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Flüchtlings-Wohnungen in Steinitz und Litschen

Lohsa. Etwa 50 Einwohner haben am Dienstag den Lohsaer Gemeinderat besucht. Im Fokus der Aufmerksamkeit stand die Anmietung von Wohnungen zur Unterbringung von Asylbewerbern in Litschen und Steinitz. Mandy Decker / mdr1 mdr1

Drei Zweiraum-Wohnungen und damit vermutlich sechs Erwachsene mit ihren Kindern werden voraussichtlich Mitte Februar in Lohsa dezentral untergebracht. Darüber informierten der neue erste Beigeordnete des Landrates, Udo Witschas, und der kommissarische Leiter des Ausländeramtes Lars Eibisch am Abend. Die Wohnungen befinden sich Am Schlossteich in Litschen beziehungsweise in der Bautzener Straße in Steinitz. Des Weiteren ist die ehemalige Grundschule Weißkollm für die Unterbringung von alleinreisenden Minderjährigen vorgesehen. Zu rechnen ist nach groben Schätzungen mit dem Einzug von etwa 60 Kindern und Jugendlichen, zumeist im Alter von 13 bis 17 Jahren. Dies bedürfe einer Investition von etwa einer Million Euro. Die Förderquote läge bei 90 Prozent. Für laufende Kosten bis zur Übernahme des Gebäudes, beispielsweise für die laufende 24-Stunden-Bewachung, werde die Gemeinde vollständig entschädigt.

Wie Witschas erklärte, werde sich die derzeit entspannte Zuweisungsquote in den Landkreis von knapp 50 Personen ab der fünften Kalenderwoche wieder auf etwa 80 Asylsuchende pro Woche erhöhen. Durchschnittlich wird für das kommende Jahr wöchentlich mit 150 Menschen gerechnet. Anfang April werden eine Reihe weiterer Unterkünfte mit etwa 2500 Plätzen zur Verfügung stehen, die im Wesentlichen aber nur fehlende Kapazitäten ausgleichen. Schon Ende April sei der schmale Puffer von 699 Plätzen aller Voraussicht nach aufgebraucht. Unterkünfte mit weiteren 4000 Plätzen würden daher derzeit auf ihre Eignung geprüft. Eine verbindliche Zusage, dass keine weiteren Zuweisungen nach Lohsa erfolgen, sei daher unmöglich, so Witschas.

Mit der Zurverfügungstellung von kommunalem Wohnraum wirkt die Gemeinde pflichtgemäß zur Unterbringung von Asylbewerbern mit. In den Wohnungen werden ausschließlich Familien mit Kindern untergebracht. Außerdem sagte der Beigeordnete den Gemeindevertretern für die Grundschule Weißkollm die vertragsmäßige Gewährung eines Vorkaufrechtes im Falle der Wiederveräußerung zu.

Kinder, die in der Gemeinde Lohsa untergebracht würden, werden nicht separat zur Schule gebracht, antwortete Witschas auf eine Nachfrage. Sie hätten den Weg nach einer Einweisung in den Schulbusverkehr wie die anderen Kinder auch allein zu bewältigen. Weitere Wortmeldungen betrafen die Befürchtung, dass junge Erwachsene mit krimineller Energie sich die Unterbringung im Kinder- und Jugendheim erschleichen und die Polizei gegebenenfalls erst nach 25 Minuten vor Ort sein könnte.

Witschas gab zu bedenken, dass Kindern anderer Nationalität nicht mehr Lärm zu unterstellen sei als deutschen Kindern. Auch würden die Familien selbst oft mit Angst aus ihrem sozialen Umfeld in den Asylbewerberheimen in die dezentrale Unterbringung im ländlichen Raum gehen.

Der Litschener Ortschafts- und Gemeinderat Udo Steglich (Die Linke) lobte die Entscheidung für Familien und signalisierte den Wunsch des Ortschaftrates, die Asylbewerber schnell in das örtliche Leben einzubeziehen. Witschas sagte den Einwohnern der betroffenen Ortsteile jeweils separate Einwohnerversammlungen zum Thema zu.

Zum Thema:
Mit Stichtag 5. Januar lebten 143 unbegleitete ausländische Kinder und Jugendliche im Landkreis Bautzen. Mindestens 100 weitere Plätze fehlen in der nahen Zukunft. Das Landratsamt sucht daher ausdrücklich auch nach Gastgebern. Geeignet sind Familien, Lebensgemeinschaften und Einzelpersonen mit einem stabilen sozialen Netzwerk und Toleranz gegenüber fremden Kulturen. Bei den Minderjährigen handelt es sich überwiegend um Jungen zwischen 13 und 17 Jahren. Die minderjährigen Flüchtlinge bekommen einen Vormund und werden sozialpädagogisch betreut. Fragen und Terminwünsche können an die Adresse pflegekinderdienst@lra-bautzen.de gerichtet werden. mdr1