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Fliegen ohne abzuheben

Jörg Mannl sitzt im Air-Trike-Simulator. Air Trikes sind Ultraleichtflugzeuge, bei denen die Steuerung durch Gewichtsverlagerung erfolgt.
Jörg Mannl sitzt im Air-Trike-Simulator. Air Trikes sind Ultraleichtflugzeuge, bei denen die Steuerung durch Gewichtsverlagerung erfolgt. FOTO: Silke Halpick
Pinnow. Den vermutlich weltweit einzigen Air-Trike-Simulator hat der IT-Spezialist Jörg Mannl aus Pinnow (Gemeinde Schenkendöbern) entwickelt. Nun wartet der Unternehmer auf den wirtschaftlichen Durchbruch. Silke Halpick

Einsatzmöglichkeiten sieht er vor allem bei Ultraleichtflugzeug-Herstellern sowie bei Hobbypiloten.

Der Pinnower sitzt in einer Original-Air-Trike-Gondel. Auf dem Monitor vor ihm ist Sachsens Hauptstadt Dresden zu sehen. Mit einer Geschwindigkeit von 50 Knoten (93 km/h) fliegt er in 650 Metern Höhe über die Elbe und dreht links ein, um die Frauenkirche zu umrunden. Dazu muss er die Steuerstange mit seinem Eigengewicht nach rechts schieben. "Der Pilot muss immer genau entgegengesetzt der Richtung lenken, in die er fliegen will", erklärt Mannl. Das sei zum Anfang schwierig und erfordere Übung.

Das Training am Air-Trike-Simulator hat Mannl zufolge mehrere Vorteile. Es ist vollkommen ungefährlich für den Piloten. Selbst im Fall eines Unfalls entsteht kein teurer Materialschaden. Und die Trainingseinheiten können unabhängig von der aktuellen Wetterlage durchgeführt werden. "Bei den Flugschulen fällt ein Großteil der Flugstunden wegen schlechter Witterungsbedingungen aus", sagt Mannl.

Rund 200 Arbeitsstunden stecken in dem vom ihm entwickelten Simulator, der die Flugbedingungen im Air-Trike so "realitätsnah wie möglich" nachstellen soll. Selbst Wind- und Motorgeräusche sind beim virtuellen Flug zu hören. Aktuell wird daran gearbeitet, die Steuerstange noch schwergängiger zu machen - so wie bei einem echten Air-Trike. Auch an den Einbau eines Lautsprechers unter dem Pilotensitz, der das Vibrieren des Motors während des Fluges nachstellt, denkt der Konstrukteur.

Seinen Praxistest hat der Air-Trike-Simulator bereits auf zahlreichen Flugplatzfesten sowie bei Firmenfeiern bestanden. "Vor allem Kinder gehen ganz unbeschwert mit der Technik um", erzählt Mannl. Die Erfahrungen der Testpiloten nutzt er, um das System weiter zu optimieren.

Die virtuellen Rundflüge sind praktisch über allen Regionen Ostdeutschlands möglich. Die Navigation läuft auf einem externen Handy. Mit einem Desktop-Flugsimulator, der mit drei Displays für den Halb-Panorama-Blick sowie Steuerhorn oder Joystick ausgestattet ist, können auch Rundflüge mit einer kleinmotorigen Maschine nachgestellt werden.

Mit dem aktuellen Entwicklungsstand des Flugsimulators ist Jörg Mannl vollauf zufrieden. Nun will er das Projekt den Herstellern von Ultraleichtflugzeugen vorstellen. Circa zehn Leichtflugzeug-Produzenten gebe es in Deutschland, sagt er. Die ersten Kontakte seien erfolgversprechend verlaufen. Als Zielgruppe kommen aber auch Flugschulen, Hobbypiloten oder Museen mit technischem Profil infrage.

Seinen Lebensunterhalt verdient der Pinnower allerdings mit der Betreuung von EDV-Technik in medizinischen Praxen in ganz Deutschland. "Die meisten Kunden bekommen wir gar nicht zu Gesicht", erzählt er. Die Reparatur und Wartung erfolgt mittels Fernwartungssystem direkt von Pinnow aus. Ob aus dem Air-Trike-Simulator ein zweiter Geschäftsbereich wird, bleibt zunächst abzuwarten.