"Wir helfen in ganz alltäglichen Situationen und sind für jede Familie, die Hilfe benötigt, da", sagt Ilona Renner, Sozialpädagogin bei der Familienhilfe des Internationalen Bundes in Lauta, die seit dem Jahr 1993 existiert. Momentan betreuen die vier Mitarbeiter der Hilfsstelle 15 Familien. Wie die Sachgebietsleiterin des Sozialen Dienstes des Landkreises Bautzen, Monique Rex, erklärt, hat es im Jahr 2013 genau 155 Neufälle gegeben. Besonders einkommensschwache Familien benötigen zunehmend Hilfe. Voraussetzung für die Gewährung von einer sozialpädagogischen Familienhilfe ist jedoch erst einmal ein Antrag der Eltern auf Hilfe zur Erziehung beim zuständigen Jugendamt. Wenn der Antrag vom Jugendamt bewilligt ist, dann besuchen Familienhelfer die Familien regelmäßig in ihrer Wohnung. "Bei unseren Besuchen erleben wir Familienhelfer die vorliegenden Probleme unmittelbar und suchen vor Ort gemeinsam mit den Familien nach individuellen und passgenauen Lösungen", schildert Ilona Renner. Die seit 1993 in der Familienhilfe tätige Sozialpädagogin beschreibt, dass dabei ein Hilfeplan mit den Familien erstellt wird. In diesem Plan werden mit den Eltern die Lösungsschritte für Probleme, Krisen und Konflikte, die sich in Zusammenhang mit ihren Erziehungsaufgaben aufweisen, mit Zielen und Überprüfungszeiträumen festgeschrieben. Ilona Renner erzählt, dass sowohl praktische Hilfen in der Kindererziehung oder in der Versorgung des Haushaltes gezeigt werden. "Die Familien werden durchaus auch bei wirtschaftlichen Fragen unterstützt. Jedoch muss stets die Notwendigkeit der Hilfe zur Erziehung gegeben sein", erklärt sie. Das Motto der Familienhilfe lautet dabei stets "Hilfe zur Selbsthilfe". So soll vor allem den Eltern die Verantwortung für die Bewältigung ihrer mitunter vielfältigen Probleme nicht abgenommen werden, sondern sie sollen vielmehr zur Erarbeitung eigener Lösungsstrategien angeregt werden.

Wichtig bei der Arbeit der Familienhilfe sei außerdem eine gemeinsam geschaffene Vertrauensbasis, erzählt Carmen Curda, eine weitere Mitarbeiterin in der Familienhilfe. "Als Familienhelfer betreut man die Familien in einer ganz intensiven Form. Man dringt mitunter tief in die Privatsphäre der Eltern ein. Dazu braucht man Vertrauen", sagt Carmen Curda. "Jeder Familienhelfer hat bei jeder Familie eine andere Art und Weise, dieses Vertrauen aufzubauen. Manche Familien sind recht offen, einige sehr vorsichtig, andere sind ganz verschlossen, und dann gibt es diejenigen, die wollen alles genau beobachten", führt sie weiter auf. Bei manchen Familien stoße der Familienhelfer auch durchaus manchmal auf Ablehnung. "In diesem Fall muss der Helfer mit noch mehr Einfühlungsvermögen und dem richtigen Gespür herangehen", erzählt Carmen Curda.

Bei alleinerziehenden Müttern fehle bei den Kindern auch oft das Vaterbild. In diesem Fall beschäftigt die Familienhilfe in Lauta auch einen männlichen Sozialpädagogen, der als Familienhelfer in solchen Fällen eingesetzt werden kann. André Kleiber arbeitet seit dem Jahr 2003 bei der Familienhilfe des Internationalen Bundes in Lauta. "Männliche Familienhelfer sind eher selten, aber in meinen Augen auch notwendig", erzählt er. Die Anforderungen an einen Familienhelfer, der die meisten Familien im Durchschnitt für rund anderthalb Jahre begleitet, sind schnell aufgezählt: immer ein offenes Ohr, viel Einfühlungsvermögen, das richtige Gespür und das nötige Fachwissen. Erst dann lassen sich die meisten Familien auf die Hilfestellungen ein.

"Es gibt aber auch Familien, die partout die Hilfe ablehnen", erzählt Ilona Renner. Dann muss dies an das Jugendamt weitergeleitet werden. Wenn das Wohle des Kindes akut gefährdet ist, dann kann das Amt eine Inobhutnahme einleiten. Im Landkreis Bautzen wurden im vergangenen Jahr 174 Inobhutnahmen ausgesprochen. Die Devise lautet hier jedoch: so kurz wie möglich, so lange wie nötig. Inobhutnahmen können schon nach einem Tag oder eben auch nach 15 Tagen oder länger beendet sein. Angestrebt werde in erster Linie, die Kinder wieder in ihre häusliche Umgebung zu entlassen. Ist dies nicht möglich, weil die Gründe, die zur Eskalation führten, dort nicht überwunden werden konnten, sind betreute Wohngruppen, anonyme Mädchenzufluchten, Pflege- oder Bereitschaftspflegefamilien Alternativen, die in jedem Einzelfall sehr sorgfältig geprüft werden.

Meistens informieren Verwandte, Nachbarn, Erzieher oder Ärzte das Jugendamt über Familien, in denen das Kindeswohl gefährdet zu sein scheint. Schaut die Gesellschaft heutzutage nach all den schrecklichen Kindsmorden genauer hin? Monique Rex vom Landratsamt Bautzen schätzt ein, dass der Schutz vor Kindeswohlgefährdung immer mehr zum gesamtgesellschaftlichen Anliegen und im weiteren auch zur gemeinsamen Verantwortung wird. Es werde weniger weggeschaut, was gut ist. "Dennoch erhöht die vermehrte Information zu einer möglichen Kindeswohlgefährdung auch die Arbeit in den Jugendämtern und in den Familienhilfestellen", meint Monique Rex.

Die Finanzierung für solche Arbeiten bleibe aber meist die Gleiche: So sind das Jugendamt beziehungsweise der Landkreis für die Finanzierung von Hilfen zur Erziehung verpflichtet. Im Jahr 2013 wurden für diese Hilfen Ausgaben in Höhe von 2,6 Millionen Euro getätigt, der Haushalt des Kreises wird entsprechend stark belastet. In Anbetracht der steigenden Familienfälle ist das laut Ilona Renner immer noch zu wenig.