50 Seiten stark und gespickt mit Analysen und Statistik ist das so wichtige Papier mit dem sperrigen Namen "Gebietsbezogenes integriertes Handlungskonzept zur Förderung im Rahmen der Richtlinie Nachhaltige soziale Stadtentwicklung". Erarbeitet hat das Konzept die Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven (RAA). Mitarbeiter Jens Leschner erklärt, worum es in dem Förderprogramm geht, an das auch die Stadt Hoyerswerda einige Hoffnung knüpft: "Sozial benachteiligte Stadtgebiete sind solche, in denen Arbeitslosigkeit, der Bezug von Sozialleistungen nach SGB II und besondere Armutslagen überdurchschnittlich hoch sind", erläutert er. Unter dieser Maßgabe sind in Hoyerswerda fast die gesamte Neustadt und Teile der Altstadt als soziale Brennpunkte einzustufen. Aufrüttelnde Fakten sind zum Beispiel solche: Im Wohnkomplex III und im Zentrum der Neustadt sind jeweils 44 Prozent der Bewohner auf Hartz IV angewiesen. In den Wohnkomplexen IV, V, VI, VIII und IV beträgt diese Quote noch deutlich über 30 Prozent. Zum Vergleich: Sachsenweit liegt die Zahl der SGB II-Leistungempfänger bei knapp 13 Prozent, in der inneren Altstadt von Hoyerswerda beispielsweise bei gerade mal acht Prozent.

Ein aussagekräftiger Indikator für Armutsgebiete ist auch die Übernahmequote der Elternbeiträge in den Kindertageseinrichtungen. Für weit über die Hälfte aller Kinder in den Wohnkomplexen II bis VIII übernimmt das Jugendamt die Elternbeiträge für die Kindertagesstätten. Im Kinderhaus an der Elsterwiese sind es sogar 96 Prozent aller Kinder, für die das Jugendamt die Beiträge zahlt.

Zwischen 50 und 65 Prozent der Erziehungsberechtigten in diesen Wohngebieten sind alleinerziehend. Aus all diesen Belastungen ergeben sich besondere Problematiken. "Und noch etwas gibt Anlass zur Sorge", sagt Jens Leschner. Bei nicht wenigen Kindern entwickelt sich aus ihrem Umfeld heraus eine Distanz zur Arbeitswelt und zum Bewusstsein zur Erwerbstätigkeit.

Genau da sollen die elf sozialen Projekte ansetzen, für die sich die Stadt Hoyerswerda nun Unterstützung von der EU erhofft. "Diese Projekte sollen das Lebensumfeld vor allem für Kinder und Jugendliche fördern und sie auf dem Weg in eine tragfähige berufliche Zukunft und eigenständige Lebensführung unterstützen", erklärt der RAA-Mitarbeiter. Starten sollen die Projekte ab 2017, vorerst geplant für den Zeitraum bis 2020. Für die Finanzierung sind 1,8 Millionen Euro nötig. Das ESF-Programm ist für die Kommunen besonders interessant, weil der Fördersatz 95 Prozent beträgt und damit so hoch ist wie bei keinem anderen Förderprogramm mehr.

Der Hoyerswerdaer Stadtrat hat das Handlungskonzept einstimmig beschlossen. Hans-Jo achim Donath (Aktives Hoyerswerda) brachte dazu noch eine besondere Hoffnung zum Ausdruck: "Wir sollten das Förderprogramm als Möglichkeit verstehen, die Angebote schon bestehender Träger zu verstetigen und sie mit diesem höheren Fördersatz unterstützen."

Zum Thema:
"Brückenbauer": ein Bindeglied zwischen Schule, Kitas, Vereinen und Eltern schaffen; Ansprechpartner für Eltern, Alleinerziehende und deren Kinder in bestimmten Wohngebieten Senioren-Ehrenamts-Börse: Senioren für ein Ehrenamt gewinnen, damit diese für Kinder und Jugendliche kompetenzsteigernd wirken können (Internationaler Bund)Sport für Kinder aus Asyl- und Flüchtlingsfamilien: offenes Angebot des Sportclub HoyerswerdaAufbau Pfadfinder-Gruppe: Förderung junger Menschen, damit sie in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen (CVJM)Kom In - Kompetenz und Integration: Bildungsangebot der Zoo, Kultur und Bildung gGmbH für Grundschüler (Workshops)