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Zoo Hoyerswerda
Heiße Liebschaften im Zoo Hoyerswerda

Neues Traumduo? Fischotterdame Fibi trifft im Hoyerswerdaer Zoo zum ersten Mal auf ihren neuen Partner Baltazar. Der ist neun Jahre jünger und kommt aus Krakau. Im Zoo wird nun auf Fischotternachwuchs gehofft. Das wäre eine Premiere.
Neues Traumduo? Fischotterdame Fibi trifft im Hoyerswerdaer Zoo zum ersten Mal auf ihren neuen Partner Baltazar. Der ist neun Jahre jünger und kommt aus Krakau. Im Zoo wird nun auf Fischotternachwuchs gehofft. Das wäre eine Premiere. FOTO: Anja Hummel / LR
Hoyerswerda . Neue Partner bringen Bewegung ins Gehege von Fischotter, Wüstenfuchs und Co. – und einen herbstlichen Babyboom.

Von Anja Hummel

Von wegen Frühlingsgefühle. Nass, kalt, dunkel – im Zoo Hoyerswerda scheint gerade das graue Herbstwetter noch einmal so richtig Schwung ins Gehege zu bringen. Das könnte aber auch an den rassigen Neuzugängen liegen.

Die Totenkopfäffchen aus dem Zoo Hoyerswerda haben Nachwuchs bekommen. Der ist gerade mal drei Wochen alt.
Die Totenkopfäffchen aus dem Zoo Hoyerswerda haben Nachwuchs bekommen. Der ist gerade mal drei Wochen alt. FOTO: Zoo Hoyerswerda

Zwar ist Galapagos-Riesenschildkröte Bert ein „alter Hase“, an Leidenschaft mangelt es ihm trotzdem nicht.  Eigentlich soll Bert auf die Waage. Stattdessen hängt der  Nimmersatt seit Stunden keuchend über Partnerin Jolante. Der Wüstenfuchs-Mann Mo schafft es gleich gar nicht aus seiner Butze, so kaputt scheint er vom Kennenlernen mit seiner neuen Herzensdame Bernadette zu sein.

Fennek/Wüstenfuchsmännchen Sebastian Mo ist neu im Zoo Hoyerswreda und wird Fennekdame Bernadette Gesellschaft leisten.
Fennek/Wüstenfuchsmännchen Sebastian Mo ist neu im Zoo Hoyerswreda und wird Fennekdame Bernadette Gesellschaft leisten. FOTO: Zoo Hoyerswerda

Bei Totenkopfäffchen und Erdmännchen wiederum wurden die Früchte der Liebe schon geerntet. So turnt die weiß-braune Affenmama mit ihrem drei Wochen alten Baby munter im Geäst herum, nascht hier und da Salatblatt und Apfel. Während es bei den Äffchen drei Nachzöglinge gibt, haben die Erdmännchen mit vier Jungen noch eins drauf gesetzt. Und auch die Schönhörnchen – die tropische Variante der hier heimischen Eichhörnchen – sind zweifach „beschenkt“ worden. Vor wenigen Wochen sind außerdem vier Mini-Jesusechsen aus ihren Eiern gekrochen. Als wäre das nicht genug: Im Aquarium, bei Fröschen und Fischen, gab es auch Zuwachs.

Über diesen herbstlichen Babyboom ist Zooleiter Eugene Bruins hocherfreut. Warum spricht er von einem „Boom“? „So spät im Jahr sind normalerweise nicht so viele Jungtiere im Zoo zu sehen“, antwortet der Niederländer. Sechs Tierarten mit Babys, das sei schon etwas Besonderes. Darauf gehofft aber hat er allemal. Nicht umsonst hat Bruins in diesem Jahr jede Menge Zuchtmännchen in die Gehege und Ställe Hoyerswerdas geholt.

Höhepunkt der vielen Verkuppelungsaktionen ist aber wohl das jüngste aller Aufeinandertreffen. Die zehnjährige Fibi lernt den jungen  Baltazar kennen. Gerade mal ein Jahr ist der Fischottermann alt und kommt direkt aus Krakau, um das Herz der verwitweten Fibi wieder zum Glühen zu bringen. Die lebte noch bis März dieses Jahres mit Baba zusammen – dem berühmten Zoo-Maskottchen aus Hoyerswerda. Er verstarb plötzlich, ein großer Tumor war die Ursache für seinen Tod. „Fibi wollte zwei Wochen nicht richtig fressen. Sie hat ihn wirklich sehr doll vermisst“, erinnert sich Raubtier-Revierleiterin Heidi Sladek. Jetzt, sagt sie, ist Fibi froh über neue männliche Gesellschaft. „Das sieht sehr gut aus“, sagt Heidi Sladek, während sie Fibi und Baltazar bei der gegenseitigen Fellpflege beobachtet. Doch plötzlich hüpft die zaghafte Fischotterdame blitzschnell in ihr Holzhäuschen. Und Baltazar? Der bleibt erst einmal vor der Tür. „Er muss wohl noch ein wenig betteln“, scherzt die Tierpflegerin. Doch auch hier wird früher oder später auf Nachwuchs gehofft. Mit Vorgänger-Mann Baba hat das Babykriegen bei Fibi nicht geklappt.

Für Zoochef Bruins ist das Züchten eine wichtige Angelegenheit. „Die Population muss schließlich instand gehalten werden“, sagt er. Wenn keiner züchtet, komme schließlich nichts nach. Allerdings müsse das mit Verstand geschehen. So wäre es zum Beispiel unvernünftig, 30 Kubakrokodil-Eier auszubrüten, wenn gar kein Interesse von anderen Zoos zur Übernahme der Tiere bestünde.

Dem 53-Jährigen Bert mangelt es indes keinesfalls an Interesse. Nur schwer ist er vom Rücken seiner Gattin Jolante auf die Waage zu bewegen. Vier Männer hieven ihn auf die Plattform. Das halbjährige gewichtemessen steht an. Stolze 130 Kilogramm werden angezeigt. „Das könnte sogar noch ein bisschen mehr sein“, findet Eugene Bruins. „Aber Bert wächst ja noch.“

In den Hoyerswerdaer Gehegen, Volieren und Ställen soll es auch künftig weiter „ordentlich zur Sache gehen“. Neue Schneeeulen-, Steinkauz- und Nashornleguanmännchen sollen ihrem jeweiligen weiblichen Pendant demnächst Gesellschaft leisten und für Nachkommen sorgen. Große Hoffnung setzt Zoochef Bruins auch in die beiden Zwergflusspferde. Der neue Marabock, eine Nagetierart aus Argentinien, stehe wohl ebenfalls schon in den „Startlöchern“.

Und wer weiß, vielleicht gelingt sogar Bert mit seinem 130-Kilo-Kampfgewicht endlich mal ein Volltreffer bei seiner jungfräulichen Jolante. Dann gäbe es in Hoyerswerda auch noch Mini-Riesenschildkröten zu bestaunen.

Galapagos-Riesenschildkröte Bert muss auf die Waage und wird mit einem Apfel gelockt. Wie viel wiegt der 53-Jährige wohl?
Galapagos-Riesenschildkröte Bert muss auf die Waage und wird mit einem Apfel gelockt. Wie viel wiegt der 53-Jährige wohl? FOTO: Anja Hummel / LR