ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:21 Uhr

Hoyerswerda
Französischer Genuss in der Altstadt

Dorit Baumeister, Axel Fietzek, Monique van Nuland, Frank Graumüller und Franziska Tennhardt (v.l.) im Innenhof Am Fließ vor dem Testladen. Hier darf künftig an frischer Luft geschlemmt, Boule und Schach gespielt werden.
Dorit Baumeister, Axel Fietzek, Monique van Nuland, Frank Graumüller und Franziska Tennhardt (v.l.) im Innenhof Am Fließ vor dem Testladen. Hier darf künftig an frischer Luft geschlemmt, Boule und Schach gespielt werden. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Hoyerswerda. In Hoyerswerda wird der erste mietfreie „Testladen“ für Unternehmer eröffnet. Das „Café mit Kunst“ macht den Anfang. Von Anja Hummel

Ein leichter Roséwein, dazu hauchdünne Crépes, romantische Abendröte, sanfte Klänge verträumter „Chansons“.  All das mitten in Hoyerswerda. Ein Hauch von Frankreich soll in die Altstadt einziehen. Und Monique van Nuland möchte diesen Hauch dorthin bringen. Genauer genommen in den Fließhof. Dort wird die 47-Jährige für einen Monat das „Café mit Kunst“ eröffnen. Am Montag ist es soweit. „Wir lassen uns mal überraschen, wie es läuft“, sagt die sympathische Frau.

Viel schiefgehen kann nicht. Denn Monique van Nuland hat jede Menge Unterstützer an ihrer Seite. Mit dem Café ist sie die erste Unternehmerin, die das Projekt „Testladen“ wagt. Citymanagement und Wirtschaftsförderung der Stadt haben diesen Plan ausgeklügelt. und der sieht so aus: Menschen, die ihre Geschäftsidee ausprobieren möchten, können das ohne Zwänge in diesem Testladen tun. Miete muss hier niemand zahlen. „Das Projekt läuft insgesamt über drei Jahre“, erklärt Wirtschaftsförderin Franziska Tennhard. Anfragen von Interessenten gab es schon mehrere. Die Hoffnung: dass der erste „Probelauf“ von Monique van Nuland erfolgreich ist und sich andere trauen, es ihr gleichzutun.

Möglich macht das „mietfreie Geschäft“ aber jemand anders. Die Fläche gehört den Lebensräumen Hoyerswerda. Seit mehr als zwei Jahren steht der Laden nun schon leer. „Ganz früher war hier mal ein Solarium drin“, sagt Axel Fietzek. Der Geschäftsführer der Lebensräume kennt die Problematik. „Der Laden ist nicht direkt vorne an der Kirchstraße gelegen.“ Hinten in den Fließhof „verirren“ sich einfach zu wenig Leute. Noch. „Wir sind froh über das neue Café und dass wir es unterstützen können“, so Fietzek.

Dabei helfen soll auch der Fließhof. Schließlich würde der Platz draußen bei schönem Wetter wunderbar zum Verweilen einladen. Dafür möchte Monique van Nuland sorgen. Tische und Stühle werden ab Montag den Innenhof schmücken, genauso wie Lichterketten, Sonnenschirme und Sitzkissen direkt am Fließ. Damit nicht genug. Bereits jetzt ist ein „großer Sandkasten“ in der Mitte des Hofes platziert. Nicht zum Buddeln, vielmehr zum Boulen. Das Spiel mit den silbernen Kugeln stammt aus Frankreich und passt somit wunderbar in das Konzept des „Testladens“.

Beim Lage-Check am Donnerstag ist auch Citymanagerin Dorit Baumeister dabei. Sie hat die Idee mit angeschoben. „Wir möchten die Innenstadt damit nachhaltig beleben“, sagt die Architektin. „Wir werden sehen, ob der Testladen ein möglicher Hebel dafür wäre.“ Umso praktischer, dass der Start genau in die Zeit des „Boulevard“-Projektes fällt. Denn ab kommenden Montag soll sich die Kirchstraße in eine Einkaufs- und Schlemmermeile verwandeln. „Die Projekte sind unabhängig voneinander, aber sie ergänzen sich natürlich wunderbar“, so Dorit Baumeister. Was für den Erfolg aber vor allem nötig ist: „Leute, die das Angebot auch annehmen“, sagt die Citymanagerin. „Jeder wünscht sich eine belebte Innenstadt, aber dafür muss man selber auch etwas tun.“ Monique van Nulands „Café mit Kunst“ soll den Besuchern in den frühen Abendstunden Entspannung, Genuss und Unterhaltung bieten.

In dem kleinen neuen Café gibt es neben frischen Crepés und allerlei Getränken auch Kunst zu bestaunen. Die Malerin Birgit Modler zeigt ihre landschaftlichen Kunstwerke. Die Bilder hängen schon an der Wand, versprühen erstes Frankreich-Flair. Doch bis zur Eröffnung am Montag hat Monique van Nuland noch viel um die Ohren. Seit fast zwei Jahren betreibt sie das Hofcafé in Bröthen. „Das kann ich jetzt ja nicht einfach schließen“, sagt sie. Trotz der doppelten Belastung wagt sie den Versuch. „Aus Neugier“, wie die Straßgräbchenerin sagt.

Sollte das Projekt gut ankommen, würde die Stadt gerne noch mehr „Testläden“ anbieten. „Aber dafür brauchen wir die passenden Partner“, sagt Franziska Tennhardt. Leerstehende Läden gebe es ja durchaus. Ohne Unterstützung der Eigentümer würde das Projekt jedoch nicht funktionieren. Am effektivsten, so Dorit Burmeister, wären Gastronomen, die sich ausprobieren möchten. „Das ist es doch, was die Städte abends belebt“, sagt sie. „Beleben“ möchte nun erst einmal Monique van Nuland den Fließhof. Mit dem Duft frischer Crépes, dem süßen Klang französischer Melodien und vielen Menschen, die das genießen möchten.

Monique van Nuland traut sich und füllt den leerstehenden Laden im Hof am Fließ als erste "Test"-Unternehmerin mit Leben - oder besser gesagt mit Crepes und Kunst.
Monique van Nuland traut sich und füllt den leerstehenden Laden im Hof am Fließ als erste "Test"-Unternehmerin mit Leben - oder besser gesagt mit Crepes und Kunst. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau