Die angeordneten Sicherheitsmaßnahmen werden im Zoo konsequent umgesetzt. „Es gibt bei der Einhaltung der Einschränkungen keine Schwierigkeiten“ , versichert Jorga. Das bedrohte Federvieh bleibt noch bis zum 15. Dezember vorschriftsmäßig im Stall. 27 Hühner und 23 Enten verschiedener Arten, zehn Fasane, acht Witwenpfeifgänse und zwei Straußenwachteln dürfen sich seit dem 22. Oktober nicht mehr unter freiem Himmel aufhalten. Sie sind in Ställen oder geschützten Volieren untergebracht. „Wir haben zum Glück noch keine Verluste“ , zeigt sich Jorga zwar erleichtert, doch für die Tiere bedeute die Stallpflicht großen Stress. Aufgrund des geringeren Platzangebotes komme es gelegentlich zu Revierstreitigkeiten. Aber der Zoo-Direktor hält die strengen Maßnahmen für angebracht. Dass der Tierschutz und die artgerechte Haltung dabei etwas auf der Strecke blieben, ließe sich leider nicht vermeiden.
Am großen Wasservogelteich herrscht deshalb Ruhe. Nur ein paar vereinzelte Elstern und eine Wild ente sind zu sehen. Die Fütterung der eigenen Gänse und Enten unter freiem Himmel wurde komplett eingestellt, „damit ein Kontakt unserer Zootiere mit Wildvögeln ausgeschlossen werden kann“ , erklärt Jorga, der seit 1984 Direktor in Hoyerswerda ist. Aufgrund der Futtereinstellung leiden allerdings auch die Wildtiere. Türkentauben, Enten, Sperlinge und Meisen haben sich im Laufe der Jahre an die Fütterung gewöhnt, erzählt Jorga. „Es besteht die Gefahr, dass einige Tiere regelrecht verhungern, wenn sie nicht anderswo Nahrung finden“ , befürchtet der Experte.
Auch wenn ein Kontakt der Zoo-Bewohner zu Wildtieren aufgrund der Stallpflicht nahezu ausgeschlossen ist, gibt es umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen, die von den Mitarbeitern eingehalten werden. So müssen sich zum Beispiel die Tierpfleger auf Desinfektionsmatten ihre Schuhe reinigen. Bei der Kleidung werden ebenfalls besondere Sicherheitsvorschriften beachtet. Die Geräte bleiben in den Nutzungsbereichen, damit auch hier ein Kontakt mit anderen Tieren vermieden wird. Außerdem greifen die üblichen Vorkehrungen zur Abwehr von Krankheiten. „Es werden alle toten Tiere ins Labor nach Dresden geschickt“ , erklärt der Zoo-Chef. Dadurch sei auch sichergestellt, dass ein möglicher Vogelgrippefall sofort erkannt wird.
Werner Jorga hat sich in den letzten Wochen intensiv mit dem Thema Vogelgrippe beschäftigt. Ein dicker Ordner mit diversen Berichten zu dem Thema steht auf seinem Schreibtisch. „Eine Gefahr sehe ich vor allem im Frühjahr, wenn die Zugvögel zurückkehren“ , sagt der Zoo-Direktor. „Denn unsere heimischen Tiere haben in Afrika oder der Türkei Kontakt zu anderen Vögeln“ , begründet er seine Bedenken.

Zum Thema Zoo Hoyerswerda
 Im Zoo Hoyerswerda leben derzeit auf einer Fläche von sechs Hektar mehr als 1000 Tiere, auf 200 Arten verteilt. Den Tierpark gibt es in der Altstadt seit 1959. Bereits 1955 waren um das Schloss herum erste Tiergehege angelegt worden.