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| 17:14 Uhr

Landwirtschaft
„Die Hoffnung stirbt zuletzt“

Claudia Mönch ist die Geschäftsführerin der Landwirtschafts GmbH Bergen-Bluno.
Claudia Mönch ist die Geschäftsführerin der Landwirtschafts GmbH Bergen-Bluno. FOTO: LR / Sascha Klein
Bergen-Bluno. Auch bei den hiesigen landwirtschaftlichen Betrieben hat  die Dürre Spuren hinterlassen. Die RUNDSCHAU hat darüber mit Claudia Mönch, Geschäftsführerin der Landwirtschafts GmbH Bergen-Bluno gesprochen. Von Rainer Könen


Was ist Ihnen in diesem Sommer angesichts der staubtrockenen Felder mitunter durch den Kopf gegangen?

Claudia Mönch Gut, dass wir kein Milchvieh mehr zu versorgen haben. Das hätte uns den Todesstoß versetzt.

Die Dürre, ist sie ein deutliches Zeichen des Klimawandels?

Mönch Eher ja als nein.

Gegen Dürreschäden sind die meisten Landwirte nicht versichert, weil die Versicherungsprämien viel zu hoch sind. Wird sich das in naher Zukunft verändern? Denn schließlich soll es auch in der Region noch trockener werden.

Mönch An dieser Art von Absicherung für uns Landwirte, die unter freiem Himmel und mit Tieren arbeiten, wird bereits seit Jahrzehnten herumgedoktert. Das Ergebnis kennen wir. Ja, es ist viel zu teuer und die bisherigen Modelle werden nicht funktionieren, weil die Anzahl derer, die sich damit absichern wollen, zu klein ist, als dass es sich wirtschaftlich rechnen lässt. Hier hilft nur eine staatliche Zulage, wie es bereits in einigen anderen Ländern Usus ist. Ich befürchte, dass sich da politisch nicht viel bewegen wird. Eher wird die Landwirtschaft geopfert. Sie sehen ja bereits an unserem Betrieb, wo die Reise hingeht. Tiere weg, Agrarumweltmaßnahmen, weil gewünscht und sie mehr schlecht als recht gefördert werden. Keine landwirtschaftliche Kultur rechnet sich bei uns wirklich. Durch die Zunahme der trockenen heißen Jahre verschärft sich dieser Umstand bei uns noch.

Wohin soll das alles führen?

Mönch Wenn immer mehr Landwirte ihre Betriebe aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben, auch weil sie von der Politik nicht mehr unterstützt werden, werden die Rohstoff-Importe für die Nahrungsmittelproduktion und in diesem Zusammenhang auch die Preise für die Nahrungsmittel steigen.

Nach der Dürre kommt der Frost. Welche Auswirkungen hat das auf die Ernte im kommenden Jahr?

Mönch Geschwächte Pflanzen sind nicht gerade tolerant gegenüber Frost und dieser wiederum kann tiefer in den Boden eindringen.

Wie ist denn die Lage in Ihrem Betrieb?

Mönch Die Verluste im Pflanzenbau liegen bei etwa 40 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der letzten Jahre. Das Futter für unsere Mutterkühe reicht noch, wird aber knapp werden. Notschlachtungen gibt es bei uns nicht. Teilweise gibt es bereits erste Ausfälle nach der Aussaat der neuen Winterkulturen. Damit gehen wir bereits ungünstig ins neue Jahr. Die Folgen von Futtermangel und Futterqualitäten werden sich erst später aufzeigen.

Mit der Natur zu arbeiten, heißt ja auch mit ihren Widrigkeiten umzugehen. Wie reagiert man in Ihrem Betrieb auf die kommenden Jahre, in denen sicher eines dauerhaft ausbleiben wird: genügend Regen.

Mönch Nun ja, die Hoffnung stirbt ja, wie Sie wissen, zuletzt. Und der Glaube meiner Pflanzenbauer an feuchtere Jahre ist irgendwie unerschütterlich. Es gibt halt nicht viel, was man in der Produktion, im Anbau anders machen kann. Klar, generell den Boden wassersparend bearbeiten, noch mehr auf Winterkulturen setzen, die im Wassermanagement etwas günstiger sind. Auf andere Sorten zu setzen, das war allerdings schon in der Vergangenheit nicht besonders erfolgreich. Sicher gilt es auch, die eigenen Geschäftsmodelle zu hinterfragen und anzupassen. Das läuft sicher darauf hinaus, dass die Landwirtschaft nicht mehr die Priorität haben wird, die Wertschöpfung aus anderen Standbeinen bezogen werden muss. Wie zäh und schwierig dieser Prozess ist, können wir ja derzeit sehr gut beschreiben. Die Gesellschaft muss sich überlegen, wie viel es wert ist, die Landwirtschaft zu erhalten und was Nachhaltigkeit wirklich bedeutet.

Kann man in der Landwirtschaft etwas gegen den Klimawandel unternehmen?

Mönch Nein, sicher nicht.