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| 15:44 Uhr

Filmdreh
Komparsen bringen Koffer und Kaninchen mit zum Filmdreh

Silvana Zieger (l.) und Heike Nitschke in ihren Kostümen. Heike Nitschke trägt das alte Fellbolero. Vor ihr steht die 360 Grad-Kamera.
Silvana Zieger (l.) und Heike Nitschke in ihren Kostümen. Heike Nitschke trägt das alte Fellbolero. Vor ihr steht die 360 Grad-Kamera. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Für das künftige Museum im Bahnhof Hoyerswerda wird ein Streifen über Vertreibung und Flucht gedreht. Dafür wurden Komparsen gesucht. Von Katrin Demczenko

Neugierig sind rund 20 potenzielle Komparsen zur Volkshochschule Hoyerswerda gekommen, um sich über die geplanten Dreharbeiten zu einem 360-Grad-Film zu informieren. Dieser soll im Bahnhof Hoyerswerda gezeigt werden, wo jetzt ein Museum zu den Themen Vertreibung, Flucht, Gefangenschaft und Integration entsteht, erklärt Projektleiterin Susanne Schiffner. Vor allem Jugendliche sollen dort das Grauen des Zweiten Weltkrieges nachfühlen können und erfahren, wie es Menschen erging, die 1945 ihre Heimat für immer verloren haben.

Viele Deutschstämmige mussten aus Ostpreußen, Schlesien, ost- und südosteuropäischen Staaten fliehen oder wurden vertrieben und kamen per Bahn über Hoyerswerda in das große Durchgangs- und Quarantänelager Elsterhorst, heute Flugplatz Nardt, erklärt Susanne Schiffner. Jetzt will die Architektin mit Weiterbildungen im Bereich Film und 3D-Visualisierung eine Fluchtgeschichte mit Zugfahrt nach Elsterhorst unter Verwendung einer 360-Grad-Kamera drehen. Grundlage für den zwölfminütigen Film ist das von ihr geschriebene Drehbuch „Das Liegnitzer Pferdchen“, das eine fiktive Geschichte mit wahren Fluchterlebnissen verbindet. Diese haben Menschen für das Museum Haus der Heimat in Reichenbach/OL aufgeschrieben.

Für den Film wird auch an Bahnhöfen und im Zug der Waldeisenbahn Bad Muskau gefilmt. Die künftigen Komparsen sollen, so erklärt ihnnen Susanne Schiffner, verängstigt in den Waggon drängen. Sie wissen nicht, wohin die Fahrt geht und wie lange sie dauert.

Zwei Komparsen werden als Aufseher rücksichtslos das Gepäck der anderen durchwühlen und ihnen letzte Habseligkeiten stehlen. In dieser Szene wird einer Frau ihr letztes Kaninchen weggenommen, so steht es im Drehbuch. Dafür wird Edeltraut Roblick ihr eigenes Kaninchen zur Verfügung stellen. Die Seniorin macht bei dem Projekt mit, weil sich in ihrer Verwandtschaft 1945 eine Fluchtgeschichte mit einem Pferdewagen zugetragen hat. „Selbst die Kuh und die Hühner wurden mitgenommen“, erzählt Edeltraut Roblick.

Die 60-jährige Martina Radeck aus Hoyerswerda hat für den Dreh extra einen alten Koffer und von ihrer Tante einen Pelzbolero aus den 1940er-Jahren mitgebracht. Sie interessiert sich für die Geschichte ihrer Heimat und macht beim Projekt mit, um die Vergangenheit besser zu verstehen und so authentisch wie möglich dazustellen.

Eine Virtual-Reality-Brille wird dem Museumsbesucher ermöglichen, den 360-Grad-Film hautnah zu erleben und sich quasi darin zu bewegen, erklärt Susanne Schiffner. Auch ein digitales 3D-Modell des gesamten Lagers Elsterhorst mit allen Baracken wird im Museum zu sehen sein, kündigt der Geodät Sören Börner an. Er hat den ehemaligen Standort am Flugplatz Nardt mit einem 3D-Laserscan erfasst und Susanne Schiffner erschafft aus den Daten das Modell. Auftraggeber für all ihre Arbeiten ist der Verband der Vertriebenen und Spätaussiedler Sachsen.