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| 12:47 Uhr

Polizei-Großeinsatz
Fernfahrer hält Abstand nicht ein – Autobahn zehn Stunden lang gesperrt

Ein Megastau hat sich zum sächsischen Ferienbeginn auf der A 4 gebildet.Auslöser war, dass ein Fernfahrer an einem Stauende auf den Lkw vor ihm auffuhr. Durch die Kollision wurden vier Lkw aufeinander geschoben.
Ein Megastau hat sich zum sächsischen Ferienbeginn auf der A 4 gebildet.Auslöser war, dass ein Fernfahrer an einem Stauende auf den Lkw vor ihm auffuhr. Durch die Kollision wurden vier Lkw aufeinander geschoben. FOTO: Rocci Klein
Görlitz. Auf der A 4  krachen Montagmittag vier Lkw ineinander. in den folgenden Stunden sind Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr, THW und Autobahnmeisterei im Großeinsatz. Eine Rettungsgasse fehlt. Weitere Unfälle ereignen sich im Stau und wegen Gaffern.

Am Montag ist die A 4 in Fahrtrichtung Dresden bei Ottendorf-Okrilla nach einem Unfall mehrerer Lkw für rund zehn Stunden gesperrt gewesen. Erst gegen 23 Uhr konnte der Verkehr hier wieder ungehindert rollen. Auch die Gegenfahrspur war im abendlichen Berufsverekehr nach Unfällen mehrere Pkw zeitweise gesperrt. Meher als 120 Retter, Helfer und Einsatzkräfte waren zur Bewältigung der Lage eingebunden, so Polizeisprecher Thomas Knaup am Dienstag.

Um die Mittagszeit war ein mit tonnenschweren Gussteilen beladener Sattelzug an einem Stauende bei Ottendorf-Okrilla auf das Heck eines bremsenden Sattelzuges aufgefahren. Der 30-jährige Fernfahrer hatte den Mindestabstand von 50 Metern zum Vorausfahrenden offenbar nicht beachtet und so kaum noch eine Chance rechtzeitig anzuhalten.

Durch die Kollision wurden insgesamt vier Lkw aufeinander geschoben, verkeilten sich und blockierten beide Fahrspuren. Allein der Blechschaden belief sich nach ersten Schätzungen auf mehr als 170 000 Euro. Teile der Ladung, darunter Tausende Eier, gingen zu Bruch oder fielen auf die Fahrbahn.

Die Bergung der Laster und deren Ladung gestalteten sich schwierig. Ein Havariekommissar wurde hinzugezogen, um die versicherungsrechtlichen Ansprüche der betroffenen Transportunternehmen zu wahren. Schweres Gerät musste für die Bergung der Lkw eingesetzt werden.

Verletzt wurde bei dem Lkw-Unfall keiner der vier beteiligten Fahrer im Alter von 23, 25 und zweimal 30 Jahren. Sie stammten aus Polen, der Slowakei und der Ukraine. Auch der Unfallverursacher konnte unverletzt aus seinem vollkommen zerstörten Führerhaus steigen. „Er hatte offenbar einen großen Schutzengel gehabt“, so Thomas Knaup.

Aufgrund des Unfalls entstand schnell ein Rückstau von bis zu 25 Kilometern Länge. An den Anschlussstellen Burkau, Ohorn und Pulsnitz leiteten Polizisten, Helfer des Technischen Hilfswerkes und die Autobahnmeisterei die Reisenden ab. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens waren auch die Umleitungsstrecken südlich und nördlich der A 4 schnell überlastet.

Um die Situation bewältigen zu können, beorderte das Führungs- und Lagezentrum der Polizeidirektion Görlitz auch Streifen der örtlichen Reviere, des Verkehrsunfall- und Verkehrsüberwachungsdienstes sowie der Einsatzzüge der Polizeidirektion zur Einsatzstelle. Die Beamten unterstützten die Autobahnpolizei bei der Verkehrslenkung und Unfallaufnahme. Zwei weitere Unfälle auf der Gegenfahrspur nahmen später Streifen der Dresdener Autobahnpolizei auf.

