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| 17:44 Uhr

Hoyerswerda
Ein famoser Bus bringt Zukunftstechnologien in die Stadt

Julius Plüschke (hinten) erklärte Detlef Bindseil und Hannes den 3D-Drucker des Fabmobils.
Julius Plüschke (hinten) erklärte Detlef Bindseil und Hannes den 3D-Drucker des Fabmobils. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda . Das „Fabmobil“ hat kürzlich in der Energiefabrik in Knappenrode haltgemacht.

Seit einem Dreivierteljahr tourt ein famoses Mobil durch die Region Ostsachsen. Nach Schulen und Kulturzentren hatte das Fabmobil nun auch in der Energiefabrik Knappenrode einen Stopp eingelegt. Jugendliche, ihre Eltern oder Senioren haben in dem Doppelstockbus moderne Digital- und Prototypingtechnologien kennenlernen und mithilfe dieser Technik eigene Projekte verwirklichen können. „Das ist unser Anspruch“, sagte Workshopleiter Julius Plüschke.

Durch den regelmäßigen Besuch von Einrichtungen ist auch eine längerfristige Arbeit mit Interessenten möglich, die digitale Technologien intensiver kennenlernen wollen.

Zu den ersten Gästen im Bus in Knappenrode gehörte Diplomingenieur Detlef Bindseil, der in seinem Arbeitsleben mit schwerer Eisenbahntechnik zu tun hatte. Dass heute Mopedblinker oder funktionierende Karabinerhaken aus Plastikmasse am 3D-Drucker hergestellt werden können, war für ihn unvorstellbar – bis er es im Fabmobil gesehen hat.

Zuerst muss ein Originalteil, das der Natur entstammen kann oder traditionell handwerklich hergestellt wurde, mit dem 3D-Scanner eingescannt werden. Es ist auch möglich, ein Objekt mit einem CAD-Programm direkt am Rechner zu entwerfen. Die Form muss dann am Computer nachbearbeitet werden. Als letzter Schritt wird sie über den 3D-Drucker, den Folienplotter oder den Lasercutter wieder in die reale Welt zurückgeholt, erklärte der ausgebildete Produktgestalter und Workshopleiter Julius Plüschke. Der Drucker baut im Inneren der Form eine Stützstruktur auf und braucht viele Stunden Zeit für seine Arbeit.

Auch Jens Dürlich und sein Sohn Hannes aus Hoyerswerda schauten neugierig zu, wie aus der konstruierten Form im Rechner und der Plastikmasse im 3D-Drucker in vielen Schichten ein kleines Einhorn entstand. Schneller geht es mit dem Lasercutter, der wie eine Laubsäge dünnes Holz, Leder, Pappe oder Filz exakt ausschneidet. Der Mensch muss die vielen flachen Teile dann zu dem gewünschten Gegenstand zusammenpuzzeln und –kleben, erklärte Julius Plüschke.

Die Mitarbeiterin der Energiefabrik, Juliane Wünsche, hat das Fabmobil als Attraktion für die Museumsgäste hergeholt, aber auch, um selbst Neues über Zukunftstechnologien zu lernen. Sie will künftig die Jugend mehr für das Industriemuseum interessieren und eröffnet deshalb am 12. Oktober die Projektwerkstatt „Generator“. Dort können Besucher jeden Alters künstlerisch-handwerklich zu thematischen Inhalten der Energiefabrik arbeiten.

Damit das Fabmobil, das übrigens einzigartig in Deutschland ist, ab November weiter zur Kulturfabrik Hoyerswerda oder zum Beruflichen Schulzentrum Kamenz fahren kann, braucht es dringend Sponsoren.

Die einjährige Förderung des Projekts durch die Kulturstiftung des Bundes und des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst läuft nämlich im Oktober dieses Jahres aus, erklärte Julius Plüschke. Hinter dem rollenden Zukunftslabor stehen der Dresdener Verein Constitute und das Berliner Design- und Forschungsstudio The Constitute.

Nähere Informationen sind unter www.fabmobil.org abrufbar.

(dcz)