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| 16:25 Uhr

Hoyerswerda
„New York“ holt den Hauptpreis

Die Siegerfilme sind vertreten mit „Hafenrundfahrt durch New York“ von Jens-Uwe Röhl, „Zwischen den Zeilen des Lebens“ von Kristin Kohl (r.) und „Jonny“ von Katja Felsch
Die Siegerfilme sind vertreten mit „Hafenrundfahrt durch New York“ von Jens-Uwe Röhl, „Zwischen den Zeilen des Lebens“ von Kristin Kohl (r.) und „Jonny“ von Katja Felsch FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. In der Hoyerswerdaer Kufa wird das 7-Minuten-Amateurfilmfest gefeiert. Von Katrin Demczenko

Filmen ist ein Weg, sich mit Themen des Lebens und mit der Lausitzer Heimat zu beschäftigen. Deshalb werden für das „7-Minuten-Amateurfilmfest“ der Kulturfabrik (Kufa) Hoyerswerda immer wieder Beiträge eingereicht. Am Wochenende haben Geschichte, Gegenwart und Zukunft der 750 Jahre alten Stadt Hoyerswerda im Mittelpunkt der diesmal ganz speziellen Veranstaltung gestanden. „Auf eine Jury wurde verzichtet und nur der Publikumspreis vergeben, den alle Arbeiten unabhängig von Entstehungsjahr und Länge erringen konnten“, erklärte Dirk Lienig, der bei der Kufa Medienprojekte organisiert.

Die zahlreichen Besucher sahen acht in diesem Jahr entstandene Filme und sehenswerte ältere Streifen. 2017 gingen Schüler im Rahmen des Programms „Spurensuche“ der Sächsischen Jugendstiftung zu Erwachsenen und fragten, wie diese vor rund 30 Jahren als Jugendliche Hoyerswerda erlebt haben. Aus den aufgenommenen Gesprächen entstand mithilfe der professionellen Filmemacherin Angela Schuster die Dokumentation „Disco Dada DDR“, die die Veranstaltung eröffnet hat. Weitere Filme der Kufa Video AG zeigten das sozialistische Hoyerswerda und untersetzten die Aussagen der Interviewpartner.

Das Pirnaer Ehepaar Beck, dessen Tochter seit zehn Jahren in der Stadt lebt, verfolgt die hiesige Entwicklung mit Freude. Sie urteilten: „Der vorhandene Zuzug zeigt, dass die Stadt angenommen wird.“ Die Elbestädter wünschen Hoyerswerda, dass diese Entwicklung weitergeht.

Der Horrorkurzfilm „Jonny“ von Schülern des Lessing-Gymnasiums, der erwachsenen Hobbyschauspielerin Katja Felsch und dem Cottbuser Filmemacher Erik Schiesko als Berater spielt im verlassenen Haidemühl, das bald dem Tagebau weichen soll. Die Bewohner mussten im realen Leben ihre Heimat verlassen. Im Film verschwindet an diesem Ort der behinderte Jonny. Erst als er fehlt, begreift Alina, dass sie ihren Bruder liebt, sucht ihn und auch ihre erst ablehnenden Freundinnen helfen. Der Streifen entstand wie andere Arbeiten des Abends im Sommer 2018 in der Kufa während des „My Story“-Workshops vom Filmverband Sachsen, erklärte Dirk Lienig.

Der Streifen „Hafenrundfahrt durch New York“ war älter, denn ihm lag eine Idee von einer Prohi-Party in der Kufa-Zwischenbelegung zugrunde, erzählte der Vorsitzende des Kufa-Vereins, Jens-Uwe Röhl. Er hatte als „Reiseleiter“ kurzerhand New York nach Hoyerswerda verlegt. So wurde aus dem Schiff ein Robur-Bus aus DDR-Zeiten. Die Reiseteilnehmer erlebten die Schwarze Elster als Hudson-River, die Lausitzhalle als Metropolitan Opera und so weiter. Für diesen neuen humoristischen Blick auf das in den letzten Jahrzehnten klein und beschaulich gewordene Hoyerswerda verliehen die Zuschauer den ersten Platz.

Überrascht nahm Jens-Uwe Röhl von Dirk Lienig die Siegtrophäe entgegen, die wie immer der Hoyerswerdaer Künstler Helge Niegel angefertigt hat. Sie ist der Figur „Große Liegende“ im Zentralpark der Neustadt nachempfunden, die an Brigitte Reimann erinnert. Das passe ganz gut, erklärte Dirk Lienig. Schließlich habe sich die große Schriftstellerin schon in den 1960er-Jahren während des Aufbaus der Neustadt für ein Hoyerswerda eingesetzt, in dem die Menschen nach der Arbeit gemeinsam Kultur schaffen und genießen können.