Die Aufräumarbeiten unterstüttzen auch die freiwilligen Feuerwehren umliegender Gemeinden. An den Fahrzeugen waren Diesel und andere Betriebsstoffe ausgelaufen, die die Kameraden aufnahmen und einen Schaden für die Umwelt verhinderten.

Helfer des Deutschen Roten Kreuzes versorgten im Stau Stehende beispielsweise mit Getränken.

„Einmal mehr war es den Rettungskräften und Helfern nur schwer möglich, zur Unfallstelle vorzudringen, weil eine Rettungsgasse fehlte“, schildert Knaup weiter. Wie wichtig diese ist, zeigte sich wenig später. Im Rückstau stand am Nachmittag eine Frau, die per Notruf über ernste gesundheitliche Probleme klagte. Ein Rettungswagen konnte jedoch nicht zu ihr durchdringen, der Weg war versperrt. Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Polizei sperrten kurzzeitig die Gegenfahrspur, damit Sanitäter von dort zu der Frau gelangen konnten. Sie wurde zur weiteren Versorgung in ein Krankenhaus gebracht.

Im Rückstau berührten sich am Nachmittag im Baustellenbereich zwischen dem Burkauer Berg und Ohorn zwei Kleinlaster seitlich. Einer der beiden Fahrer hatte die linke, auf eine Nutzungsbreite von knapp zwei Metern beschränkte Fahrspur verbotswidrig genutzt.

„Da in der ländlichen Region zwischen Dresden und Görlitz so gut wie keine Möglichkeit besteht, im Zuge der Autobahn kurzfristig Parkraum für mehrere hundert Lkw zur Verfügung stellen zu können, blieb vielen Fernfahrern nichts anderes übrig, als sich im Stau mit ihren Gespannen auf den Standstreifen zu stellen. Die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen mussten sie einhalten“, so Knaup, Die „wild“ stehenden Lkw sorgten auch mit dafür, dass eine funktionierende Rettungsgasse kaum gebildet werden konnte.

Für zwei weitere Auffahrunfälle in der Gegenrichtung zwischen Ottendorf-Okrilla und Pulsnitz sorgten Gaffer, die durch Bremsmanöver und besonders langsame Fahrweise immer wieder teils scharfe Bremsungen anderer Verkehrsteilnehmer heraufbeschworen.

So prallten ein Peugeot und ein Passat zusammen. Deren Fahrer verletzten sich bei der Kollision beide leicht. Wenig später krachten im sich auch hier schnell bildenden Rückstau vier weitere Pkw ineinander. Ein Audi-Fahrer konnte aufgrund fehlenden Sicherheitsabstandes nicht mehr rechtzeitig bremsen. Sein Wagen prallte auf das Heck eines vor im bremsenden Volkswagen. Durch die Wucht des Aufpralls wurden die Fahrzeuge - wie beim Domino - auf einen weiteren VW Golf und einen Opel Astra geschoben. Zwei Insassen des Audi und ein VW-Fahrer erlitten leichte Verletzungen.

Die freiwillige Feuerwehr und der Rettungsdienst waren auch bei diesen Unfällen gefordert. Sanitäter versorgten die Verletzten und brachten sie zur weiteren Versorgung in umliegende Krankenhäuser. Abschleppdienste nahmen vier Pkw an den Haken. Der Unfallschaden lag in Summe bei mehr als 45 000 Euro.

„Aufgrund der Einsatzlage und der begrenzten Anzahl der verfügbaren Kräfte bestand kaum eine Möglichkeit, fotografierende oder filmende Personen zu stoppen und sie für ihr Handeln zur Rechenschaft zu ziehen. Die Unfallaufnahme und Verhinderung weiterer Unfälle hatte Vorrang“, heißt es weiter im Polizeibericht.

Gegen 19 Uhr konnte eine Streife der Bautzener Autobahnpolizei jedoch einen 47-jährigen Autofahrer stoppen. „Der Russe nutzte die Rettungsgasse frecherweise zum schnelleren Fortkommen. Unter dem Beifall anderer Verkehrsteilnehmer - so berichteten die Beamten - kontrollierten die Verkehrspolizisten den Mann, belehrten ihn, leiteten ein Ordnungswidrigkeitenverfahren ein und ließen ihn sich in die Schlange der Wartenden einordnen“, berichtet Knaup.

(red/dh)