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| 22:10 Uhr

Hoyerswerda
Eine Flaniermeile für vier Wochen

Die Kirchstraße soll ab dem 4. Juni viele Gründe bieten einzukaufen.
Die Kirchstraße soll ab dem 4. Juni viele Gründe bieten einzukaufen. FOTO: Sascha Klein / LR
Hoyerswerda. Die Hoyerswerdaer Kirchstraße putzt sich im Juni zu einer ganz besonderen Einkaufsstraße heraus. Von Sascha Klein

Noch sechs Wochen – nur noch sechs Wochen – und die Hoyerswerdaer Kirchstraße verwandelt sich in einen Boulevard. Links und rechts Straßencafés, die Händler bieten ihre Waren und Dienstleistungen nicht nur in den Geschäften an, sondern auch davor. Schaufenster sind schön dekoriert und laden zu einem Besuch ein. Gäste sitzen in bequemen Stühlen und unter Sonnenschirmen. Man sieht sich, man trifft sich, man redet – einfach ein Stück Urlaubsgefühl mitten in einer lebendigen Altstadt. Das ist die Idee der Citymanager Dorit Baumeister und Frank Graumüller.

Jetzt gilt es, dieses Kopfkino in die Realität zu übertragen. Wer am Mittwoch bei sonnigen 22 Grad durch die Altstadt geschlendert ist, bekommt wettertechnisch bereits einen Vorgeschmack, wie sich das zwischen dem 4. Juni und dem 1. Juli anfühlen soll. „Die Grundidee für die Aktion ist vor etwa einem Jahr in einer Brainstorming-Runde entstanden“, sagt Dorit Baumeister, die erst seit wenigen Monaten Citymanagerin ist. So sind die Planungen für den Boulevard Kirchstraße in der Kürze der Zeit aus dem Boden gestampft worden. Viel Zeit haben sie in den vergangenen Monaten nicht gehabt. Nun werden sie – und vor allem die Altstadt-Händler – alles versuchen, um die Gäste vom historischen Zentrum Hoyerswerdas zu überzeugen. Denn, und das sagt Dorit Baumeister auch, es gibt in der Altstadt schon längere Zeit eine schwierige Entwicklung.

Ein wichtiger Punkt bei allen Planungen: Die Kirchstraße soll zwischen dem 4. Juni und dem 1. Juli zur verkehrsberuhigten Zone werden. Autos dürfen trotzdem dort fahren. Sie müssen sich allerdings den kompletten Raum mit Fußgängern und Radlern teilen. Der Fachbegriff für diesen gemeinsamen Raum lautet „Shared Space“. In der Lausitz hat die Stadt Calau bereits Erfahrungen mit diesem Konzept. Der Vorteil, den sich die Citymanager durch den größeren Raum vor allem für Fußgänger versprechen: Es gibt mehr Platz für Händler und Cafés. Einige Kirchstraßen-Anrainer bekommen für ihre Geschäfte noch Raum auf dem Bürgersteig und einige sogar auf der Straße. Das bedeutet: Temporär fallen einige Parkplätze in der Kirchstraße weg und die Autos dürfen nur Schrittgeschwindigkeit fahren.

Zudem sollen weitere Angebote einen Besuch in der Altstadt attraktiver machen. Es wird zwei Pagodenzelte geben – eines auf dem Kirchhof und eines an der Bushaltestelle nahe des Fließes. Am Kirchhof sollen sich Unternehmen einmieten und weitere Angebote machen. Nutzen wollen das unter anderem das Buch- und Musikhaus Sygusch, Kräuter-Meyer sowie das Unternehmen „Träume in Lack“. Im anderen Zelt können Vereine und andere Institutionen auf sich aufmerksam machen, betont Dorit Baumeister. Die Inhaberin des Bröthener Hofcafés, Monique van Nuland, wird zudem die Freifläche am Fließ und ein Ladengeschäft nutzen, um ein weiteres Café-Angebot zu machen. Der Salon Haarschneider plant für den Aktionszeitraum eine Strandbar. Fleischerei Sinapius plant einen „Alt Hoyerswerdaer Biergarten“ und wird dazu auch einen Teil der Straße nutzen. Im Fokus der gesamten Aktion stehe die Kirchstraße, sagt Dorit Baumeister. Sie hofft  jedoch, dass auch die Händler in den anderen Altstadt-Straßen mitmachen und sich besonders engagieren.

Flankiert wird der Boulevard Kirchstraße sowohl vor dem Start als auch zum Finale: Vom 1. bis 3. Juni gibt es den Altstadt-Zauber mit verkaufsoffenem Sonntag. Am 1. Juli findet das 10. Straßentheaterfest der Kulturfabrik statt.

Allerdings soll der Boulevard nicht an sieben Tagen pro Woche stattfinden. Geplant ist, dass er während der normalen Öffnungszeiten, also generell montags bis freitags zwischen 9 und 18 Uhr sowie am Samstagvormittag, seine Angebote unterbreitet. Am Sonntag sind die Läden geschlossen. Ausnahme sind die Restaurants und Cafés, die eh am Sonntag geöffnet haben. Eine Herausforderung in der Altstadt generell: Es gibt verschiedene Öffnungszeiten bei den Händlern:  „Es wäre schön, wenn der eine oder andere seine Öffnungszeiten für diesen Zeitraum ausweitet“, sagt Dorit Baumeister vorsichtig. „Wir wollen jedoch niemandem reinreden.“

Solch ein Projekt kostet natürlich auch Geld. Insgesamt planen die Citymanager mit Kosten in Höhe von etwa 33 000 Euro. Rund 16 000 Euro davon stammen aus dem Förderprogramm „SOP Zentrenbereich Hoyerswerda Altstadt“. Der Rest soll über Sponsoren sowie über Eigenleistung der Altstadt-Händler finanziert werden. Laut Baumeister ist die Finanzierung der Aktion gesichert. Das Ziel des Citymanagements ist es, möglichst viele Gäste und Einheimische im Seenland zu erreichen und zum Einkaufen nach Hoyerswerda zu locken.