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| 19:07 Uhr

Frauen im Handwerk
Spitzen-Schnitt im Handwerk

Die „Schnitt-Schwester“ Jenny Peuthert ist seit April 2017 Inhaberin des Friseursalons in Bernsdorf. Ihr Sohn Jim kennt sich im Laden der Mama bestens aus.
Die „Schnitt-Schwester“ Jenny Peuthert ist seit April 2017 Inhaberin des Friseursalons in Bernsdorf. Ihr Sohn Jim kennt sich im Laden der Mama bestens aus. FOTO: LR / Anja Hummel
Bernsdorf. Immer mehr Frauen stehen an der Spitze ostsächsischer Handwerksbetriebe. Auch Jenny Peuthert hat sich vor gut einem Jahr für ihren eigenen Friseursalon in Bernsdorf entschieden. Von Anja Hummel

Gerade einmal drei Tage hat sie überlegt, dann stand die Entscheidung fest: Tschüss zum Angestelltendasein, Hallo zur Selbstständigkeit.  Diesem Schritt hat es Jenny Peuthert zu verdanken, seit Frühjahr 2017 im Friseursalon „Schnitt-Schwester“ ihre eigene Chefin zu sein. In Bernsdorf bieten sie und ihre zwei Kolleginnen Claudia und Diana alles rund um die Haarpflege an.

„Meine Entscheidung war schon sehr spontan“ gesteht die 29-Jährige. Einiges sprach dagegen, viel mehr aber dafür. „Ich habe den Laden von meiner ehemaligen Chefin übernommen“, erzählt Jenny Peuthert. „Ich musste also nicht bei Null anfangen.“ Sonst, so ganz ohne Stammkundschaft und Saloneinrichtung, hätte sie es wohl nicht gewagt.

Doch unter welchen Umständen auch immer: Die Zahl der Frauen an der Spitze ostsächsischer Handwerksbetriebe steigt kontinuierlich. Mittlerweile wird jedes fünfte Unternehmen von einer Frau geführt. Das zeigen die aktuellsten Zahlen der Handwerkskammer Dresden. „Gerade weil das Handwerk noch immer von vielen als Männerdomäne angesehen wird, ist es ein sehr erfreuliches Ergebnis, dass sich der Anteil an Einzelunternehmerinnen im Handwerk in den vergangenen knapp 20 Jahren nahezu verdoppelt hat“, so Manuela Salewski, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Dresden. Die statistischen Werte zeigen: Zwar ist die Mehrheit der selbstständigen Unternehmerinnen in traditionell weiblich dominierten Berufen – wie Kosmetik und Friseur – vertreten. Aber insgesamt sind die Zahlen Beleg dafür, „dass Frauen auch im Handwerk eine immer größere Rolle spielen“, sagt Salewski.

Auch Friseurmeisterin Jenny Peuthert beobachtet diesen Trend. „Immer mehr Frauen, auch in meinem Umfeld, möchten sich generell weiterentwickeln, mehr Geld verdienen und selbstständig sein. Ob nun mit oder ohne Mann.“ Ihr persönlicher Antrieb? „Ich bin mein eigener Herr und kann mir die Arbeitszeiten frei einteilen, so wie ich das will.“

Die aus Lauta stammende junge Frau ist Mutter zweier Söhne. Der Jüngste, Jim,  wird bald drei Jahre alt. „Natürlich kann das als Mutter sehr stressig sein“, gesteht sie. „Aber mit zwei Angestellten, die Verständnis für die Situation haben und flexibel sind, geht das.“ Ohne das Team würde es nicht funktionieren. Auch Familie, Freunde und Partner springen immer gerne ein, wenn es sein muss. Den teilweise zuvor recht kritischen Stimmen aus ihrem Umfeld, sie hätte als Selbstständige weniger Zeit für ihre Kinder oder könnte die notwendigen Einnahmen nicht aufbringen, kann sie mittlerweile nur trotzen. Sicherlich müsse sie noch „so einiges“ abbezahlen. „Aber die Einnahmen haben sich innerhalb eines Jahres sehr gesteigert“, sagt die Meisterin im Friseurhandwerk. „Außerdem bin ich ein kleiner Dickkopf. Wenn ich etwas will, dann mache ich es auch.“ Gerade hat die junge Familie eine Woche Urlaub gemacht, ein bisschen ausgespannt, gemeinsame Zeit genossen. Obwohl Jenny Peuthert nicht abstreitet, dass die Selbstständigkeit besonders anfangs sehr nervenaufreibend ist, sagt sie: „Wer ehrgeizig ist und mit viel Stress umgehen kann, der sollte es wagen. Warum auch nicht?“, ermutigt sie alle Frauen zum Loslegen.

Vor sechs Jahren, als sie ihre Ausbildung zur Friseurin abschloss, hätte sie selbst nicht gedacht, irgendwann einmal ihre eigene Chefin zu sein. Obwohl sie doch recht schnell merkte, dass ihr das reine Haareschneiden auf Dauer nicht aufregend genug ist. Also hat sie sich nach ihrer zweiten Schwangerschaft einen Traum erfüllt und die Meisterschule absolviert. Mit ihrem Abschluss und der Selbstständigkeit ist Jenny Peuthert aber noch nicht am Ende ihrer Träume. Denn in Zukunft kann sie sich einen Laden vorstellen, „aus dem Frauen und Männer einfach nicht mehr rausgehen möchten“. Sie spricht von einem Rundum-Angebot mitsamt Kosmetik, Fußpflege und Nagelmodellage. Stolz ist sie beim Blick zurück. „Ich habe alles richtig gemacht“, resümiert sie. Da liegt es nur nahe, nach dem ersten Schritt auch den zweiten zu wagen.

Frauen-Power: Ohne die Flexibilität der Kolleginnen wäre der Job für Chefin Jenny Peuthert als zweifache Mutter nicht machbar.
Frauen-Power: Ohne die Flexibilität der Kolleginnen wäre der Job für Chefin Jenny Peuthert als zweifache Mutter nicht machbar. FOTO: LR / Anja Hummel