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| 02:39 Uhr

Finnhütten verkaufen oder nicht – Gemeinderat vertagt Beschluss

Bevor der Lohsaer Gemeinderat über die Zukunft der drei gemeindeeigenen Finnhütten am Silbersee entscheidet, möchte das Gremium genaue Zahlen zu Einnahmen und Ausgaben haben.
Bevor der Lohsaer Gemeinderat über die Zukunft der drei gemeindeeigenen Finnhütten am Silbersee entscheidet, möchte das Gremium genaue Zahlen zu Einnahmen und Ausgaben haben. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Lohsa. "Man sieht genau, was unseres ist", sagt Kerstin Robel. Was die Linke-Gemeinderätin eine Zumutung nennt, sind die drei gemeindeeigenen Finnhütten mit den Hausnummern 47, 48 und 49 auf dem Friedersdorfer Strand am Silbersee. mft1 mft1

Man müsste richtig Geld in die Hand nehmen, um die Gebäude entsprechend moderner touristischer Standards herzurichten, sagt Kerstin Robel.

In der letzten Gemeinderatssitzung Mitte Dezember hatte die Verwaltung dem Rat per Beschlussvorlage vorgeschlagen, die drei Hütten und den dazugehörigen Grund und Boden auszuschreiben und zu veräußern. Das Vorhaben stieß allerdings auf einiges Unverständnis der meisten Gemeinderäte.

So riet Ronald Woschick (Wählervereinigung Lohsa) dringend davon ab, "immer wieder kommunales Vermögen zu verkaufen", insbesondere ohne die Kosten für die Herrichtung oder überhaupt die Gründe für das plötzliche Verkaufsinteresse zu kennen. Der von der Verwaltung angeführte Aufwand für eine Wertermittlung könne nicht entscheidend sein, müsse diese doch sowohl einer Sanierung wie auch dem Verkauf zugrunde gelegt werden, befand Woschick.

Auch Peter Gutknecht von den Freien Wählern Knappensee riet dazu, sich erst einmal um genaue Zahlen zu bemühen. Schließlich gebe es keinen Zeitdruck und nur auf Verdacht wolle er sich nicht festlegen, so Gutknecht. Fraktionskollege Steffen Mühl warf ein, grundsätzlich gegen einen Verkauf zu sein, da es zum einen Pächter für die Hütten gibt und zum anderen die Flächen für Ausgleichspflanzungen bereitstehen würden, für die der Gemeinde geeignete Areale fehlen.

Bauamtsleiter Wolfgang Tietze verwies auf die Tatsache, dass eine erfolgte Ausschreibung im Falle des Ausbleibens eines erhofften Gewinns zurückgenommen werden könne und die Gemeinde an anderen Stellen, beispielsweise bei Spielplätzen, zu kämpfen habe. Ob allerdings eine Investition in die Gebäude sich amortisieren würde, sei im Moment nicht abzuschätzen. Außerdem sei der Tourismusbetrieb nicht Aufgabe der Gemeinde, gab Tietze zu bedenken.

Amtsleiter Sven Koppen schloss sich Kerstin Robel an. Schon die Sichtung von außen ließe auf enorme Sanierungskosten schließen, sagte er. Da, wie Bürgermeister Thomas Leberecht (CDU) anführte, ein Nein zur Beschlussvorlage den Sachverhalt für einige Zeit unantastbar machen würde, einigte sich der Gemeinderat schließlich bei nur einer Gegenstimme mit überragender Mehrheit auf die Absetzung des Tagesordnungspunktes.

Zum Thema:
1970 war der Silbersee im Bereich Friedersdorfer Strand durch eine Wochenendhausbebauung mit Finnhütten besiedelt worden. Die Bebauung sei auf volkseigenem Grund und Boden und in Ausübung eines vertraglich vereinbarten Nutzungsrechtes erfolgt, heißt es in der Beschlussvorlage. Die Baulichkeiten seien somit unabhängig vom Eigentum an Grund und Boden in das Eigentum der Nutzungsberechtigten übergegangen. 1992 hatten die Eigentümer der Finnhütten den "Finnhüttengemeinschaft Friedersdorfer Strand e.V." gegründet. 1996 erwarb der Verein, in dem die Gemeinde Lohsa Mitglied ist, auch den zu den Hütten gehörenden Grund und Boden. Um den Eigentümern dauerhaft selbstständiges Eigentum an den Baulichkeiten zu gewährleisten, wurden der Grund und Boden im Mai 2016 vom Verein an seine einzelnen Mitglieder verkauft. Somit steht jedem Eigentümer das Teileigentum an seiner Finnhütte verbunden mit dem Miteigentumsanteil am Grund und Boden zu. Die drei Hütten der Gemeinde sind seit 2011 an Dritte verpachtet. mft1