Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) war höchstselbst gekommen, um beim feierlichen Band-Durchschneiden mit Hand anlegen zu können. Er tue das nicht nur, weil es sich bei der neuen Straße um ein für die Region sehr wichtiges Infrastrukturprojekt handelt, sagte er. Sondern weil er zugleich ein altes Versprechen einlösen wolle. Denn schon Mitte der 90er-Jahre war dem japanischen Unternehmen TDDK, das sich für eine Ansiedlung in Straßgräbchen entschieden hatte, von Sachsens Regierung eine schnelle Anbindung an die Autobahn versprochen worden. Nach Süden hin zur Autobahn A 4 erfüllte sich dies mit dem Neubau der Staatsstraße 94 samt den Ortsumfahrungen für Kamenz und Elstra schneller. Nun ist endlich auch das noch fehlende Teilstück von Straßgräbchen bis zur B 97 fertig.

Zwei Jahre lang war an der gut drei Kilometer langen Trasse, die östlich an Bernsdorf vorbeiführt, gebaut worden - mit einigen Schwierigkeiten. Auf dem ehemaligen Industriegelände der Bernsdorfer Zinkweißhütte hat der Freistaat 37 000 Tonnen Deponiealtlasten und Teer entsorgt und zugleich den Kleinen Streichteich und den Lugkteich renaturiert. Darüber hinaus musste ein Brückenbauwerk über die neue Trasse errichtet werden. Die insgesamt 13 Millionen Euro teure Investition konnte der Freistaat letztlich zu 75 Prozent mit europäischen Fördermitteln aus dem Fonds für regionale Entwicklung finanzieren. Die Fertigstellung der Straße feierte das zuständige Landesamt für Straßen und Verkehr gestern gemeinsam mit mehr als hundert Bürgern und Schaulustigen.

Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel (CDU) erinnerte daran, dass die Anwohner von Bernsdorf, aber vor allem jene in Straßgräbchen, jahrelang einen stetig zunehmenden Schwerlastverkehr direkt vor ihrer Haustür erdulden mussten. Das habe nun zwar ein Ende, aber für andere Bürger, zum Beispiel im Ortsteil Wiednitz, habe sich die Situation nicht verändert. "Wir werden dort den Schwerlastverkehr in Richtung Autobahn im Auge behalten", kündigte er an.

Unmittelbar nach der Freigabe der neuen Staatstraße S 94 wurde die Ortsdurchfahrt in Straßgräbchen im Gegenzug für den Lkw-Verkehr gesperrt. "Das ist ein großer Gewinn für das Dorf", sagte Ortsvorsteher Ingolf Höntsch. Die Straße, die inzwischen sehr reparaturbedürftig ist, wird derzeit auf Schäden untersucht. Das Land werde sich an der Sanierung beteiligen, bevor sie als kommunale Straße abgestuft wird. Bereits im zweiten Halbjahr sollen die Bauarbeiten beginnen, kündigte Bürgermeister Habel an.