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Freie Schule wird zur Erfolgsgeschichte

Zum 25. Schulgeburtstag wurden gestern die neuen Sitzpodeste im Innenhof des Johanneums in Beschlag genommen. Auch Schulleiter Günter Kiefer, Geschäftsführerin Claudia Kockert, Trägervereinsvorsitzender Friedhart Vogel und Förderkreischef Martin Bleidießel (v.r.n.l.) finden: "Das sitzt sich sehr bequem."
Zum 25. Schulgeburtstag wurden gestern die neuen Sitzpodeste im Innenhof des Johanneums in Beschlag genommen. Auch Schulleiter Günter Kiefer, Geschäftsführerin Claudia Kockert, Trägervereinsvorsitzender Friedhart Vogel und Förderkreischef Martin Bleidießel (v.r.n.l.) finden: "Das sitzt sich sehr bequem." FOTO: cw
Hoyerswerda. Das Johanneum feiert Geburtstag. Vor genau 25 Jahren wurde die christliche Schule als erstes Gymnasium in freier Trägerschaft im Schulamtsbezirk Bautzen gegründet. Aus dem Bildungsstandort Hoyerswerda ist sie heute nicht mehr wegzudenken. Catrin Würz

Ob das heute wohl noch einmal so klappen würde? Friedhart Vogel bezweifelt das. Der Superintendent i.R und seit 2009 Vorstandsvorsitzender des Johanneum-Schulträgervereins sieht die einst unkomplizierte Gründung einer völlig neuartigen Schule für Hoyerswerda auch heute noch als "kleines Wunder". "Gerade mal ein halbes Jahr ist damals zwischen den ersten Gedanken und Gesprächen sowie der Eröffnung der Schule im August 1992 vergangen", erinnert er sich. Sowas sei heute geradezu undenkbar.

Mit genau 172 Schülern der Klassenstufe 5 bis 8 und zwölf Lehrern ging das Johanneum damals noch in Trägerschaft der Evangelischen Kirche an den Start - zunächst in provisorischen Räumen im Haus II des Foucault-Gymnasiums und in Containern. Die Schülerzahlen von 1992 hat Vogel noch parat als wäre es erst gestern gewesen. "Es wurde damals ganz Außergewöhnliches geleistet", ist auch heute noch seine Einschätzung. Bis heute ist die Schule ein alternatives Bildungsangebot zu den staatlichen Einrichtungen.

Genau ein Vierteljahrhundert sind seit den bewegten Anfängen vergangen. Die damals neu gegründete Schule - geprägt durch ein christliches Profil und just nach den ausländerfeindlichen Krawallen in Hoyerswerda entstanden - konnte 1996 einen Neubau am Elsterfließ in Hoyerswerdas Altstadt eröffnen. Zwar dauerte es 14 weitere, endlos lange Jahre, bis 2010 auch die Sporthalle und 2014 die Außensportanlagen in direkter Nachbarschaft in Betrieb gehen konnten. Doch die Strahlkraft des Schulkonzeptes wirkt nicht nur im Raum Hoyerswerda, sondern seit vielen Jahren auch weit über die sächsisch-brandenburgische Landesgrenze hinein. Ein nicht geringer Teil der heute rund 500 Schüler des Gymnasiums und des neu etablierten Oberschulzweiges kommen täglich aus dem Südbrandenburger Raum zwischen Spremberg und Senftenberg ans Johanneum gefahren.

Schulleiter Günter Kiefer freut sich über die anhaltend erfolgreiche Entwicklung. So konnte das Johanneum zum Schuljahr 2017/18 erstmals seit längerer Zeit wieder insgesamt vier 5. Klassen aufnehmen - drei Gymnasiumsklassen und eine Oberschulklasse. "Das freut uns außerordentlich", sagt Kiefer. In den Jahrgängen darüber ist die Schule dreizügig.

Dabei habe es in der 25-jährigen Geschichte des Johanneums neben den Hochs freilich auch immer mal wieder Tiefpunkte und schwierige Situationen gegeben. Als 1998 das Schulgeld eingeführt werden musste und die Schülerzahlen danach wieder sanken. Als sich 2005 die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz als Träger zurückzog und nur mit Hilfe eines neuen Schulträgervereins der Fortbestand als freie Schule gesichert werden konnte. Auch davon wird die neue Ausstellung "25 Jahre Johanneum" berichten, die am Mittwoch um 16 Uhr feierlich im Schulhaus eröffnet wird. Die Ausstellung soll eines der bleibenden Dinge vom Schulgeburtstag sein. "Wir haben uns diesmal bewusst für die hochwertige Ausstellung entschieden und dafür auf eine Festschrift verzichtet", erklärt Schulleiter Günter Kiefer.

Sein großes Jubiläum feiert das Johanneum seit gestern mit einer ganzen Woche voller Veranstaltungen. Gestartet wurde am gestrigen Montag mit dem traditionellen Schul- und Johannesfest. Am heutigen Dienstag findet ein Sportfest statt, am Donnerstag ein Schwimmfest. Höhepunkt der Festwoche wird aber der Mittwoch mit Gottesdienst und Festveranstaltung mit vielen Ehrengästen aus Politik, Kirche und Gesellschaft sein. Am Freitagabend geht das Jubiläum mit einem schönen Schulball zu Ende.

Ein Geburtstagsgeschenk hat sich das Johanneum bereits selbst gemacht. Nachdem im vergangenen Schuljahr ein Ideenwettbewerb für die Neugestaltung des Schul-Innenhofes ausgeschrieben war, sind nun erste Wünsche daraus umgesetzt. Zwei Baumpodeste sind als neue, schicke Sitzgelegenheiten bereits aufgestellt. Die Sitzmöbel aus Holz sollen in Kürze noch mit weiteren Spielgeräten und einem grünen Klassenzimmer komplettiert werden. Der Förderkreis des Johanneums hat zusammen mit dem Schulträgerverein für die Neuanschaffungen mehrere Tausend Euro locker gemacht. "Das ist doch ein passendes Geburtstagsgeschenk", sagt Förderkreis-Vorsitzender Martin Bleidießel.