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| 17:41 Uhr

Digitale Bildung
Der Schul-Manager fürs Handy

Das Foucault-Gymnasium hat eine neue App. Entwickelt wurde sie unter anderem von den Schülern Kai Knobloch (l.), Lukas Kohfeldt und Niklas Vlach (r.). Die App kann kostenlos auf das Smartphone geladen werden.
Das Foucault-Gymnasium hat eine neue App. Entwickelt wurde sie unter anderem von den Schülern Kai Knobloch (l.), Lukas Kohfeldt und Niklas Vlach (r.). Die App kann kostenlos auf das Smartphone geladen werden. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Schüler des Hoyerswerdaer Foucault-Gymnasiums haben eine eigene App entwickelt. Die Schulleitung setzt auf digitale Bildung. Von Anja Hummel

Es ist ein ganz normaler Freitag am Hoyerswerdaer Léon-Foucault-Gymnasium: Während sich der Achtklässler fragt, ob sein Klassenlehrer am Montag wohl wieder fit ist oder womöglich die erste Stunde ausfällt, möchte der Schulleiter gerne wissen, in welchem Raum sein Kollege nach der großen Pause anzutreffen ist. Eine Mutter wundert sich wiederum, wann genau ihr Sohn wohl Unterrichtsschluss hat und sie sich zum Abholen in Richtung Schule aufmachen kann.

Drei Menschen, drei Fragen. Alle möchten eine schnelle Antwort. Und seit Kurzem bekommen sie die auch. Zu verdanken ist das einer Projektgruppe aus acht Foucault-Gymnasiasten und ihrem Lehrer Ulf Schölzel. Gemeinsam haben sie im vergangenen Schuljahr eine App für das Smartphone entwickelt. Der Name: „Foucault-Manager“. Und genau dieser Name ist Programm. „Jeder Schüler kann seinen kompletten Stundenplan aufrufen, Ausfall oder Vertretungsstunden werden angezeigt. Auf der Startseite stehen außerdem alle Neuigkeiten der Schule“, erklärt Niklas Vlach. Der 18-Jährige ist ein „begeisterter Programmierer“, wie ihn Projektleiter Ulf Schölzel bezeichnet. „Die Schüler haben die Idee einer vorherigen Version aufgegriffen und die App weiterentwickelt“, erzählt der Mathe- und Infolehrer stolz. Nicht nur für die Gymnasiasten ist diese App eine große Hilfe. „Auch Eltern können live reinschauen und sehen, wo ihr Kind gerade ist, ob es eine Ausfallstunde hat oder nicht“, beschreibt es Schulleiter Uwe Blazejczyk. „Das gibt ein Stück Sicherheit“, betont er. Öfter gebe es im Sekretariat telefonische Nachfragen zu den Stundenplänen.

Einen eher außergewöhnlichen Anruf hat der Schulleiter kürzlich erhalten. Als Uwe Blazejczyk den Hörer abnimmt, war plötzlich ein Apple-Mitarbeiter aus dem US-amerikanischen Kalifornien am anderen Ende der Leitung. „Für die Anmeldung der App mussten wir uns als Bildungseinrichtung ausweisen“, so der Schulleiter. Das sei nicht ganz unkompliziert gewesen. Doch es hat sich gelohnt. Mittlerweile nutzen etwa 300 Schüler, Lehrer und Eltern die App. Etwa 700 Schüler insgesamt besuchen das Foucault-Gymnasium. Zwölftklässler Niklas möchte die App unbedingt weiterentwickeln. „Ich plane zum Beispiel eine E-Mail-Funktion einzubinden.“

Nicht nur Niklas strebt nach digitalem Fortschritt. „Perspektivisch werden wir im Unterricht nicht mit Schulbüchern, sondern mit Tablets arbeiten“, verrät Schulleiter Uwe Blazejczyk, der sich ganz klar für individuelles digitales Lernen ausspricht. „Wir müssen die Realität außen wahrnehmen und darauf reagieren“, so Blazejczyk. Ziel sind einheitliche Geräte, die den Schülern zur Verfügung gestellt werden sollen, so wie es in der Mathematik die Taschenrechner sind. Mit W-Lan-Points, interaktiven Tafeln und einigen Tablets ist das Gymnasium längst ausgestattet. Im Unterricht allerdings ist die Handynutzung per se nicht erlaubt. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel: „Im Englischunterricht benutzen wir eine Quiz-App. Damit lassen sich die Vokabeln viel einfacher lernen“, erzählt Niklas. Schulleiter Blazejczyk nickt. Das Smart­phone sei schlicht und ergreifend Teil der digitalen Bildung. „Es prinzipiell zu verbieten, ist kontraproduktiv.“ Das sieht Niklas genauso. Dank seiner Arbeit am „Foucault-Manager“ weiß der Hoyerswerdaer Schüler schon jetzt: „Ich werde nach dem Abi Informatik studieren.“