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| 14:20 Uhr

Altlastensanierung
„Blaue Donau“ rückt wieder in den Fokus

Jürgen Bunk vom sächsischen Umweltministerium sowie Manfred Rüster, der das ökologische Altlastenprojekt vor Ort betreut, blicken in die Unterlagen. Bis Mitte 2019 sollen mittels eines Sanierungsaudits notwendige Maßnahmen vorgeschlagen werden.
Jürgen Bunk vom sächsischen Umweltministerium sowie Manfred Rüster, der das ökologische Altlastenprojekt vor Ort betreut, blicken in die Unterlagen. Bis Mitte 2019 sollen mittels eines Sanierungsaudits notwendige Maßnahmen vorgeschlagen werden. FOTO: Anja Guhlan
Lauta. Für das Ökologische Altlastenprojekt in Lauta soll nun ein Sanierungsaudit erstellt werden, damit konkrete Maßnahmen abgeleitet werden können. Von Anja Guhlan

Das Ökologische Altlastenprojekt „Lautawerk“, das die Lautaer bereits seit mehreren Jahren beschäftigt, nimmt möglicherweise wieder Fahrt auf.  So haben besonders die Einwohner in Lauta-Nord seit Jahren mit „stinkendem“ Wasser zu tun. Der Grund: Durch die Verfrachtung der gaswerktypischen Schadstoffe des einstigen Aluminiumwerkes in Lauta ist ein großflächiger Grundwasserschaden in der „Blauen Donau“ eingetreten. Die phenolhaltigen Grundwässer dringen an einigen Stellen durch den Grundwasserwiederanstieg vereinzelt an die Oberfläche und  auch schon in manche Keller hinein.

Ein im Jahr 2017 versandter offener Brief des Bürgermeisters Frank Lehmann (parteilos) an den damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich mit der Bitte endlich zu handeln, könnte jetzt Wirkung zeigen. Denn während der jüngsten Einwohnerversammlung verkündete Jürgen Bunk vom Umweltministerium, dass  nun zu dem komplexen Problem ein Sanierungsaudit erstellt werden soll, damit notwendige weitere Schritte abgeleitet werden können.

In einem solchen Sanierungsaudit werden Unterlagen von früher sowie jetzige Daten, Gutachten und Studien  zusammengeführt und einer Neubewertung unterzogen. Dafür wird ein Auditor als externer Gutachter beauftragt, bei dem alles zusammenläuft. Dieser nimmt alle vorhandenen Informationen auf, verdichtet die Daten, erstellt ein konzeptionelles Standortmodell, aktualisiert die Gefahrenabschätzung und unterbreitet Vorschläge zur weiteren Vorgehensweise.

Inhaltlich geht es unter anderem um das früher angelegte Grabensystem zur Verhinderung von Vernässungen und in den 1990er-Jahren  unterirdisch verrohrte etwa 2500 Meter lange Drainagesystem. Soweit das Landratsamt hierfür die Bestätigung erteilt, soll noch im Jahr 2018 mit einer Kamerabefahrung geprüft werden, wie  funktionsfähig das System ist, ob es für den Zweck der Grundwassersanierung  instand gesetzt werden muss oder ob in Verbindung damit weitere Maßnahmen zur Luftverbesserung umgesetzt werden können. Es soll auch geprüft werden, ob eine weitere Verrohrung des Drainageeinlaufes in den Schleichgraben stromabwärts in Richtung Erikasee vorgenommen werden kann, um die Geruchsbelästigung zu vermindern. Auch eine mögliche Wiederinbetriebnahme einer mobilen Wasserreinigungsanlage im Auslauf der Drainage, dessen Betrieb in der Parkstraße nach Unterschreitung der Einleitwerte im Jahr 2007 eingestellt wurde, soll nochmals überprüft werden. „Wir sind innerhalb des Sanierungsaudits vollkommen ergebnisoffen“, versichert Jürgen Bunk.
Bürger wie Walter Blankenberg kritisieren die Vorgehensweise des Umweltministeriums. „Wenn jetzt erst alle Daten an einer Stelle zusammengetragen werden, glaube ich, greifen hier fast schon Berliner Verhältnisse“, sagt Blankenberg und spielt auf den Bau des Berliner Flughafens an. „Wann packt ihr das Problem an?“, will er wissen.
Jürgen Bunk antwortet, dass es sich um eines der wenigen im Freistaat verbliebenen, aber sehr komplexen  Altlasten-Projekte handelt und dass dafür Sanierungsmaßnahmen entwickelt werden müssen, die nicht nur technisch umsetzbar, sondern auch verhältnismäßig  sein müssen. „Wir arbeiten hier schließlich mit Steuergeldern und da müssen Maßnahmen so gut durchdacht sein, dass sie auch zu einem Erfolg für Mensch und Umwelt führen“, erläutert er.
Bürger Jens Bitzka reichen diese Aussagen nicht. Er wohnt seit 40 Jahren in dem Gebiet und möchte wissen, wann er jetzt mit konkreten Schritten rechnen kann. Jürgen Bunk erläutert, dass das Sanierungsaudit voraussichtlich Mitte 2019 ausgewertet sein soll. Dann soll nach den erforderlichen behördlichen Überprüfungen und Bestätigungen entschieden werden. „Falls sich Maßnahmen als erforderlich herausstellen, könnte es noch bis zu weiteren fünf Jahren dauern bis zur Umsetzung“, erklärt Bunk auf RUNDSCHAU-Nachfrage.
„Die Vorgänger-Generationen haben das Problem vor etwa 100 Jahren mit dem Bau und Betrieb des einst größten Aluminiumwerkes in Europa begonnen zu verursachen. Bei der Größe des Projekts könnte es demnach unter Umständen durchaus noch 50 bis 100 Jahre dauern bis alle Schäden im Grundwasser der ,Blauen Donau’ restlos beseitigt sind. Vor diesem Hintergrund sind dann selbst 20 Jahre Untersuchungs- und Sanierungsarbeit noch nicht viel“, erläutert Bunk weiter. Schließlich sei es nicht so, dass gar nichts getan wurde. Nach der Stilllegung und dem Abriss des Werkes Anfang der 1990er-Jahre wurde zunächst im Bereich des Werksgeländes und der Teerteiche  eine Quellensanierung der Hauptlast „Teerteiche“ durch Bodenaustausch vorgenommen. So wurden zwischen 2002 und 2005 insgesamt rund 240 000 Tonnen belastetes Material entnommen, verwertet oder Beseitigung zugeführt.
Heute haben sich dort einige Industrie- und Gewerbebetriebe angesiedelt.  Der überwiegende Teil ist mit einer großflächigen fotovoltaikanlage ausgestattet. Auch nach Sanierung der „Teerteiche“ arbeite man kontinuierlich an dem ökologischen Altlastenprojekt, zu dem neben dem Grundwasserschaden „Blaue Donau“  die Sanierung der ehemaligen Industriemülldeponie und die Sicherung des Rotschlammrestloches „Heide V“ gehören, die weitgehend abgeschlossen sind.