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| 02:46 Uhr

Frischzellenkur für Orgel der Michaeliskirche

Bei seiner Arbeit muss Orgelbauer Michael Poldrack zuweilen auch in den Untergrund abtauchen.
Bei seiner Arbeit muss Orgelbauer Michael Poldrack zuweilen auch in den Untergrund abtauchen. FOTO: ume1
Bautzen. Die Bautzener Michaeliskirche hat ihre Orgel wieder: In den vergangenen zwei Monaten wurde das 1976 in der ortsansässigen Firma Eule Orgelbau hergestellte Instrument einer Generalüberholung unterzogen, die jetzt abgeschlossen ist. Uwe Menschner / ume1

"37 Jahre sind eine lange Zeit, wenn man dies mit anderen Orgeln vergleicht. Die meisten müssen schon nach 20 Jahren erneuert werden." Orgelbaumeister Michael Poldrack ist zufrieden mit der Langlebigkeit der Arbeit, die noch zu tiefsten DDR-Zeiten in seiner Firma ausgeführt wurde. Doch irgendwann beeinträchtigen die alltägliche Belastung durch den Gebrauch, aber auch bloße Umwelteinflüsse selbst die beste Orgelpfeife. Und so kam es, dass sich die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde St. Michael entschloss, ihr Instrument einer grundlegenden Überholung zu unterziehen.

"Auch wenn es noch keine gravierenden Misstöne gab, so konnte das geschulte Ohr schon bemerken, dass einige Klänge nicht mehr ganz sauber kamen", erklärt Kantor Danny Schmidt.

Bei der Demontage stellte sich dann auch tatsächlich heraus, dass dieser Schritt dringend nötig war - "es sah schon ziemlich schlimm aus", erinnert sich Pfarrer Andreas Höhne.

Immerhin hatte die Orgel auch eine Komplettsanierung des Innenraumes "überstanden", die von 2005 bis 2007 stattfand und jede Menge Staub und Schmutz aufwirbelte. So wurden die 1416 Pfeifen (die längsten messen circa 2,40 Meter) einzeln gereinigt und die Führung der Klaviatur instand gesetzt. Eine Schutzbehandlung soll den Orgelprospekt vor Schimmelbefall schützen, wobei dies laut Michael Poldrack - im Unterschied zu vielen anderen Kirchenorgeln - bei der Orgel der Michaeliskirche bislang "kein großes Problem" war.

Neben der Orgelsanierung erfolgten Arbeiten an der erst 2007 vergrößerten Orgelempore, wo die Kirchgemeinde Elektrik, Heizung und Fußbodenbelag erneuern ließ. Auch eine Pedalheizung "spendierte" sie dem Kantor. Die Gesamtkosten von circa 41 000 Euro wurden von der Sparkassenstiftung mit 4000, von der Landeskirche Sachsen mit 5000 Euro bezuschusst. Der Rest, der eigentlich den Löwenanteil umfasst, kam durch Sammlungen der Kirchgemeinde zusammen. Die Michaeliskirchgemeinde umfasst traditionell 32 sorbisch geprägte Dörfer in der Umgebung von Bautzen. Einmal im Monat findet auch ein Gottesdienst in sorbischer Sprache statt.

Die Michaeliskirche selbst stammt aus dem 15. Jahrhundert, der Überlieferung nach soll sie aus Dankbarkeit für die erfolgreiche Abwehr der Hussiten errichtet worden sein. Gemeinsam mit der Alten Wasserkunst bildet sie ein viel fotografiertes historisches Ensemble.

Die Gemeinde hat nun am Sonntag, 10. November, ab 10 Uhr beim Gottesdienst die Gelegenheit, "ihre" Orgel wieder in voller und unverfälschter Klangfülle zu erleben. Ab 19 Uhr gibt es dann ein Konzert mit dem katholischen Kantor Felix Bräuer.