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Finale für die Lausitzer Bahn-Magistrale

Niesky. Darauf hat die Deutsche Bahn AG (DBAG) lange gewartet: Mit der Erteilung des entsprechenden Planfeststellungsbeschlusses kann sie jetzt auch den letzten Abschnitt der Niederschlesischen Magistrale in Angriff nehmen. Dieser erstreckt sich über circa acht Kilometer von Niesky bis zum Güterbahnhof Horka. Uwe Menschner / ume1

Ursprünglich hatte die Bahn schon viel früher mit diesem Beschluss gerechnet.

Warum hat es so lange gedauert?
"Wir haben es zwischen Niesky und Horka mit einem sehr komplexen Bauabschnitt zu tun, bei dem viele verschiedene Interessen zu beachten sind", erklärt der Projektverantwortliche der Deutschen Bahn, Ulrich Mölke. So seien auch Straßen von den geplanten Maßnahmen betroffen. Zudem habe sich das Bundesnaturschutzgesetz seit der Eröffnung des Verfahrens 2010 geändert, was in den Planungen berücksichtigt werden musste. Vor allem aber führt der Abschnitt anders als seine "Vorgänger" zum Teil durch dicht besiedeltes Gebiet, was besonders hohe Anforderungen an den Lärmschutz stellt. Dies zeigt sich an sieben Ordnern, die allein mit den entsprechenden Gutachten gefüllt sind.

Was besagt der Planfeststellungsbeschluss?
Dieser Beschluss bildet, einfach ausgedrückt, die Bestätigung der von der DBAG vorgenommenen Planungen durch das Eisenbahnbundesamt. "Die europaweite Ausschreibung der Bauleistungen hat am Montag begonnen", so Ulrich Mölke, der Ende August mit dem "scharfen Start" rechnet und die Magistrale im Dezember 2018 vollständig eröffnen möchte. Ab dem 16. Februar haben diejenigen, die Einwände gegen die Planungen geltend gemacht haben, für zwei Wochen die Möglichkeit, in den Beschluss Einsicht zu nehmen. "Wenn sie nicht damit einverstanden sind, können sie vor dem Bundesverwaltungsgericht dagegen klagen", so der Projektleiter. Auswirkungen auf den Baubeginn hat das nicht - der Beschluss ist "sofort vollziehbar." Allerdings besteht das Risiko, dass im Nachhinein noch Korrekturen an der Ausführung vorgenommen werden müssen.

Welche Auswirkungen hat der verspätete Beschluss?
"Wer im Zuge der öffentlichen Beteiligung 2010 Einwendungen erhoben hat, musste lange auf den Bescheid warten. Jetzt endlich können wir Antworten geben", so Ulrich Mölke. Der avisierte Eröffnungstermin Ende 2018 kann eingehalten werden - allerdings um den Preis, dass zwischen dem Bahnhof Niesky und dem Güterbahnhof Horka zunächst nur ein Gleis zur Verfügung steht. Das zweite Gleis wird dann bis Ende 2019 bei laufendem Betrieb gebaut.

In welcher Form ist die Stadt Niesky betroffen?
In Niesky gibt es zwei große Querungen der Bahnstrecke - die B 115, die auf einer Brücke hinüberführt, und die innerstädtische Muskauer Straße mit einem beschrankten Bahnübergang. Hinzu kommt der kleinere Übergang Neuhofer Straße, der künftig unter der Bahntrasse hindurchführen wird. "Hinsichtlich der Bauarbeiten in Niesky haben wir größere Veränderungen vorgenommen", so Ulrich Mölke. So wird der Bahnhof Niesky - anders als ursprünglich geplant - komplett vom Zugverkehr abgekoppelt: "Dies verschafft uns mehr 'Beinfreiheit' für die Arbeiten." Der Waggonbau Niesky wird dann von dem - bis dahin baulich fertiggestellten - westlich gelegenen Abschnitt aus über ein temporär zu errichtendes Stichgleis bedient.

Zunächst erfolgt ab August/September 2017 die Vollsperrung des Übergangs Muskauer Straße für "einen längeren Zeitraum", wobei Ulrich Mölke dies noch nicht weiter konkretisiert. Nur soviel: "Es handelt sich um mehrere Monate." Fußgänger und Radfahrer können weiterhin passieren. Ab dem Sommer 2018 wird dann die Brücke der B 115 abgerissen und anschließend neu aufgebaut, was zehn bis zwölf Monate dauern wird und in der Spätphase bereits bei laufendem Bahnbetrieb erfolgt. Auf der Muskauer Straße ist dann mit einem stark erhöhten Verkehrsaufkommen zu rechnen. Die DBAG plant zudem einen temporären Übergang in der Verlängerung der Bahnhofstraße, "allerdings nur für den kleinen Verkehr." Die Baueinrichtungsfläche zwischen Cottbuser und Spremberger Straße wird in Anspruch genommen, wohl aber nicht für die Schotteraufbereitung benötigt. "Hierfür wollen wir die bereits vorhandene Fläche am Ziegelweg weiter nutzen und verhandeln dazu mit dem Eigentümer", so Ulrich Mölke. Aus seiner Sicht ist die Anwohnerbetroffenheit in Horka viel größer als in Niesky: "Dort führt die Strecke mitten durch dichte Bebauung mit schmalen Straßen."

Wie ist der Stand auf den anderen Abschnitten?
Die "Enden" - also der Bahnhof Knappenrode und der Abschnitt zwischen Horka und der polnischen Grenze - sind bereits fertig und Letzterer auch schon in Betrieb. Im westlichen Teil des Abschnitts 2a - also zwischen Knappenrode und Uhyst - wird im März mit dem Neuaufbau des Gleises begonnen. Am 2. Juniwochenende soll im Rahmen der 675-Jahr-Feierlichkeiten die neue Spreebrücke in Uhyst festlich geweiht werden. "Wir wollen uns mit zahlreichen Informationsangeboten an den Feierlichkeiten beteiligen", so Ulrich Mölke. Östlich von Uhyst laufen derzeit vor allem Arbeiten an Ingenieurbauwerken, doch auch der Tiefbau ist hier noch nicht abgeschlossen. "Bis zur vorgesehenen Sperrung der Muskauer Straße in Niesky muss der Abschnitt komplett fertig sein, damit unser dortiger Plan greifen kann", so der Deutsche-Bahn-Projektleiter.