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| 15:30 Uhr

Friedensdekade
Muss Krieg zum Leben der Menschen gehören?

Pfarrer Jörg
Michel. Foto: dcz
Pfarrer Jörg Michel. Foto: dcz FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Kinghausgemeinde Hoyerswerda lädt zu ökumenischen Friedensgebeten ein. Von Katrin Demczenko

Welche Ereignisse finden immer am 11. November statt? Die fröhliche Faschingssession fängt an und der St. Martinstag erinnert an das Teilen mit dem Nächsten, der weniger hat. Aber am 11. November endete auch der furchtbare Erste Weltkrieg mit der Kapitulation des Deutschen Reiches. Dieses Ereignis jährt sich jetzt zum hundertsten Mal.

Zufall ist, dass 2018 genau am 11. November die Ökumenische Friedensdekade beginnt, aber das diesjährige Thema „Krieg 3.0“ wurde vom Trägerkreis der bundesweiten Aktion bewusst gewählt. Seine Mitglieder fragen, ob Krieg unbedingt zum Leben der Menschen gehören muss, wie groß die Gefahr eines dritten flächendeckenden Weltenbrandes ist und was der Einzelne dagegen tun kann.
Seit Jahrzehnten ist die evangelische Kinghausgemeinde Hoyerswerda-Neustadt Teil der Friedensdekade und lädt für jeden Abend 19 Uhr bis zum 19. November zu ökumenischen Friedensgebeten ein, kündigt Pfarrer Jörg Michel an. Die Anwesenden werden diese Andachten gemeinsam gestalten und die beiden Sonntagsgottesdienste im Zeitraum greifen das Thema ebenfalls auf.

Vor 29 Jahren haben die DDR-Bürger friedlich eine Mauer niedergerissen und jetzt bauen Menschen überall in der Welt neue Mauern auf, sagt Pfarrer Jörg Michel ernst. Die Demokratie als Umgangsform bekomme ständig mehr Gegner und die Sprache militarisiere sich. Im Internet werde Cyberkrieg geführt und später würden Waffen benutzt, die Konzerne vieler Industrienationen, darunter auch Deutschland, liefern. In Syrien, Afghanistan und anderswo toben deshalb scheinbar unendliche militärische Auseinandersetzungen, bei denen immer der Angreifer das andere Volk beherrschen will, um seine Ressourcen auszubeuten.

„Gewalt löst keinen Konflikt“, weiß der Geistliche und hofft auf vernunftbegabte Menschen, die das Teilen als Voraussetzung für Friedfertigkeit erkennen und selbst nach diesem Gedanken handeln wollen. Das ist die einzige Möglichkeit, um die Erde für alle Menschen bewohnbar zu halten und einen dritten Weltkrieg zu verhindern. Die Friedensdekade 2018 will zu diesem Weg ermutigen.

Jetzt laufen zwei Unterschriftenaktionen an den Bundesfinanzminister Olaf Scholz und die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, informiert Pfarrer Michel. Letztere soll das Mindestalter für den Beginn einer Ausbildung bei der Bundeswehr auf 18 Jahre heraufsetzen, fordert die Petition der Ökumenischen Friedensdekade e.V. Jeder Bürger kann auch dem Bundesfinanzminister einen Musterbrief der Aktion „Zivil ist MehrWert2 schicken und sich so gegen die Erhöhung des Rüstungsetats für die Haushaltsplanung 2020 bis 2022 aussprechen. Gefordert wird stattdessen dauerhaft mehr Geld für Friedensförderung, zivile Krisenprävention und Entwicklungszusammenarbeit.