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| 01:04 Uhr

Flut ab für die Seenland-Drehscheibe

Klein Partwitz.. Mit seinen schiffbaren Verbindungen zum Geierswalder, Sedlitzer und Blunoer See wird der Partwitzer See zu einer besonderen Perle in der Tourismusregion Lausitz entwickelt. Und die Drehscheibe der Seenkette kommt seit gestern ungebremst zu ihrem endgültigen Wasserstand. Sanierungsbereichsleiter Manfred Kolba drückte dafür das nötige Knöpfchen. Von Kathleen Weser

Die Wasserhaltung am Restloch Skado ist Geschichte. Ein Vierteljahrhundert liefen die Kreisel- und Söffelpumpen rund um die Uhr, um das aufsteigende Nass aus dem Grund auf stabilem Level zu halten. 18 Kubikmeter Wasser pro Minute ist in die Rohrleitungen und Gräben der Flusskläranlage Laubusch gedrückt worden. Mit Kalkmilch wurde das saure und eisenbelastete Nass neutralisiert und in den Erikasee (Restloch Laubusch) geleitet. Die Bergleute und Sanierer mussten es loswerden. Erst um die Kohle zu bergen, dann um den gigantischen Sandtrichter für die Nachnutzung als See sicher zu machen.
Der geotechnische Status quo wurde 25 Jahre gehalten. Bis gestern. Mit der Außerbetriebnahme der Anlage, die umgesetzt und im August bei Bluno wieder angefahren werden soll, wird dem nach oben drängenden Grundwasser nun der ungehinderte Auftrieb verschafft. Um gut zehn Meter muss der Wasserspiegel des Partwitzer Sees noch ansteigen.
Mutter Natur wird dabei mit allen technischen Tricks unterstützt. In rasantem Tempo werden die künstlichen Riesenbadewannen des Lausitzer Seenlandes gefüllt. Das Restloch Skado soll im nächsten Jahr zusätzlich mit Oberflächenwasser aus der Schwarzen Elster sowie durch Überleitung von Wasser durch die Restlöcher Koschen und Spreetal/Bluno gespeist werden. „Das Wirtschaftsministerium des Freistaates Sachsen prüft gegenwärtig außerdem, ob hinter dem Reiterhof Klein Partwitz ein weiterer Überleiter mit Schleuse entstehen kann“ , erklärte Kolba.
Bis sich die Drehscheibe der Seen kette durch Menschenhand befördert zu einem Wassersport- und Naturparadies regeneriert hat, gehen noch viele Jahre ins Land. Doch intensiv wird bereits an Zwischennutzungen auch für den Partwitzer See gearbeitet, versichert der Brandenburger Sanierungsbereichsleiter. Auf den Stuhl rückte Manfred Kolba übrigens mit dem Ersten des Monats auf. Sein Vorgänger, Walter Karge, wurde in den Vorruhestand verabschiedet. Die Früchte seiner langjährigen Arbeit kann er schon bald genießen. Beispielsweise am Badestrand im Herzen des Seenlandes. Strandbereiche am Partwitzer See sollen schon im kommenden Jahr entstehen. Geo- und Hydrologen forschen auf Hochtouren, um den Versauerungsprozess durch schwefelhaltige Verbindungen aufzuhalten, die aus der Kippe gespült werden. Deshalb muss zügig Fremdwasser zugeführt werden. Denn wenn der Spiegel im Tagebaurestloch schneller ansteigt als das Grundwasser im Umfeld, können di e für die Qualität gefährlichen Pyrit- und Markasit-Verbindungen nicht austreten. Somit wird das biogene Selbsterhaltungsniveau fixer erreicht, erklären die Experten.
Die Inseln im Restsee werden zum Bedauern der heimischen Vogelkundler vom Wasser überspült. Spezialisten werden die Bäume, die wild in die Höhe geschossen sind, vom Ponton aus ziehen. Drei Meter über ihren Wipfeln würde sich in ein paar Jahren die Sonne auf dem See spiegeln. „Die Bäume müssen entfernt werden, damit sich die Badegäste und Wassersportler beim Sprung ins Nass später nicht verletzen können“ , erklärte Manfred Kolba.

Hintergrund Wasserhaltung über ein Vierteljahrhundert
 Mit den vorbereitenden Arbeiten zum Aufschluss des Tagebaus Skado wurde 1939 auch mit der Grundwasserhebung begonnen, um das schwarze Gold technisch abbauen zu können. Ausgekohlt war das Terrain 1977. Nach etwa 240 Millionen Tonnen geförderter Braunkohle wurde der Tagebau stillgelegt. Durch 2000 Hektar Land fraßen sich die Bagger. Hinterlassen wurde der Restsee Skado mit 1200 Hektar Fläche. Vor 25 Jahren ist die Wasserhaltung bei einem Füllstand von 94,2 Meter über Normalnull in Betrieb genommen worden.
Dieser Grenzwasserstand musste gehalten werden, um die setzungsfließgefährdeten Uferböschungen im Spreng- und Rütteldruckverdichtungsverfahren zu sichern.