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| 16:26 Uhr

Kultur
Filmball begeistert Publikum

Emmanuel Bridier, Hugo Flotat-Dalon, Toni Züchner, Robert Gbureck feierten zusammen beim Filmball in der KuFa.
Emmanuel Bridier, Hugo Flotat-Dalon, Toni Züchner, Robert Gbureck feierten zusammen beim Filmball in der KuFa. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. 1920er-Jahre erlebten ein Revival in der KuFa in Hoyerswerda. Von Katrin Demczenko

Wo historische Fakten zur Gründung einer Stadt (noch) nicht erforscht sind, die Menschen aber einen Grund für die Ausrichtung eines großes Heimatfestes suchen, halten sie sich oft an Legenden.

So geht das auch aus einer Zeitung von 1924 hervor, als die „Privilegierte Schützen Gilde“ Hoyerswerda eine Schlacht am Koschenberg, die im Jahre 924 stattgefunden haben soll, den Bürgern als Stadtgründungsdatum präsentierte.

Sie veranstalteten eine 1000-Jahrfeier, die die Kulturfabrik (KuFa) im Bürgerzentrum Braugasse 1 am vergangenen Samstag wiederauferstehen ließ. Etwas skurril das Ganze, weil aufgrund der nachweislich existierenden Oberlausitzer Teilungsurkunde von 1268 Hoyerswerda jetzt erst 750 Jahre alt wird.

Das störte aber keinen der Gäste des Filmballs, und die Organisatoren der K(UFA) setzten noch einen Fake obendrauf. Sie erzählten in ihrem selbstgedrehten Stummfilm „Die Elsterglanz-Verschwörung“ von einer Auseinandersetzung der Firmen Schlossbräu Hoyerswerda und Wittichenauer Stadtbrauerei um den Absatz ihres Bieres und von der Idee, den Verkauf in Hoyerswerda mit ebenjener 1000-Jahrfeier anzukurbeln. Doch vorher mussten die Stadtoberen eine offizielle Gründungsurkunde von 924 finden, und hier konnte nur noch eine „kreative Geschichtsschreibung“ helfen, erfuhr das amüsierte Publikum im KuFa-Saal. Anke Lehmann, die mehrere Jahrzehnte ihres Lebens in Hoyerswerda verbracht hat und aus ihrem jetzigen Wohnort Kromlau immer noch gern in die KuFa zum Feiern kommt, fand den Film unterhaltsam und zum Thema passend. Obwohl der Inhalt frei erfunden ist, wirkt er authentisch und „gemacht haben ihn Leute, die mit Herz und Seele ihrer Stadt verbunden sind“, stellte Anke Lehmann fest.

Im Kleinen Schwarzen feierte sie mit ihren Freundinnen, die ebenfalls in schicker Kleidung der 1920er Jahre gekommen waren. Cornelia Schmidtbauer aus Hoyerswerda, die mit ihrem Mann auf der Party weilte, würdigte den Aufwand, den die KuFa in die Gestaltung des Films und des schönen Abends investiert hat.

Zu den weitgereistesten Gästen gehörte der Franzose Emmanuel Bridier, der 2013 Fremdsprachenassistent am Lessing-Gymnasium gewesen war und am Wochenende privat Freunde in Hoyerswerda besucht hat.

Sie alle tanzten mit Fliege und Hosenträgern, oder in großer Robe mit Federboa im Saal nach Livemusik aus den 1920er-Jahren, zu der die Band The Busquitos aus den Niederlanden einlud. Im Cafe Auszeit erklangen Hits, die damals auf Schellackplatten gepresst worden waren, und beim Adlerschießen um den Filmballpokal drängten sich auch eine hübsche Nonne und ein Kardinal.

Ein paar mehr Gäste hätte die Veranstaltung gut vertragen, ein Teil der Interessenten habe sich aber wohl für die zeitgleich durchgeführten Sexy Nights im Lausitz-Center entschieden. Das vermutete jedenfalls Reinhard „Pfeffi“ Ständer vom KuFa-Organisationsteam. Nur mehr rechtzeitige Absprachen unter den Veranstaltern könnten solche Situationen verhindern.