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| 16:19 Uhr

Wirtschaft
Feinkosthersteller Homann sagt Umzug nach Sachsen ab

Feinkosthersteller Homann sagt Umzug nach Sachsen ab. Foto: dpa
Feinkosthersteller Homann sagt Umzug nach Sachsen ab. Foto: dpa FOTO: Philipp Hülsmann / dpa
Leppersdorf. Rasanter Kurswechsel bei Homann: Die Umzugspläne nach Sachsen sind Geschichte, der Feinkosthersteller will die Altstandorte erhalten. Am Stammsitz Dissen herrscht große Freude. Aber auch für Sachsen kündigt der Müller-Konzern Investitionen an.

Kurswechsel beim Feinkosthersteller Homann aus Niedersachsen: Der Mutterkonzern Theo Müller hat die Umzugspläne nach Sachsen gestoppt. Die Homann-Produktion soll stattdessen an allen bestehenden deutschen Standorten weitergeführt werden, teilte die Unternehmensgruppe Theo Müller am Freitag mit.

Der Aufsichtsrat habe beschlossen, rund 200 Millionen Euro in die Standorte Dissen, Bad Essen, Bottrop und den Standort Rogätz in Sachsen-Anhalt zu investieren. Ein weiterer Standort ist im thüringischen Floh-Seligenthal. Aber auch Sachsen ging nicht leer aus: Müller kündigte an, in dem Freistaat 250 Millionen Euro investieren zu wollen - darunter 140 Millionen in eine neue Produktionsstätte. Dabei sollen rund 150 neue Arbeitsplätze entstehen. Die Investitionen sind bis 2021 geplant.

Noch im vergangenen Jahr hatte Homann angekündigt, die Homann-Produktion bis 2020 im sächsischen Leppersdorf konzentrieren zu wollen und damit auch den seit 1876 bestehenden Stammsitz der Firma in Dissen bei Osnabrück schließen zu wollen. Sozialpläne waren bereits ausgehandelt worden. Nun will die Homann-Geschäftsführung erneut Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen.

Über die Gründe für den Kurswechsel machte die Müller-Gruppe zunächst keine genauen Angaben. „Grundlage des Aufsichtsratsbeschlusses waren die Ergebnisse einer Prüfung des bisherigen Standortkonzepts hinsichtlich Zeitplanung, Investitionsvolumen und Positionierung am Markt“, hieß es lediglich in einer Pressemitteilung.

Noch im vergangenen Jahr hatte der Konzern betont, dass die Fortführung der Alt-Standorte unwirtschaftlich sei. Beobachter bringen das Umdenken bei Müller mit dem Weggang zweier Homann-Top-Manager im Herbst in Verbindung, die sich maßgeblich für den Umzug nach Leppersdorf eingesetzt hatten. Daraufhin habe die neue Unternehmensleitung die Umzugspläne wieder auf den Prüfstand gestellt. Darüber hatte seinerzeit das „Westfalen-Blatt“ erstmals berichtet.

„Ich nehme mit Bedauern zur Kenntnis, dass die Übersiedlung von Homann nicht funktioniert“, sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Freitag. Er zeigte sich aber erfreut, dass die Theo-Müller-Gruppe am Standort Leppersdorf investieren wolle und sich damit klar zum Standort bekenne. Das Unternehmen hat dort bereits unter anderem eine große Molkerei.

In Sachsen ist neben der neuen Produktionsstätte etwa eine Membranfiltrationsanlage, ein neues Hochregallager sowie eine Anlage zur Aufbereitung von Abwasser geplant. „Leppersdorf bleibt damit einer der modernsten Molkereistandorte in Europa“, erklärte Dulig.

Er betonte, dass ihm von der Unternehmensgruppe versichert worden sei, dass die Entscheidung eine unternehmerische sei und nichts mit Sachsen zu tun gehabt habe. Dem Freistaat sei kein Schaden entstanden - Fördergelder seien noch keine geflossen.

Der Dissener Betriebsratschef Andreas Straede reagierte mit Erleichterung: „Ich freue mich heute einfach“, sagte er der dpa. „Es ist eine Entscheidung geändert worden, jeder Unternehmer hat das Recht dazu.“ Zwar werde es wahrscheinlich Umstrukturierungen bei Homann geben. „Aber auf jeden Fall ist das tausend Mal besser, als die Produktion nach Leppersdorf zu verlagern, denn das hätte das Aus für uns bedeutet“, sagte Straede.

In der Region Osnabrück beschäftigt Homann rund 1200 Mitarbeiter. Insgesamt arbeiten 3000 Menschen bei dem Feinkostunternehmen, das einen Jahresumsatz von 640 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Müller-Gruppe beschäftigt am Standort Leppersdorf über 2500 Mitarbeiter.

Für die niedersächsische Landesregierung äußerten sich SPD-Regierungschef Stephan Weil und sein Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). „Ich freue mich für die Beschäftigten in Dissen und Bad Essen, dass eine lange Phase quälender Unsicherheit nun vorbei ist“, sagte Weil. Althusmann sagte, er sei erleichtert über die Entscheidung. Althusmann hatte schon vor drei Wochen angedeutet, dass Homann seine Sachsen-Pläne aufgeben wolle.

(dpa/gro)