt zu. Er kommt aus dem Nachbardorf Grüngräbchen immer zum Einkauf nach Bernsdorf. „Bei uns gibt’s ja nicht mal mehr einen Bäcker“, sagt der 66-Jährige.

Woran es in Bernsdorf mangelt, aber auch wo die Stärken in Sachen Einzelhandel und Dienstleistungen liegen, das erarbeitet momentan ein Dresdner Fachbüro. Projektleiterin Sophie Männel ist mitten in der Auswertung. „Wir sind schon das ganze Stadtgebiet abgelaufen, haben alle Einzelhandelsbetriebe registriert“, erzählt die Mitarbeiterin der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH (GMA). Aktuell gibt es in der Stadt 40 Einzelhandelsbetriebe mit Schwerpunkt im Lebensmittelbereich. Die Vor-Ort-Tätigkeiten sind weitestgehend abgeschlossen. Jetzt ist die Konzepterstellung an der Reihe. Das Ziel: „Wir arbeiten die Stärken und Schwächen heraus. Das fertige Konzept dient dann als Planungsinstrument für eine nachhaltige Stadtentwicklung“, erklärt Sophie Männel. Damit dieses Papier nicht nur auf Statistiken und strukturellen Betrachtungen beruht, sollen die Bernsdorfer Bürger nun kräftig mitmischen: Es gibt eine Umfrage – am Telefon, aber auch online. Einige Beispielfragen: Gehen Sie in Bernsdorf einkaufen? Welche Verkehrsmittel benutzen sie, um in die Innenstadt zu kommen? Hat sich die Stadt bezogen auf Einzelhandel und Dienstleistung in den vergangenen Jahren positiv entwickelt? Welche Verbesserungsvorschläge gibt es? „Außerdem können Schulnoten für Sauberkeit, Öffnungszeiten und Angebotsvielfalt vergeben werden“, sagt Sophie Männel. Damit, heißt es aus der Bernsdorfer Stadtverwaltung, hat jeder Bürger die Gelegenheit, die Entwicklung der Stadt zu unterstützen. An der Online-Befragungen (Details siehe Infobox) haben sich bisher schon 200 Personen beteiligt.

Auch Milena Wilhelm will noch mitmachen. Die 30-Jährige hält mit zwei Freundinnen gerade einen Plausch an der Ernst-Thälmann-Straße. „Eigentlich haben wir alles. Fünf Bäcker, fünf Getränkemärkte, fünf Friseure“, sagt sie und lacht. Dann kommt das große Aber. „Es gibt keinen Drogeriemarkt.“ Um Windeln und spezielle Pflegeprodukte zu kaufen, fährt sie immer nach Hoyerswerda oder Kamenz. „Hier gibt es sowas nicht“, sagt die junge Mutter. Mit diesem Wunsch ist sie nicht alleine. Marie Daul, die als Verkäuferin in einem Bernsdorfer Supermarkt arbeitet, überlegt nicht lange. „Es ist eigentlich alles da, außer ein Drogeriemarkt“, sagt die 25-Jährige. „Aber ich denke, da sind andere Gegenden schlimmer dran. „Sie wohnt in Knappenrode und „da gibt es nicht mal einen Bäcker“, bedauert sie. Ein Ehepaar aus Grünewald macht sich mit noch leerem Einkaufswagen auf den Weg in den Supermarkt. „Freilich, ein schöner Laden, was mit Anspruch, das wäre hier was“, sagt die Frau. Auch ihnen fällt auf: Ein Schuhladen fehlt. „Wir kaufen noch traditionell in den Geschäften, bestellen nicht im Internet“, sagt die Seniorin. Für sie und ihren Ehemann ist Bernsdorf der erste Anlaufpunkt zum Einkaufen.

Wann das fertige Konzept der Stadt schlussendlich vorgelegt wird, kann Sophie Männel noch nicht genau sagen. Fest steht: Die telefonische Haushaltsbefragung läuft noch bis Ende Februar, die Online-Umfrage ist bis Mitte März freigeschalten. „Natürlich arbeiten wir die Ergebnisse der Bürgerumfrage in das Konzept mit ein“, versichert Sophie Männel.