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| 17:12 Uhr

Gemeinsames Projekt von Grundschule und Gymnasium
Forschergeist im Schneckenland

Ganz genau untersuchen Branko und Lukas, wie die Weinbergschnecken aufgebaut sind - unterstützt von Klassenleiterin Kristine Friedrich und dem Gymnasiast Alexander Chlebowski (l.)..
Ganz genau untersuchen Branko und Lukas, wie die Weinbergschnecken aufgebaut sind - unterstützt von Klassenleiterin Kristine Friedrich und dem Gymnasiast Alexander Chlebowski (l.).. FOTO: LR / Catrin Würz
Hoyerswerda. Hoyerswerdaer Grundschüler und Gymnasiasten untersuchen einmal pro Jahr eine geschützte Population aus Weinbergschnecken.

In unendlich langsamem Zeitlupentempo kriecht die Weinbergschnecke mit ihrem Haus über Brankos Handrücken. Der Achtjährige findet es kein bisschen eklig, dass das Weichtier dort eine leichte Schleimspur hinterlässt. „Wir wissen ja jetzt auch, warum die Schnecken den Schleim absondern. Um sich zu schützen“, sagt der Zweitklässler stolz und hält sich seine Hand mit der Schnecke dicht vor die Augen, um alle Merkmale genau erkennen zu können: das Atemloch, die Augen, die Fühler.

Branko und seine Mitschüler aus der 2. Klasse der Grundschule „Am Park“ sind an diesem Schultag hinter dem Hoyerswerdaer Gondelteich als Forscher unterwegs. Beim Projektunterricht im Freien erkunden sie, wie viele Schnecken sie auf dem Areal finden, wie die Weichtiere aufgebaut sind, wie sie leben und was sie gern essen. „Zum Beispiel Salat und Gurke“, bestätigt Lukas. Das Experiment dazu hat ihm der Gymnasiast Alexander Chlebowski aus der 8c des Foucault-Gymnasiums gezeigt. Der Achtklässler setzt die Weinbergschnecke auf eine Glasplatte genau in die Mitte zwischen Salatblatt, Gurkenraspel und einem Mehl-Zucker-Wasser-Brei. Die Schnecke hat sich schnell entschieden, was für sie anstrebenswert ist: „Natürlich das Salatblatt“, bestätigen Branko und Lukas. Kurz zuvor hatten die Zweitklässler an einer anderen Station mit großen Augen gesehen, wie eine Schnecke über die scharfe Schneide eines Messers gekrochen ist, ohne sich zu verletzen - geschützt durch den Schleim.

Den Projektunterricht im Freien finden alle Schüler „cool“. Seit vier Jahren arbeiten Schüler des Leon-Foucault-Gymnasiums und der Grundschule „Am Park“ in ihrem gemeinsamen Schnecken-Projekt zusammen. „Angefangen hatte alles, als 2014 eine bedrohte Population von Weinbergschnecken aus der Altstadt umgesiedelt werden musste“, erklärt Biologielehrerin Daniela Jatzwauk. Damals wurden mehrere Hundert Weinbergschnecken von einem heute als Bauland genutzten Gelände an der Kolpingstraße auf eine große Grünfläche hinterm Lausitzbad gebracht. „Seitdem beobachten wir, wie sich die Schneckenpopulation dort entwickelt und melden das an das Naturkundemuseum in Görlitz“, erklärt Daniela Jatzwauk. Im Biologieunterricht bereiten ihre Achtklässler jeweils ein Forscherhandbuch mit Aufgaben für die Grundschüler vor und bereiten Stationen für die kleinen Forscher vor. Dabei lernen auch die „Großen“ etwas über die Natur ihrer Heimat - und übernehmen Verantwortung für Jüngere. Daniela Jatzwauk: „Auch das ist wichtig an dem Projekt.“

Eine Weinbergschnecke auf der Hand.
Eine Weinbergschnecke auf der Hand. FOTO: LR / Catrin Würz