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| 18:30 Uhr

Hitzewelle
Flaschenmangel sorgt für Abfüllstau

Lukas aus Königswartha bringt ordentlich viele Wasserflaschen zurück. Die meisten haben seine Eltern ausgetrunken, er trinkt nur „manchmal“ Wasser.
Lukas aus Königswartha bringt ordentlich viele Wasserflaschen zurück. Die meisten haben seine Eltern ausgetrunken, er trinkt nur „manchmal“ Wasser. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Leergut ist zur Hitzezeit gefragt wie selten. Vor einem Wasserdefizit muss sich aber niemand fürchten. Von Anja Hummel und Jan Augustin

„Wenn man viel trinkt, dann sammelt sich nun mal auch viel an.“ So simpel ist das, sagt Margit Ziesch, die mit ihrem Sohn Lukas Dutzende leere Wasserflaschen im Einkaufswagen über den Kaufland-Parkplatz schiebt. Aus Königswartha kommen sie, sind eher zufällig im Hoyerswerdaer Großmarkt gelandet. „Einmal im Monat schaffen wir die Flaschen weg“, erzählt Margit Ziesch. Der kleine Lukas hilft eifrig, schiebt den Wagen, trinkt selber aber „nur manchmal“ Wasser. Bis jetzt hatte die Familie noch keine Probleme, an Nachschub zu kommen.

Zwei Senioren, die ihren Getränkeeinkauf schon hinter sich haben, erzählen anderes: Das favorisierte Bad Liebenwerdaer Wasser aus der Glasflasche gebe es schon seit einer Woche nicht, dafür herrsche aber wenigstens kein Biermangel. Ein anderer Herr hat reichlich Wasser in Plasteflaschen „vorgekauft“. „Ich habe schon in der letzten Woche das Auto vollgepackt. Das Wasser wird ja nicht schlecht“, sagt der Hoyerswerdaer Rentner.

Wer in diesen Tagen einen Blick in die Getränkeregale der Großwarenhändler riskiert, wird schnell feststellen: Wo normalerweise eine Flasche die nächste berührt, klaffen hier und da auffällige Lücken.

Und so schaut der Einzelhandel mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Hitzewelle. Einerseits erhöht sich der Getränke-Umsatz um bis zu 20 Prozent. Andererseits schimpfen Kunden, dass sie ihr gewohntes Mineralwasser nicht immer im Angebot finden. Das ergab eine nicht-repräsentative Umfrage bei Lausitzer Händlern. Demnach gibt es zwei Hauptgründe für Engpässe: Erstens bekommen die Hersteller aufgrund von Vorratskäufen zu wenig Leergut zurück. Zweitens gibt es in Deutschland aktuell einen Mangel an Kohlendioxid, erklärt Jan Radke von den Rewe-Märkten in Senftenberg und Lübbenau. „Die Hersteller können uns teilweise nicht beliefern“, bedauert er. Ähnlich sieht es im Lauchhammeraner Marktkauf aus, bestätigt Leiter Mirko Buhr. Am häufigsten gehe Wasser mit Kohlensäure über den Kassentisch. Bier sei auch beliebt. Von der Kaufland-Pressestelle war auf RUNDSCHAU-Nachfrage nur zu erfahren, dass „wir durch unser sehr großes Sortiment auch bei diesen hochsommerlichen Temperaturen ein ausreichendes Angebot bereitstellen können“.

Das kann auch die Stadtbrauerei in Wittichenau garantieren. Aber: „Wir freuen uns über jeden Kasten, der zurückkommt“, gesteht Brauereichef Stefan Glaab. Gerade so über die Runden kommen sie mit dem vorhandenen Leergut, im Sommer sei der Absatz doppelt so hoch wie im Winter. Alle 14 Tage wird abgefüllt, bis zu 56 000 Flaschen sind drin. „Man merkt schon, dass bei den derzeitigen Temperaturen am Tag eher leichtere Produkte gefragt sind“, sagt Stefan Glaab. Vor allem bei Biermischgetränken jeglicher Art wird während der Hitzewelle zugegriffen. „Durch die Vielfalt hat jeder ein paar Flaschen von verschiedenen Sorten zu Hause. Dann wird das Leergut erst gesammelt bis es zurückgebracht wird“, vermutet Glaab. Um die Situation bei den Abfüllbetrieben zu entlasten, wäre es aber gut, wenn das Leergut schnellstmöglich zurückkommt.

Wer sich bei den jetzigen Temperaturen weder mit dem Wasserengpass herumschlagen möchte, noch Bier verträgt, kann immer noch zum guten alten Leitungswasser zurückgreifen. Oder könnte das bei anhaltender Hitze etwa auch knapp werden? Nein, sagt Peter Matthies vom Wasserverband Lausitz (WAL). „Wassermangel ist nicht zu befürchten. Die Grundwasservorräte sind gut und schier unerschöpflich“, gibt er Entwarnung. Klar aber: Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius verbrauchen Menschen deutlich mehr Wasser. An besonders heißen Tagen verdoppeln sich die Abnahmemengen sogar. Große Teile der Lausitz von Lauchhammer im Westen bis Weißwasser im Osten, von Großräschen im Norden bis Radeberg im Süden werden von zwei Wasserwerken versorgt: von denen in Tettau und in Schwarze Pumpe. Dazu kommt mit weit geringerer Kapazität das Wasserwerk in Zeißig, das die Hoyerswerdaer mit dem nassen Element versorgt. In Skaska bei Bernsdorf befindet sich in zentraler Lage des gesamten Versorgungsgebietes ein großer Trinkwasserspeicher, der die Tagesschwankungen ausgleicht.

Angst vor fehlenden Ressourcen muss trotz Hitzewelle also niemand haben. Doch wer Wasser und Bier aus der Glasflasche bevorzugt, sollte das Leergut nicht allzu lange horten.

Stefan Glaab geht langsam das Leergut aus. Die Kästen im Hintergrund scheinen viel, sind aber gerade mal für eine Tagesabfüllung ausreichend.
Stefan Glaab geht langsam das Leergut aus. Die Kästen im Hintergrund scheinen viel, sind aber gerade mal für eine Tagesabfüllung ausreichend. FOTO: LR / Anja Hummel