Allerdings nicht in Hoyerswerda, sondern im fernen Hagen hatte man die beiden Zeitzeugen der Reimann dazu angeregt und motiviert - und ihnen die Möglichkeit des Druckes eröffnet. Eben nicht in Hoyerswerda. . .
Dennoch wird das an der Fernuniversität Hagen herausgegebene Buch ein Botschafter insbesondere auch für Hoyerswerda sein. Das wurde Dienstagabend in einer Gesprächsrunde am Kamin im Schloss deutlich. Dort stellten die Schmidts ihr 170 Seiten starkes Buch mit dem Titel „Brigitte Reimann - Begegnungen und Erinnerungen“ beim Kunstverein Hoyerswerda vor. Hier lauschte man den von Helene Schmidt ausgewählten und vorgetragenen Anekdoten und Berichten über die Rei mann so andächtig, dass man eine Stecknadel zu Boden fallen hören konnte.
Verdienst des Hoyerswerdaer Autorenpaares ist es wohl vor allem, einen so umfassenden Einblick in das Leben, das Denken und das Wesen der Brigitte Reimann zu geben, wie man ihn in dieser Zusammenfassung noch nicht kennt. Helene und Martin Schmidt verwenden dafür einerseits ihre sehr persönlichen Erinnerungen an Begegnungen, Gespräche und den Briefwechsel mit der Reimann sowie auch ihre Begegnungen mit dem Bruder der Autorin und der langjährigen Freundin Irmgard Weinhofen. So manches galt es nach verschiedenen Fernsehdokumentationen über die Rei mann wohl vom Kopf auf die Füße zu stellen.
Aber ihre Einschätzungen über die Autorin belegen die Schmidts stets auch mit dem Urteil Dritter. Und so stellt das Buch eine Reihe exzellent ausgewählter und seltener Zitate und Tagebuchnotizen miteinander in Verbindung - zum Beispiel auch jene von Brigitte Reimanns Ehemann Siegfried Pitschmann. Dem entstammt ein sehr humorvoller Auszug über die Wirkung, die Brigitte Reimann auf Männer hatte. Für die Schmidts ist und bleibt die Reimann aber vor allem eines: eine leidenschaftliche Frau, die emphatisch und schüchtern zugleich war, mutig und voller Widerspruchsgeist, verständnisvoll, eine „Idealistin“ , die auf die besondere Kraft der Künste vertraute und im Ringen um ihren großen Roman bis zum Tode nicht nachließ. Mit dem Buch der Schmidts wird auch für alle Leser diese außergewöhnliche Frau lebendig.