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| 16:41 Uhr

„Floris“ Hausmeister-Service
Er steigt für seine Mädels auf die Leiter

 Alle nennen ihn „Flori“. Den richtigen Namen von Hans-Jürgen Sandeck (63) kennt fast niemand. Sein Hausmeister-Service ist eine Dienstleistung der Lebensräume Hoyerswerda.
Alle nennen ihn „Flori“. Den richtigen Namen von Hans-Jürgen Sandeck (63) kennt fast niemand. Sein Hausmeister-Service ist eine Dienstleistung der Lebensräume Hoyerswerda. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Wenn Hans-Jürgen Sandeck zu den Mietern gerufen wird, sind handwerkliche Fähigkeiten und ein nettes Gespräch gefragt. Von Rita Seyfert

Nein, nicht der Ex von Helene! „Flori“, so heißt der Hausmeister-Service der Wohnungsgenossenschaft Lebensräume Hoyerswerda. „In kleinen Sachen einfach der Größte“, so wirbt das Unternehmen für seine Hausmeisterdienste. Immerhin, das dazugehörige Maskottchen im Blaumann mit dem knallgelben Blütenkranz verspricht neben einem sonnigen Gemüt auch Handwerker-Qualitäten.

Dahinter steckt Hans-Jürgen Sandeck (63), ein silberhaariger Herr mit zwei rechten Händen und mindestens einem grünen Daumen. „Ich helfe bei den ganz alltäglichen Problemen im Haushalt“, sagt er. Vom neuen WC-Sitz über die Lampe bis zum Spiegelschrank, Flori montiert alles – und noch mehr.

 Gunda Schmuhl (80) nimmt Floris Dienste gern in Anspruch - hier repariert er die Gardinenstange.
Gunda Schmuhl (80) nimmt Floris Dienste gern in Anspruch - hier repariert er die Gardinenstange. FOTO: LR / Rita Seyfert

Dieser Mann ist multitaskingfähig. So nennt man die Eigenschaft, die sonst nur das „schwache Geschlecht“ perfekt beherrscht: Flori bewältigt mehrere Aufgaben gleichzeitig. „Ich kann mich beim Arbeiten unterhalten“, sagt er. Während er mit dem Schraubenschlüssel auf der Leiter steht, plaudert er, hört verständnisvoll zu oder gibt auch mal den einen oder anderen Ratschlag. „Natürlich bin ich immer diskret“, sagt er.

Die Idee für dieses Dienstleistungsangebot wurde aus der Nachfrage heraus geboren. Immer wieder verlangten Mieter nach einem Hausmeister, der bei den kleinen, handwerklichen Tätigkeiten des Alltags hilft. Gerade die älteren Herrschaften der Altersklasse 60-plus sind überfordert, wenn sie auf eine Leiter steigen sollen.

 Wenn er nicht für Mieter im Einsatz ist, kontrolliert „Flori“ auch die Spielplätze der Lebensräume.
Wenn er nicht für Mieter im Einsatz ist, kontrolliert „Flori“ auch die Spielplätze der Lebensräume. FOTO: LR / Rita Seyfert

Mitunter wüssten aber auch die jüngeren Männer nicht, wie man eine Bohrmaschine bedient. Klar, für größere Reparaturen sind weiterhin die verantwortlichen Gewerke zuständig. Doch für kleinere Handwerksarbeiten wären die Hauswarte und Fachfirmen die falschen Ansprechpartner.

Inzwischen greift eine feste Stammkundschaft auf Floris Hausmeister-Dienst zurück. Allein 2018 wurde Hans-Jürgen Sandeck von 90 verschiedenen Mietern gerufen. Eine davon ist Gunda Schmuhl (80): „Immer wenn ich Gardinen wasche, nimmt Flori die mir vormittags ab und hängt sie nachmittags wieder auf“, erzählt sie. Denn in ihrem Alter auf die Leiter steigen, das gehe einfach nicht mehr.

Mehrmals rückte er schon bei der betagten Dame an. So brachte er beispielsweise die Rolladen an, reparierte die ausgebrochene Schranktür im Schlafzimmer oder versetzte den Spiegelschrank nach unten, damit sie nicht mehr jedesmal auf die Fußbank steigen muss. Oder als sie sich entschloss, ihre Blumentöpfe aufs Fensterbrett zu stellen, versetzte er die Gardinenstangen um ein paar Zentimeter. Und wenn Gunda Schmuhl verreist, dann drückt sie Floris ihre Wohnungsschlüssel in die Hand. „Er leert den Briefkasten, gießt die Blumen und lüftet die Wohnung.“

Ein großer Vertrauensbeweis: „Ich bin ja im Grunde ein Fremder für die Mieter“, sagt Hans-Jürgen Sandeck. Eine Dame schreibe sogar Zettel mit Hinweisen, welche Pflanzen er viel, wenig oder von oben oder unten gießen soll. Doch seinen bürgerlichen Namen kennen viele nicht. „Hallo, Flori“, so würden ihn meistens die Passanten unterwegs begrüßen, wenn er beispielsweise am Wochenende im Lausitz-Center einkaufen geht.

Kostendeckend ist das Service-Angebot nicht unbedingt. Für die erbrachten Leistungen werden pro Stunde zehn Euro fällig. Natürlich gebe es auch Pfennigfuchser, die sparen wollen. Einmal sollte er beispielsweise eine Anbauwand im Wert von 8000 Euro aufbauen: „Aber dafür bin ich nicht da.“

Neben der handwerklichen Hilfestellung steht für Flori der soziale Austausch im Vordergrund. Viele Senioren sind einsam, einige dement, selten leidet auch jemand am Messi-Syndrom. „Durch den Reparatur-Service bekommen wir mit, wo eventuell noch andere Hilfsangebote nötig sind.“

So viel steht fest, „seine Mädels“, wie Flori seine Stammkundinnen nennt, sind froh, dass es ihn gibt. Eins dürften der Verflossene der Fischer und Flori alias Hans-Jürgen Sandeck jedenfalls gemeinsam haben: Beide besitzen das Zeug zum Schwiegermutter-Liebling.