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| 12:59 Uhr

Poledance in Hoyerswerda
Fitness für mehr Selbstvertrauen

FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Der Hype um den Sport an der Stange ist längst auch in Hoyerswerda angekommen. Für Frauen ist Poledance nicht nur die perfekte Fitness für einen schöneren Körper, sondern vor allem für größeres Selbstbewusstsein. Von Anja Hummel

Es sieht so einfach aus, als würde es kaum Kraft kosten: Mit dem rechten Bein nimmt Tina Sebastian Schwung, während beide Hände die silberne Stange umfassen. Sie stößt sich mit den Füßen ab, wirft die Beine nach oben und plötzlich hängt sie kopfüber an der Stange. Nicht verkrampft oder angestrengt. Nein, mit einem Lächeln im Gesicht. Sie zeigt ihren neuesten Trick: „Aysha“ heißt die Figur an der Stange. Nur mit den Händen hält sich die 30-Jährige fest, die Beine sind zu einem V gegrätscht, ihre Körperspannung geht bis in die Zehenspitzen.

Tina Sebastian trainiert in Hoyerswerda Poledance – den Tanz mit und an der Stange. Dass es einfach aussieht, hört sie nicht zum ersten Mal. „Der Sport wird oft unterschätzt.“ Das eigene Körpergewicht halten, das erfordert jedoch so einiges an Kraft und Technik. „Aber“, gibt sie gleich Entwarnung, „das kann jeder lernen“. Selber hat die gebürtige Hoyerswerdaerin vor sechs Jahren mit dem Poledance angefangen. Damals arbeitete sie in Leipzig. „Ich hatte Rückenbeschwerden und mir wurde gesagt, ich soll das einfach mal ausprobieren.“ Als „Liebe auf den ersten Blick“ beschreibt die Mutter eines zweijährigen Sohnes ihren ersten Kontakt mit der Stange. Und siehe da: War es am Anfang noch recht „rutschig“, hat sie schon nach kürzester Zeit Fortschritte gemerkt. „Die Rückenprobleme waren weg und ich habe plötzlich Muskeln bekommen“, erinnert sie sich mit einem Lächeln auf den Lippen.

Was ihr auch ein Lächeln ins Gesicht zaubert: ihre Poledance-Kurse in Hoyerswerda. Mittlerweile leitet sie drei davon, hat 18 „Schülerinnen“. Die jüngste ist 20, die älteste Teilnehmerin 42 Jahre alt. „Von Abiturientin bis Mutter ist jeder dabei“, sagt Tina Sebastian. Im Frühjahr hat sie ihre erste Stunde gegeben. „In unserer Wohnung habe ich die Stange nicht untergekriegt“, erzählt sie von ihren Anfängen in Hoyerswerda. Also suchte die zierliche Frau nach einer Trainingsmöglichkeit – zunächst nur für sich selber. „Der Sportclub Hoyerswerda hat mir dann das Okay gegeben.“ Und plötzlich wollten auch andere Frauen mitmachen, „das eine kam zum anderen“. An drei Stangen à drei Meter Höhe werden nun „Diamonds“, „Butterflys“ und Co. trainiert.

FOTO: LR / Anja Hummel

Sandra Weller, selbst beim Sportbund tätig, ist eine der Kursteilnehmerinnen. „Ich habe schon so viel erreicht mit so viel Spaß dabei“, schwärmt sie. Ihre Probleme mit der Armmuskulatur hat sie seitdem im Griff. „Einfach so im Fitnessstudio Gewichte heben, das würde ich nicht machen.“ Für Sandra Weller ist Poledance der perfekte Sport, um Kraft aufzubauen. Nicht nur Muskeln und Ausdauer hat sie seitdem dazugewonnen. „Der Sport verändert auch das Selbstbewusstsein der Frauen“, weiß Tina Sebastian nicht nur von sich selber. Viele Mütter, so sagt sie, haben mit der Zeit einfach das Gefühl des Frauseins verloren. „Beim Tanzen bemerken sie einerseits, dass keiner perfekt ist. Andererseits sehen sie auch Veränderungen an ihrer Figur und stellen fest, wie grazil und elegant sie sich bewegen können“, erzählt die Trainerin. Sich zum ersten Mal an die Stange zu wagen, ja – das erfordere sehr viel mit Mut. Aber wer sich einmal traut, der kann nur gewinnen, ist Tina Sebastian überzeugt. Sie selber lernt immer wieder neue Figuren, schwärmt von der Kreativität, die diese Sportart ermöglicht. „Ich liebe vor allem die Musik dazu.“ Getanzt habe sie schon immer gerne. „Aber mein Mann leider nicht. Da dachte ich mir damals, dann nehme ich halt die Stange“, scherzt sie. Womöglich eine der besten Entscheidungen ihres Lebens. Aktuell gibt sie die Kurse ehrenamtlich. Hauptberuflich arbeitet die gelernte Heilpädagogin für Sportclub und Stadt als Trainerin für Integrationssport. „Momentan ist es wirklich schwierig, den Hype um Poledance zu bedienen“, gesteht sie. Es gibt eine Warteliste, die Nachfrage wird immer größer. Ein zusätzlicher Kurs ist in Planung. Doch es fehlt nicht nur an Zeit, sondern auch an Ausstattung. „Falls jemand zufällig noch eine Poledance-Stange abzugeben hat, dann nehme ich die gerne“, sagt sie, während sie in kurzem Top und Hotpants neben ihrem Fitnessgerät steht. Warum die Frauen beim Tanz an der Stange immer so wenig anhaben? „Das machen wir nicht, um Aufsehen zu erregen. Beim Poledance wird der Hautkontakt genutzt“, erklärt sie. Klar sehe es auch schön aus. „Aber wir brauchen Arme, Beine und Bauch, um nicht abzurutschen.“ Und „abrutschen“ ist schließlich so gar nicht der Stil von Tina Sebastian, die lächend kopfüber an einer Stange hängen kann und dabei auch noch grazil aussieht.

FOTO: LR / Anja Hummel
FOTO: LR / Anja Hummel
FOTO: LR / Anja Hummel
FOTO: LR / Anja Hummel