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Experten streiten über Lautaer Wasser

Das Kamenzer Landratsamt hat per Anordnung den Weiterbetrieb der Grubenwasserreinigungsanlage in der Stadt Lauta verfügt. Damit soll verhindert werden, dass mit Phenol verseuchtes Wasser in den Schleichgraben gelangt. Zuvor hatte der Auftraggeber der Anlage, die Sächsische Grundstückssanierungsgesellschaft (SGSG), die jetzt als Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten (Gesa) firmiert, den Betreibervertrag zum Jahresende 2006 gekündigt. Von Sven Hering

Eine Mitteilung der SGSG im Juni des vergangenen Jahres hatte für Aufsehen gesorgt. Im Amtsblatt der Stadt Lauta hatte der Betreiber angekündigt, die Technologie wegen zunehmend uneffektiver Arbeitsweise am Jahresende einzustellen. Stattdessen sollten die vorhandenen Schadstoffnester ausgebaggert werden. Der Landtagsabgeordnete Johannes Lichdi (Bündnis 90 / Die Grünen) hatte die Ankündigung zum Anlass für eine Anfrage an die Landesregierung genommen (die RUNDSCHAU berichtete).
Jetzt hat Lichdi nachgehakt. Die Antwort von Staatsminister Stanislaw Tillich spiegelt die unterschiedlichen Interessenlagen wider. Unabhängig von der Ansicht des bisherigen Betreibers über die Effektivität der Aufbereitungsanlage sei aus Sicht der Staatsregierung entscheidend, ob der Betrieb der Anlage aus Gründen der Gefahrenabwehr erforderlich sei, so Tillich. Über diesen Punkt bestünden zwischen beiden Seiten unterschiedliche Auffassungen.
Eine von der SGSG in Auftrag gegebene Gewässergüteprognose solle nun Aufschluss darüber geben, wie lange das zufließende Wasser bei welcher Reinigungsleistung noch in einer gegebenenfalls zu modifizierenden Wasserreinigungsanlage zu behandeln sei, um eine Gewässerschädigung auszuschließen. Bis zum Vorliegen der Auswertung dieser Untersuchung halte die Staatsregierung an ihrer Aussage fest, dass ein Weiterbetrieb erforderlich bleibt, erklärt Tillich.
Um zu verhindern, dass die Anlage ersatzlos abgestellt werde, hat das Landratsamt Kamenz als zuständige untere Bodenschutz- und Wasserbehörde eine Anordnung gegenüber der Gesa zum Weiterbetrieb erlassen. Das bestätigt Landkreis-Sprecherin Sabine Rötschke. Die Gesa habe gegen diese Anordnung Widerspruch erhoben. „Da die Gefahrenlage kein Abschalten der Anlage duldet, bis eine abschließende rechtliche Klärung zur Verpflichtung der Gesa, die Anlage weiterzubetreiben vorliegt, hat der Landkreis auf dem Wege der Ersatzvornahme selbst den Weiterbetrieb der Anlage beauftragt und wird der Gesa die entstehenden Kosten in Rechnung stellen“ , so Sabine Rötschke. Der Weiterbetrieb der Anlage sei so lange erforderlich, bis entweder gutachterlich festgestellt und fachtechnisch geprüft feststehe, dass die Einleitung des anfallenden ungereinigten Wassers in das Gewässer unbedenklich oder bis gegebenenfalls eine alternative technische Lösung zur Behandlung des anfallenden Wassers gefunden worden sei.
Noch vor einem Jahr war ein Abschalten der Lautaer Anlage in Dresden überhaupt kein Thema. So erklärte Stanislaw Tillich seinerzeit, dass „trotz des zu beobachtenden rückläufigen Trends bei der Phenolbelastung im Zulauf der Wasseraufbereitungsanlage der Betrieb dieser Anlage vorläufig zur Gefahrenabwehr auch weiterhin erforderlich“ sei. Drei bis fünf Jahre, so Tillich, müsste das kontaminierte Grundwasser noch in der Anlage vorbehandelt werden, bevor es über den Schleichgraben in den Erikasee fließen könne.
„Ich kann nur hoffen, dass sich endlich Gesa, Freistaat und Landratsamt gemeinsam an einen Tisch setzen und eine Lösung finden. Denn es kann einfach nicht sein, dass der Weiterbetrieb nur durch die Androhung von Zwangsmaßnahmen gesichert werden kann“ , sagt Jens Bitzka, Beisitzer in Kreisvorstand Kamenz von Bündnis 90/Die Grünen. Es sei traurig, so Bitzka, dass die beteiligten Behörden die Öffentlichkeit nicht selbstständig informiert haben, sondern es erst einer weiteren Anfrage des Landtagsabgeordneten bedurfte, um Licht ins Dunkel zu bringen.