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| 21:46 Uhr

Kulturbotschafter für Hoyerswerda
Hoywoy-Tanzfilm läuft bei Filmfest

 In der Medienwerkstatt von Dirk Lienig in der Kufa Hoyerswerda steht auch ein alter Filmprojektor. Freilich hat die Me­dienwerkstatt auch die neueste Filmtechnik aufzuweisen.
In der Medienwerkstatt von Dirk Lienig in der Kufa Hoyerswerda steht auch ein alter Filmprojektor. Freilich hat die Me­dienwerkstatt auch die neueste Filmtechnik aufzuweisen. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Der Hoyerswerdaer Dirk Lienig hat mit seinen Tanz- und Filmprojekten einiges für ein positives Image der Stadt getan. Von Rainer Könen

Darauf ist Dirk ­Lienig in diesen Tagen besonders stolz. Wieder einmal wird die Stadt Hoyerswerda bundesweit für mediales Aufsehen sorgen. Zumindest in cineastischen Kreisen. Im positiven Sinne, das muss man an dieser Stelle auch mal sagen.

Denn Lienigs Film „Wenn wir erst tanzen“ über eines seiner bekanntesten Tanzprojekte „Le Sacre du Printemps“, bei dem etliche Hoyerswerdaer mitwirkten, wird in wenigen Tagen, am 11. Mai, auf Europas größtem und renommiertestem Dokumentarfilmfest, der DOK.fest München, zu sehen sein.

Klar, dass Lienig dort sein wird. Und klar ist auch, dass er bei dieser Veranstaltung wieder zahlreiche Fragen beantworten muss. Fragen, auf die er schon so oft geantwortet hat in den letzten Jahren. Etwa, wie es so ist, das Leben in Hoyerswerda, dieser Stadt in Ostsachsen, die in einer Region liegt, der in den nächsten Jahren ein gravierender Strukturwandel durch den Ausstieg aus der Kohle bevorstehen wird.

In und um Hoyerswerda kennt man Dirk Lienig, diesen jungenhaft wirkenden Mann, der mit seinen Projekten, die er ins Leben rief, eine Menge bewirkt hat. Nicht nur, weil zahllose Hoyerswerdaer bei einem seiner Projekte mitgemacht haben. Auch dank seiner Arbeit hat die Stadt in ihrer Außendarstellung im In- und Ausland mittlerweile einen Imagewandel durchgemacht, hat einen positiveren Bekanntheitsgrad. Daran hat auch Lienigs Laientanzensemble einen Anteil, das sogar bereits im Ausland auftrat.

Fast könnte man sagen, dass der 49-jährige Dirk Lienig zu einer Art Kulturbotschafter der Stadt geworden ist. Aber davon mag er gar nichts hören. „Ich bin kein Botschafter, ich habe einfach nur ein wenig mitgeholfen, dass die hier lebenden Menschen wieder stolz auf ihre Region, auf ihre Stadt sein können“, gibt er sich bescheiden. Dabei hat der ehemalige Balletttänzer in den zurückliegenden Jahren so einiges bewirkt.

Mit den Tanzprojekten sind die Einwohner der Stadt wieder ein Stückchen zusammengerückt und ist ein besseres Selbstwertgefühl bei ihnen gewachsen. Die Zeit, in der sich die Hoyerswerdaer stigmatisiert fühlten, ist vorbei.  Die ausländerfeindlichen Ausschreitungen kurz nach der Wende in der Hoyerswerdaer Neustadt hatten dafür gesorgt, dass die Stadt in den Jahren danach verzweifelt um ihren Ruf kämpfte. Mittlerweile hat sich Hoyerswerda von diesen dunklen Schatten gelöst, was sicher auch mit Lienigs Tanzprojekten zusammenhängt. Die der Zuse-Stadt einen Hauch von Multi-Kulti, von Weltoffenheit gegeben haben.

Dirk Lienig wusste um diese Befindlichkeiten, als er vor neun Jahren in der Hoyerswerdaer Kulturfabrik die Medienwerkstatt übernahm. Der gebürtige Hoyerswerdaer kann auf eine erfolgreiche Karriere als Ballett- und Solotänzer zurückblicken. Dann wechselte er die Branche. Vom Tanz zum Film. Er drehte  zahlreiche, auch preisgekrönte Dokumentarfilme. Mit der Rückkehr in seine Heimatstadt realisierte er einige seiner Ideen. Etwa das Amateurfilmfest „Sieben Minuten handgemacht“. Auch so eine Erfolgsgeschichte. So mancher Hoyerswerdaer hat sich dort seither mal als Regisseur oder Kameramann versucht.

Mehr Aufsehen erregten jedoch seine Tanzaufführungen. Auftakt bildete vor einigen Jahren das Stück „Eine Stadt tanzt“. Mit dieser erfolgreichen Arbeit trat das Laientanzensemble auch in anderen Städten, so auch in Dresden auf. Es folgten weitere Inszenierungen, die den Laientänzern auch einen neuen Zugang zur Welt, zum eigenen Selbstverständnis und einen anderen Blick auf ihre Stadt gaben. Dirk Lienig: „Vielleicht habe ich auch ein wenig mithelfen können, dass man nun die Stadt, in der man lebt, mehr angenommen hat“, ist seine Hoffnung.

Lienig hat weitere Ideen für interessante Projekte. Der Vater zweier Kinder hat eine Mission, die noch lange nicht zu Ende ist: Zu zeigen, das Hoyerswerda eine lebendige Stadt ist, mit lebens- und liebenswerten Menschen. Nun, einen Eindruck davon werden sicher die Zuschauer bekommen, die sich beim diesjährigen DOK.fest München seinen Tanzfilm anschauen werden. Und vielleicht wird der ein oder andere Lust auf Hoyerswerda, auf die Region verspüren. Um zu schauen, wie es sich hier so lebt, in der Stadt im Lausitzer Seenland.

 In der Medienwerkstatt von Dirk Lienig in der Kufa Hoyerswerda steht auch ein alter Filmprojektor. Freilich hat die Me­dienwerkstatt auch die neueste Filmtechnik aufzuweisen.
In der Medienwerkstatt von Dirk Lienig in der Kufa Hoyerswerda steht auch ein alter Filmprojektor. Freilich hat die Me­dienwerkstatt auch die neueste Filmtechnik aufzuweisen. FOTO: Rainer Könen