Die richtige Familie für das Mädchen zu finden - das ist die Aufgabe von Monika Mandrossa. Die Mitarbeiterin im Pflegekinderdienst der Stadt Hoyerswerda lässt sich bei der Suche zuallererst von den Bedürfnissen des Kindes leiten, das sie während der Zeit im Kinderheim kennen lernt und einzuschätzen weiß. „Es muss einfach passen. Nach mehreren kurzen Begegnungen spürt man auch, ob alle einen Draht zueinander finden“ , sagt die Sozialarbeiterin aus jahrelanger Erfahrung.
Seit 14 Jahren macht sie bereits diesen Job. „Mein erstes Pflegekind habe ich 1993 vermittelt - es ist heute 20 Jahre alt“ , erzählt die 54-Jährige. Sie ist begeistert, mit welchem Talent und Feingefühl die „Eltern auf Zeit“ die neuen Familienmitglieder meist bei sich integrieren. „Die Kinder spüren dann oft zum ersten Mal eine innere Sicherheit, lernen Rituale des Alltags kennen, um ihr Leben selbst meistern zu können. Ein nicht leibliches Kind aufzuziehen - das ist was ganz Besonderes, das nicht hoch genug zu schätzen ist“ , erläutert Monika Mandrossa.
Sie und ihre Kollegin Sabine Vietzke betreuen derzeit rund 30 Pflegefamilien, die Hoyerswerdaer Kinder aufgenommen haben. Das bedeutet aber nicht, dass alle diese Familien auch hier in der Stadt leben. Immer häufiger werden die perfekten Pflegefamilien auch irgendwo südlich von hier gefunden, zum Beispiel in Freiberg oder Radeberg, aber auch nicht zu weit von der Heimat weg. „In Hoyerswerda haben wir derzeit nicht genug Pflegefamilien. Wir würden gern weitere motivieren“ , sagt Monika Mandrossa.
Dass das Interesse in der kreisfreien Stadt nicht ausreichend ist, mag mit der nicht einfachen Lebenssituation vieler Familien hier zu tun haben - oder auch mit der Altersstruktur. „Wir würden uns über weitere Interessenten sehr freuen“ , ermutigt die Sozialarbeiterin. Eltern, die sich informieren wollen, bekommen im Jugendamt alle Auskünfte.
Denn die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die nicht bei ihren leiblichen Eltern lebt und Hilfe zur Erziehung außerhalb des Elternhauses in Anspruch nimmt, steigt in Hoyerswerda weiter an. 159 Kinder und Jugendliche waren es zum Jahreswechsel, die in Heimen, Wohngruppen und Pflegefamilien untergebracht waren.
Derzeit warten zirka zehn Kinder aus diesen Heimen so wie Sabrina auf Familienanschluss in Pflegefamilien. Die meisten der Kinder sind im Vorschul- oder Grundschulalter. „Auch für ältere Kinder suchen wir manchmal Pflegefamilien. Aber da bedarf es eines besonderen Gespürs und besonderer Voraussetzungen“ , erläutert Monika Mandrossa. Die hat nicht jeder, das ist klar. Und auch verläuft nicht jede neu eingegangene Familienbeziehung immer nur harmonisch. „Aber wir als Amt stehen immer zu Seite.“ Die Leistungen für den Unterhalt des Pflegekindes bekommen die Familien ebenfalls vom Jugendamt der Stadt erstattet.
Und noch eine Voraussetzung muss immer gegeben sein: Der Kontakt zu den leiblichen Eltern darf nicht abgebrochen werden. „Regelmäßige Kontakte müssen die Pflegefamilien gewährleisten“ , sagt die Sozialarbeiterin. Denn das sei wichtig für das Kind und für die leiblichen Eltern. „Denn es ist und bleibt auf jeden Fall immer ihr Kind.“
*Name geändert

Zum Thema Pflegefamilie werden - wie geht das?
  Wer mehr zum Thema Pflegefamilien wissen möchte, der findet beim Pflegekinderdienst des Jugend- und Schulamtes in Hoyerswerda, Dillinger Straße 2, Zimmer 307, die richtigen Ansprechpartner. Zuständig sind Sabine Vietzke und Monika Mandrossa (Tel. 03571/ 45 74 40 oder 45 74 47). Öffnungszeiten des Amtes: Montag und Freitag 8-12 Uhr; Dienstag 8-12 und 13-16 Uhr, Donnerstag 8-12 und 14-18 Uhr
Bevor Familien als Pflegefamilien anerkannt werden, durchlaufen sie ein Bewerber-Gruppentraining unter Leitung des Jugendamtes.